Autosalon Genf: Alle reden über Apple und Google - doch die sind gar nicht da

Der Autosalon in Genf gehört bei den traditionellen Autobauern zu den Fixterminen.
Der Autosalon in Genf gehört bei den traditionellen Autobauern zu den Fixterminen. ©EPA, GP
Beim Autosalon in Genf ist ein absehbarer Markteintritt von Google und Apple derzeit das Hauptthema. Was muss das "Auto der Zukunft" bieten und warum glänzt Google bei der größten Autoshow Mitteleuropas durch Absenz?
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Beim Autosalon Genf – oder “Geneva International Motor Show” wie es heute korrekt heißt – präsentieren sich die größten Autobauer der Welt. Vom Klein- und Mittelklassewagen bis hin zu Luxuskarossen, Formel-1-Boliden und futuristisch anmutenden Konzeptautos werden den Interessierten die neuesten Errungenschaften und Visionen präsentiert.

Auto des Jahres (fast) kein Thema

Während der VW Passat von einer internationalen Jury als “Auto des Jahres 2015” ausgezeichnet wurde, bestimmt jedoch ein ganz anderes Thema die Autowelt in Genf. Wie werden Google und Apple die Branche beeinflussen oder gar verändern? Und warum glänzt der Technologiekonzern Google durch Abwesenheit? Trotz größter Anstregungen ist es den Veranstaltern nicht gelungen, den Internet-Giganten mit seinem Google-Car in die Schweiz zu locken. Google hat ja bereits sein erstes selbstfahrendes Auto, an dessen Entwicklung das Vorarlberger Technik-Genie Andreas Wendel federführend beteiligt ist – vorgestellt. Doch auf eine Präsentation in Genf hat der Suchmaschinen-Riese verzichtet.

Feldkircher ist Mastermind hinter selbstfahrenden Autos
Ein großes Gesprächsthema sind auch die Gerüchte um ein mögliches “iCar” von Apple, dem wertvollsten Unternehmen der Welt. Die Gerüchteküche brodelt und sorgt auch in der Auto-Industrie für Unruhe, wenngleich Apple derartige Pläne weder bestätigt noch dementiert hat. “Wasser auf die Mühlen” ist jedoch die Tatsache, dass Apple offensichtlich ganz gezielt Experten aus der Automobilbranche rekrutiert. Unter ihnen soll auch der Leiter der Mercedes-Entwicklungsabteilung , Johann Jungwirth, sein.
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»Auch wenn es Sie vielleicht überrascht: Ich begrüße ausdrücklich das Engagement von Apple, Google & Co beim Thema Automobil. (VW-Chef Martin Winterkorn)«

 

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»“Wir haben keine Angst. Das kann uns nur stärker machen.” (Daimler-Chef Dieter Zetsche)«

Die Hinweise verdichten sich: Unter dem Codenamen “Titan” arbeitet Apple – wie bereits auf VOL.AT berichtet – derzeit an der Entwicklung eines Elektroautos, was zumindest auf den ersten Blick, viele Fahrzeughersteller etwas aufatmen lässt. Wie in Genf eindrucksvoll zu sehen ist, sind PS-starke Autos nachwievor der “Hingucker”. Aber die Autobauer sind gewarnt: “Wir wissen genau, dass, wenn man den ersten Platz in der Champions League hat, man keine Sekunde schlafen darf”, sagt der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann in einem dpa-Interview. “Es hängt alles von unserer Innovationskraft ab.”

»Das sind sehr seriöse Häuser – wenn die etwas planen, machen die auch was. (Fiat-Chef Sergio Marchionne ebenfalls zum Apple-Thema)«

