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Bagdad: Welle der Gewalt ebbt nicht ab

14 Millionen Iraker sind am Sonntag dazu aufgerufen, über ihre politische Zukunft zu entscheiden. Doch die Welle der Gewalt ebbte auch am Freitag nicht ab: Bei einem Anschlag starben vier Menschen, weitere wurden verletz.

Aufständische beschossen außerdem Gebäude und Einrichtungen, in denen am Sonntag gewählt wird. Unterdessen konnten im Ausland bereits die ersten Auslandsiraker ihre Stimmen abgeben: In Deutschland, Skandinavien und im Iran wurde bereits eine rege Wahlbeteiligung verzeichnet. Die Stimmabgabe in weltweit 14 Ländern endet am Sonntag, dem Tag der Wahl im Irak selbst. Die erste Wahl in dem Golfstaat seit dem Sturz von Präsident Saddam Hussein 2003 gilt als Meilenstein auf dem Weg zur Demokratisierung des Landes.

Die Organisatoren der Wahl in Deutschland rechnen mit einer hohen Beteiligung. Die Leiterin des Exil-Wahlprogramms für Deutschland, Herta Eckert, äußerte die Erwartung, dass ein Großteil der etwa 26.500 in Deutschland registrierten Wahlberechtigten eine Stimme abgeben werde. In Deutschland können auch Iraker aus anderen Ländern wie Österreich, Ungarn, Polen, Tschechien und Slowenien wählen. Hoch dürfte auch die Beteiligung in Skandinavien – vor allem in Schweden – und im Iran werden. Im Nachbarland des Irak kamen tausende Iraker am Freitag zum Wahllokal im Teheraner Basar. In Iran hatten sich fast 61.000 Auslandsiraker für die Wahlen registrieren lassen, so viele wie in keinem anderen Land. Dort leben rund 81.000 Iraker, überwiegend Schiiten, die während des Saddam-Regimes, das sunnisch dominiert war, in ihrer Heimat verfolgt worden waren.

In Großbritannien lief die Wahl für die dort lebenden Auslands-Iraker hingegen sehr ruhig an. Von den insgesamt 150.000 möglichen Wahlberechtigten hatten sich zuvor nur knapp 31.000 in die Wählerverzeichnisse eintragen lassen. Wahllokale gab es in London, Manchester und Glasgow. Die Abstimmung erfolgte dabei unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Das Ergebnis der Wahlen will die irakische Wahlkommission in frühestens sieben bis zehn Tagen bekannt geben, vorläufige Ergebnisse eventuell Anfang nächster Woche. Hochrechnungen und Prognosen auf Grund von Wählerbefragungen (exit polls) wird es in der Wahlnacht voraussichtlich nicht geben. Für viele stellt sich ohnehin weniger die Frage, wer gewinnt, sondern wie viele überhaupt mitmachen. Einflussreiche sunnitische Kleriker riefen zum Boykott des Urnengangs unter amerikanischer Besatzung auf.

Die irakischen Behörden wollen indes den seit Monaten anhaltenden Terror mit beispiellosen Sicherheitsvorkehrungen eindämmen oder sogar stoppen. Die Grenzen sind seit Freitag geschlossen, es gelten nächtliche Ausgangssperren, am Wahltag sogar ein allgemeines Fahrverbot. Die Liste der Namen der meisten Kandidaten ist geheim, sie kann angeblich nur von den Wählern in den Wahllokalen eingesehen werden. Diese von manchen als irregulär bezeichneten Bedingungen lassen einige Beobachter befürchten, dass die Wahlen durch Druck und Manipulationen beeinträchtigt werden könnten.

Der US-Botschafter in Bagdad, John Negroponte, rechnet trotz aller Probleme und Anfeindungen mit einer hohen Beteiligung im Land. „Die Beteiligung wird gut sein, vor allem im Norden und im Süden“, sagte Negroponte in einem Interview des US-Senders CNN. Negroponte betonte, dass für die Sicherheit in erster Linie die irakische Polizei verantwortlich sei. Im Fall von Anschlägen oder größeren Problemen stünden die Koalitionstruppen aber zur Unterstützung bereit.

Dennoch bleiben die Sicherheitsmängel zum Teil gravierend: Zwei Tage vor der Wahl verübten Aufständische Anschläge auf Wahllokale. In mindestens sechs großen Städten wurden Häuser und Schulen beschossen oder angegriffen, in denen am Sonntag gewählt wird.

Die USA werden ihre Truppen aus dem Irak abziehen, wenn die nächste irakische Regierung dies verlangt. Das betonte US-Präsident George W. Bush in einem Interview mit der „New York Times“. Auf eine entsprechende Frage sagte Bush: „Absolut.“. Er gehe allerdings nicht davon aus, dass es dazu komme, sagte der Präsident in dem am Freitag veröffentlichten Interview.

Bei Anschlägen nahe Bagdad zwei US-Soldaten getötet

Zwei Tage vor Öffnung der Wahllokale im Irak sind am Freitag erneut mehrere Menschen bei Anschlägen getötet worden. Bei einer Bombenexplosion im Süden Bagdads wurden ein US-Soldat getötet und drei weitere verletzt, wie die US-Armee erklärte. Ein weiterer Soldat kam demnach bei einem Schusswechsel im Norden der Stadt ums Leben. Bei Angriffen auf zehn Wahlbüros in den Regionen Kirkuk, Tikrit, al-Dur und Shirkat nördlich von Bagdad wurden insgesamt ein Polizist getötet und sieben Zivilisten verletzt.

In Ramadi rund hundert Kilometer westlich von Bagdad wurden am Freitag die Leichen von sechs irakischen Soldaten gefunden. Die Männer seien erschossen worden, sagte ein Polizeibeamter. Die Täter hätte die Leichen im Zentrum der Stadt zurückgelassen. Am Donnerstag waren östlich von Ramadi vier irakische Soldaten nach einem Besuch bei einer US-Militärbasis verschleppt worden. Augenzeugen sagten allerdings, bei den Toten handele es sich nicht um die Entführten.

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