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Bald oberster Dienstleister

Am 1. Oktober übersiedelt er vom dritten in den sechsten Stock des Landhauses. Büro mit Blick über den See, erste Sahne. Aber er wird der Aussicht wenig Zeit widmen. Günther Eberle folgt Johannes Müller als Landesamtsdirektor. Er wird gewissermaßen zum alter ego des Landeshauptmanns auf beamteter Ebene.

Steht dann an der Spitze von 1600 Landesbediensteten. Weiß, dass Vorarlbers Landesverwaltung im Österreich-Vergleich klarer Sieger ist. Ist sich aber auch bewusst, wie viel Mühe es kostet, damit Kundenorientierung oberste Prioriät behält.

Der Familienrat tagte

Und das tut er sich alles freiwillig an? Im Gedanken an sein Zuhause in Lauterach sagt er: „Es gab schon einen Familienrat.“ Den Vater einer Lehrerin und eines Juristen hat es einfach gereizt, „die Verwaltung mitzugestalten“. Kennengelernt hat er sie in all ihren Facetten. Nach Jus- und Wirtschaftsstudium in Innsbruck leistete er sein Gerichtsjahr ab. Dann ging er zum Land und rotierte von der Finanzabteilung zur Verkehrsabteilung, aus dem Polizeibereich ins Präsidium. In der Bregenzer Bezirkshauptmannschaft leitete er die Wirtschaftsagenden, saß Prüfungskommission vor und zählt u. a. zur Delegation der Internationalen Rheinregulierung. Oben auf seinem Aktenschrank stehen noch ein geschnitzes hölzernes Kreuz und zwei Kerzen – Relikte aus der Zeit, in der die Vereidigung von Zivilingenieuren und Wirtschaftstreuhändern noch formvollendet im Angesicht des Allerhöchsten vonstatten ging.

Reiz der Naturwissenschaft

Und nun also folgt die oberste Sprosse der Karriereleiter. Sonderbar, wenn man bedenkt, wie anders alles hätte kommen können. Günther Eberle wollte wenigstens gleich gerne Physiker werden. Spricht er davon, dass Mitarbeiter „durch Sog statt durch Druck“ motiviert werden müssen, zeichnet seine Rechte ganz selbstverständlich das Profil eines Flugzeugflügels aufs Papier. Ein dicker Pfeil markiert den Auftrieb, der den Flieger in der Luft hält. Druck spielt dabei gar keine entscheidende Rolle.

Unter der Motorhaube

Nun, Physiker sind an Vorarlbergs Schulen Mangelware, aber Eberle wäre nicht vor die Klassen getreten. Die „technische Physik“ hätte ihn gereizt. Auch ganz praktisch: Als er mit seinem Peugeot 404 auf der Silvretta liegen blieb, hat er kurzerhand die Einspritzpumpe ausgebaut und zerlegt und in Ordnung gebracht. „Schreiben Sie das lieber nicht“, bittet er immer wieder, aber dann übermannt ihn die Erinnerung doch. Wussten Sie, dass man dem Differentialgebtriebe damals nur ja kein Motoröl zufügen durfte? „Pflanzenöl“ nahmen die Insider, reines Pflanzenöl. So fügte sich noch manches Histörchen an, wie sie Fahrzeuge neueren Datums nicht mehr in Ansätzen produzieren können. Aber Günther Eberle klappt den Deckel der Erinnerungen zu, jetzt wieder ganz designierter Landesamtsdirektor, der sich als oberster Dienstleister versteht. Ohne Parteibuch, aber mit allem Elan.

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