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Bannspruch

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel

Im Jahr 41 verurteilte der römische Senat den Geschäftsmann Seneca zum Tod. Angestachelt hatte den Senat Messalina, die Frau von Kaiser Claudius. Das Todesurteil wurde aber in einen Bannspruch umgewandelt. Seneca bestieg ein Schiff, das ihn im rauhen, unbesiedelten Korsika ablud, wo er acht Jahre vor sich hin vegetierte. „Alles war wie Stoa und Corona: was uns Seneca hier und heute zu sagen hat: Jammern bringt nichts, hadern ebenso wenig. Stattdessen können wir uns fragen, wie uns die Corona-Situation als Menschen reifen lässt“, schreibt Wolf Dobelli in „Stoa und Corona“ in der NZZ am 7.11. 2020.

Ich bin nicht seiner Meinung. Reifen macht faule Äpfel. Jammern, hadern, schimpfen bringt‘s. Auseinandersetzung, Streit, Rede und Gegenrede lassen das Blut des Lebens zirkulieren, setzen Demokratie in Bewegung. Sie wird grad zum faulen Apfel. Der Text von Dobelli dürfte gut ankommen. Ein typischer Bussiwörterhaufen der „Ganzlieb“-Feuilletonküche. Er bestätigt SUV-FahrerInnen mit Hündchen in ihrer ersten Bürgerpflicht: Ruhe bewahren.

Als ich letzten Samstag die vier maskierten österreichischen Gesundheitspfadfinder, Eseln gleichend, in der Pressekonferenz wieder aufmarschieren sah, als ich zum wiederholten Mal erlebte, wie sie von den Aktuellen Diensten des ORF mit TV-Zeit kritiklos bedient wurden, als ich hörte, wie die Vier ununterbrochen die Merksätze 1 bis 4 und „wie wir ab sofort Leben retten sollen“ selbstgefällig herunterbeteten, war das schwer auszuhalten. Mir kam in den Sinn, meinen Fernseher einzuschlagen. Ich war dann doch zu kleinlich.

Was ist das für ein Volk? Was ist das für eine heimische Zweibeiner-Sorte, die alles brav hinnimmt? Wo ist die Gegenrede? Wo bleibt die offene Auseinandersetzung? Was sind das für Wissenschaftler, für Ärztekämmerer, für Chefredakteure, die Kritik nicht zulassen? Was ist das für ein Primitivismus, wenn Kritiker pauschal als Coronaleugner, Covididioten (SPD), Verschwörungstheoretiker, Neonazi, Halbverrückte, Dummiane und Sklaven der Social Media bezeichnet werden. Was ist das für eine Freiheit, die nur eine Meinung zulässt? Was sind das für Grüne, die aus Angst vor Machtverlust die Auseinandersetzung fliehen? Was sind das für ÖVP-Landeshauptmänner, die sich hinter Kurz wegducken? Was ist das für eine Medienlandschaft, in der nur noch zwei Sender, nämlich Servus-TV und zum Teil Ö24 offene Diskussion und Satire bringen? Was ist das für ein Kulturverlust, wenn statt Kultur, Kunst und Sport, BIEDERKEIT fröhliche Urständ feiern muss und Party Schule macht? Lesen KURZ und NEHAMMER außer KARL MAY noch was anderes? Ja, KRONE. An diesem Lockdown-Ankündigungsabend spielte der ORF „SCHWEINSKOPF al dente“ in FS1 und „HANSI HINTERSEER im Tuxertal“ in FS2. So reifen wir.

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