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Bande beraubt Reisende in Nachtzügen

In der vergangenen Woche hat ein heimtückischer Überfall Aufsehen erregt: Die Leiterin der Justizanstalt Feldkirch, Krista Schipper, wurde im Schlafwagen des Nachtzugs von Feldkirch nach Graz ausgeraubt - VOL berichtete.

Schipper ist überzeugt, dass sie betäubt wurde, beweisen lässt sich das jedoch nicht. Die ÖBB beruhigte die Öffentlichkeit mit der Angabe, die Züge seien sicher und so ein Vorfall höchst selten. Doch dieser Fall ist nicht der einzige, wie das Ehepaar Manfred und Helga Sauer aus Mäder berichtet: „Wir haben den Artikel in den ,VNÑ gelesen und gedacht: Das kann ja nicht wahr sein, das Gleiche ist uns doch auch passiert. Ein Einzelfall ist das mit Sicherheit nicht“, berichten die beiden im „VN“-Gespräch.

Merkwürdiger Geruch

Das pensionierte Ehepaar war am 21. Dezember des vergangenen Jahres unterwegs mit dem Nachtzug von Feldkirch zu ihrem Sohn nach Wien. “ Wir haben versucht, beide Schlösser an der Tür unseres Schlafwagens zu verriegeln, doch nur eines funktionierte, es war ein einfaches Drehschloss“ , so Manfred Sauer. Auch in einem weiteren Abteil funktionierte nur ein Schloss, berichtet der 70-Jährige.

Gegen Mitternacht muss es dann passiert sein. Das Ehepaar liegt in den Betten, als beide einen merkwürdigen Geruch bemerken: “ Obwohl wir vorher hellwach waren und nicht schlafen konnten, waren wir plötzlich zur gleichen Zeit im Tiefschlaf und sind erst am nächsten Morgen aufgewacht“ , erzählt Helga Sauer. Dann die unangenehme Entdeckung: der ganze Schlafwagen wurde beraubt, dem Ehepaar Sauer fehlten 550 Euro, einem Schweizer Paar wurden die neue Videoausrüstung und teurer Schmuck gestohlen, bei vielen anderen waren die Taschen durchwühlt. “ Viele Reisende haben daraufhin berichtet, dass sie nachts die gleiche Erfahrung gemacht haben: zuerst der Geruch und dann der tiefe Schlaf“, so Manfred Sauer. Das Ehepaar aus Mäder ist davon überzeugt, dass es mit Gas betäubt wurde.

20 Einzelfälle

Von Seiten der ÖBB sieht man keine erhöhte Gefahrenlage: “Wir beurteilen die Diebstähle als Einzelfälle. Im vergangenen Jahr hat es im Euronight 247 genau 20 solcher Vorfälle gegeben. Bei 130.000 Reisenden in diesem Zug ist das wenig“, so ÖBB-Sprecher Johannes Gfrerer. “Bei einer Häufung solcher Ereignisse geht automatisch eine Meldung ans Innenministerium, Ende 2004 gab es als Maßnahme in den Zügen verstärkte Kontrollen“, so der weitere knappe Kommentar der ÖBB.

Davon hat das Ehepaar Sauer nichts bemerkt. “Man hat uns auch nicht auf die Gefahr hingewiesen, wir waren völlig arglos, außerdem darf es nicht sein, dass einige Schlösser nicht funktionieren, wenn die ÖBB von einer solchen Gefahr weiß.“ Was das Ehepaar noch sehr erstaunt hat: “Es wurde seitens der ÖBB nichts unternommen, um die Bande zu stellen. Die muss ja mit im Zug gewesen sein, aber die Polizei wurde nicht zum Zug gerufen.“ Das Ehepaar ging selbst zur Polizei am Wiener Westbahnhof und meldete den Vorfall. “Mit uns haben drei andere Betroffene Anzeige erstattet.“ Den Wiener Polizisten war die Sache offenbar nicht neu, so jedenfalls ist Manfred Sauers Erfahrung: “Einer der Beamten sagte: ‘Das ist eine Bande, die da in den Nachtzügen unterwegs ist.'”

Wegen des Umgangs mit den Ausgeraubten ist das Ehepaar immer noch über die ÖBB verärgert: “ Man hat uns vorgeworfen, die Schlösser nicht richtig verriegelt zu haben, dabei war das Hauptschloss ja kaputt. Eine Entschuldigung für den Vorfall gab es auch nicht.“

Das Geld haben die Pensionisten nie wieder gesehen. Später erfährt das Ehepaar: Nur eine Woche, bevor sie ausgeraubt wurden, ist das gleiche einem entfernten Bekannten auf derselben Strecke passiert. Nachwirkungen durch die vermutete Betäubung gab es zum Glück nicht: “ Nur viel Wut im Bauch“, so Helga Sauer.

Manfred Sauer im “Antenne”-Interview (Realaudio)

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