Haben die Autobauer also die Innovationskraft um sich gegen Apple und Google stemmen zu können? Ich glaube Ja. Mercedes hat bereits 2013 den Prototypen eines selbst fahrenden Autos präsentiert. Bertha, die eigentlich ein S 500 Intelligent Drive ist, hat schon erflogreiche Fahrten durch das Sun Valley und auf der legendären Benz-Langstrecke von Mannheim nach Pforzheim absolviert. Noch am Ende dieser Dekade könnte ein selbst fahrender Mercedes bereits in Produktion gehen. Und auch bei BMW, Audi, VW und Toyota schläft man nicht. Eines darf man allerdings auch nicht vergessen. Bevor man ein selbstfahrendes Auto für die Straße zulässt, muss noch die Rechtslage geklärt werden. Laut “Wiener Straßenverkehrskonvention” aus dem Jahr 1968 muss ein Lenker sein Auto ständig beherrschen können. Diese wurde im vergangenen Jahr durch einen UN-Expertenausschuss aufgeweicht. Diese regelt, dass auch „Systeme, mit denen ein Pkw autonom fährt, zulässig sind, wenn sie jederzeit vom Fahrer gestoppt werden können“.

Doch zurück zu Apple und Google. Was könnten sie den potenziellen Kunden in Zukunft bieten, das die tradtionellen Hersteller nicht können? Grundsätzlich geht es wohl in erster Linie um Vernetzung und – wie erwähnt – automatisiertes Fahren. In den Bereichen Digitalisierung und Vernetzung haben beide schon bewiesen, dass sie andere Industriezweige nachhaltig verändern und beherrschen können.

Apple will sich Gerüchten zufolge stärker als “grünes Unternehmen” präsentieren, weshalb mit einem bereits erwähnten E-Auto gerechnet wird. Alles andere würde wohl auch nicht zum visionären Image von Apple passen. Die Öl-Quellen werden mittelfristig versiegen und damit auch das unausweichliche Ende der Verbrennungsmotoren einleiten. “Car-Sharing” wird dann – nicht nur aus finanzieller und ökologischer Sicht – noch mehr zum Thema werden und in den Mittelpunkt rücken. Die Bevölkerungsdichte im urbanen Raum wird immer höher und in unserer zunehmend vernetzten Welt will man auch während der Autofahrt keine Zeit “verplempern”. Das Auto wird zum Arbeitsplatz und Besprechungsraum werden. Stellt sich dann nur die Frage: Ist das Arbeitszeit, die man “stempeln” darf? Doch zurück zum Thema. Apple und Google könnten hier eine Nische besetzen, die für die Zukunft entscheidende Vorteile bringen könnte.

Im E-Auto-Bereich sollte man jedoch auf keinen Fall Tesla außer acht lassen. Tesla-Gründer Elon Musk ist ein visionärer Unternehmer und “Digital Native”, der durch den Bezahldienst Paypal bekannt wurde. Darum spekulierten die Kollegen des anerkannten Business Insiders auch schon damit, dass Apple Tesla übernehmen könnte. Prognostizierte Summe: Unglaubliche 75 Milliarden Dollar. Da dürfte auch Musk schwach werden, dessen Fokus derzeit wohl auf dem ambitionierten SpaceX-Projekt liegt.

Die Autobranche ist natürlich sehr komplex und birgt auch Risiken. Es gibt hohe Entwicklungs- und Produktionskosten, man benötigt ein Vertriebssystem, Zulieferer, und und und … Doch Apple könnte sich das locker leisten. Die “Kriegskasse” ist gefüllt. Der Konzern aus Cupertino verfügt über liquide Mittel in Höhe von 178 Milliarden Dollar. Wenn man bedenkt, dass der aktuelle Börsenwert des einst größten Autobauers der Welt, General Motors, bei rund 60 Mrd. Dollar (ca. 54 Mrd. Euro) liegt, wäre also auch das kein Problem. Man darf also gespannt sein, wie die Branche auf einen möglichen Markt-Eintritt der “Big 2” reagieren wird und umgekehrt, was Google und Apple an Innovationen bieten können.

»Wir wollen nicht nur der Lieferant einer leeren Kiste sein.” (Toyota-Europa-Chef Didier Leroy)«

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Aber ein Frage an Sie? Wie stellen Sie sich das Auto der Zukunft vor bzw. was wünschen Sie sich? Wird die Optik des Autos in den Hintergrund rücken und geht es nur noch um Vernetzung und nützliche Features? Ich bin schon gespannt auf Ihre Postings im VOL.AT-Forum.

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