Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Babyglück auf Raten

„Wenn ich groß bin, werde ich Kinderkrankenschwester.
Mehr zum Thema

“ Das wusste Vera (heute 52) bereits als Volksschülerin. „Ich war die Oberbabysitterin in unserer Siedlung“, bringt sie zum Ausdruck, dass sie schon als Mädchen von Kindern angetan war. Später ergriff die gebürtige Steirerin ihren Traumberuf. An ihrer ersten Arbeitsstelle, im Spital Bludenz, lernte die Kinderkrankenschwester ihren späteren Mann Rainer Juriatti (heute 54) kennen, der dort als Zivildiener tätig war. Das Paar heiratete 1989 mit dem Wunsch, baldmöglichst eine Familie zu gründen. „Rainer wünschte sich fünf Kinder, ich zwei.“

„Fühlte mich als Versagerin“

Als die junge Frau schwanger wurde, war die Freude bei beiden groß. Doch diese währte nicht lange. „In der 10. Woche setzte bei unserem Wunschkind der Herzschlag aus.“ Vera war geschockt. Mit einer Fehlgeburt hatte sie nicht gerechnet. „Es war sehr schlimm. Mein Baby war tot, während eine Bekannte sich über ihren putzmunteren Säugling freute.“ Kurz darauf wurde Vera aber wieder schwanger. Aber auch dieses Kind starb noch im Mutterleib, es lebte nur acht Wochen. Jetzt fühlte sich Vera als Versagerin. „Ich dachte mir, dass mit mir etwas nicht stimmt.“ Zu ihrem Mann sagte sie: „Mit mir wirst du die fünf Kinder nicht bekommen. Du musst dir eine andere Frau suchen.“ Seine Antwort wird ihr für immer in Erinnerung bleiben: „Ich verlasse dich sicher nicht, denn ich liebe dich.“ Rainer war es auch, der sie bestärkte, nicht die Flinte ins Korn zu werfen. „Wir probieren es nochmals“, machte er ihr Mut. Aber es vergingen mehrere Jahre, ohne dass sich etwas tat.

Ein Gynäkologe wendete das Blatt. Dieser vertraute Vera an, dass viele Frauen Fehlgeburten erleiden würden. „Er schickte mir einen Brief. Darin schrieb er, dass ich so viele Kinder bekommen würde, wie ich haben will.“ Das löste bei ihr innere Blockaden. „Ein paar Monate später war ich mit Tonio schwanger.“ Das Paar freute sich riesig über die neuerliche Schwangerschaft. „Aber gleichzeitig hatten wir Angst, auch dieses Kind zu verlieren.“ Tonio wurde 1993 gesund geboren. „Für uns war er das größte Geschenk. Endlich waren wir eine Familie.“ Die frischgebackene Mutter konnte anfangs ihre Augen nicht abwenden von ihrem Sohn. „Einen Tag lang habe ich ihn nur angeschaut und geknuddelt.“

Tonio sollte nicht als Einzelkind aufwachsen. Deshalb wünschten sich die Juriattis ein Geschwisterchen für ihn. Der Weg dorthin war aber wieder steinig. Erneut ging der Krankenschwester ein Fötus ab, dieses Mal in der 12. Woche. 1995 brachte sie Pablo zur Welt. Er war ein Frühchen und starb kurz nach der Geburt. Vera fiel in tiefe Trauer. „Ich habe keine Erinnerungen an dieses Jahr. Es ist wie gelöscht.“ Trotz aller traumatischen Erfahrungen: Die Sehnsucht nach einem weiteren Kind blieb. Und wieder war Vera, die um jedes Kind trauerte, guter Hoffnung. Aber sie erlitt abermals einen Abort. „Dann war das Thema Schwangerschaft für uns erledigt.“ Die Juriattis überlegten kurz, ob sie ein Kind adoptieren sollten. Aber sie kamen wieder davon ab. Schließlich passierte das, woran sie nicht mehr glaubten. Vera wurde mit Chiara schwanger. Sie kam 1997 gesund zur Welt.

Ein totgeschwiegenes Thema

Tonio (25), der Gymnasiallehrer ist, und Chiara (21), die Germanistik und Kunstgeschichte studiert, sind heute der ganze Stolz der Juriattis. „Aber wir haben nicht nur zwei Kinder, sondern sieben. Die toten Kinder gehören auch zu uns. Sie sind immer da.“ Nach dem Erscheinen von Rainers Juriattis neuem Buch „Die Abwesenheit des Glücks“, in dem er Sternenkindern eine Sprache gibt, sieht das Ehepaar es als seine Aufgabe an, in Lesungen über das totgeschwiegene Thema Fehlgeburten zu sprechen. „Darüber spricht man immer noch nicht. Wir wollen Betroffenen helfen und das Tabu aufbrechen.“

Mehr zum Thema

Fill 1Created with Sketch. zurück zur Startseite
Kommentare
Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.