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Autismus – Früherkennung wichtig für Therapie

Autistische Kinder erleben die Umwelt anders.
Autistische Kinder erleben die Umwelt anders. ©(Foto: Imagesource)
Nach wie vor sind die Ursachen für Autismus nicht völlig geklärt. Wichtig sind eine frühe Diagnose und Therapie. So haben Kinder mit Autismus gute Entwicklungschancen. Die aks Kinderdienste informieren anlässlich des Autistic Pride Day am 18. Juni über diese Erkrankung.

„Autismus bedeutet ein Gefühlschaos für die Betroffenen, das wir uns nur schwer vorstellen können“, erklärt aks Therapeutin Renate Vogel, die seit vielen Jahren in den aks Kinderdiensten mit autistischen Kindern arbeitet. Ein Baby oder Kleinkind kann Streicheln erleben, als ob es mit Schleifpapier abgerieben würde. Unbekannte Gerüche und Speisen können Brechreiz auslösen. Ein Staubsauger- oder Mixergeräusch hört sich vielleicht wie ein Düsenjet aus nächster Nähe an und löst panische Angst aus.

Dieses Gefühlschaos hat weit reichende Folgen für den Alltag und die Beziehungen, die autistische Kinder aufbauen. „Sie reagieren auf diese vielen, für sie unangenehmen Eindrücke mit Rückzug. Sie ziehen einseitige Beschäftigung mit Dingen dem Kontakt mit anderen Menschen vor“, erklärt Vogel. Diese meiden den Blickkontakt, schreien oftmals laut und ausdauernd, manchmal auch ohne ersichtlichen Grund für die Bezugspersonen. „Dieses Rückzugsverhalten, das „Für-sich-Sein gab dieser Erkrankung ihren Namen. Autismus leitet sich von dem griechischen Wort „authos“ = selbst ab“, erklärt die Therapeutin.

Auch wenn Autismus nach wie vor nicht heilbar ist, kann durch eine frühe Diagnose und Therapie der Alltag besser bewältigt werden. Je früher eine Behandlung beginnt, desto weniger können sich negative autistische Verhaltensweisen und Stereotypen festigen. Eine autistische Störung liegt vor, wenn Auffälligkeiten in drei Bereichen vorhanden sind

  • Qualitative Beeinträchtigung der zwischenmenschlichen Beziehungen

  • Qualitative Beeinträchtigung der verbalen und nonverbalen Kommunikation

  • ein deutlich beschränktes Repertoire an Aktivitäten und Interessen

Erste Anzeichen autistischer Verhaltensweisen müssen zudem vor dem 3. Lebensjahr aufgetreten sein.

In den acht Außenstellen der aks Kinderdienste werden derzeit 60 der insgesamt 80 autistischen Kinder in Vorarlberg betreut. Die Therapie ist dabei immer auf den Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes abgestimmt und bezieht die Interessen und Fähigkeiten mit ein. „Das heißt, in spielerischer Form werden die sensorische Integration, die Kommunikation und die soziale Interaktion gefördert. Mit zunehmendem Fortschritt in diesen Bereichen verbessert sich auch die Handlungsfähigkeit und erweitert sich das Interessensspektrum“, beschreibt Vogel die Therapie.

Factbox Autismus

Autismus ist eine tief greifende Entwicklungsstörung, die in erster Linie die Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung betrifft. Die Sinne sind organisch gesund, die einzelnen Sinneseindrücke können jedoch im Gehirn oftmals nicht zu einem sinnvollen Gesamteindruck verknüpft werden.

Es kann auch sein, dass von einem oder mehreren Sinnen zu viele Informationen weitergeleitet werden und Eindrücke das Gehirn ungefiltert erreichen oder dass nur sehr starke Sinnesreize wahrgenommen werden.

Die Ursachen sind bis heute nicht eindeutig klar. Als gesichert gilt, dass eine genetische Disposition vorliegen muss, die zusammen mit einem auslösenden Faktor während der Schwangerschaft, Geburt oder frühen Kindheit zum Störungsbild des Autismus führt. Auslösende Faktoren können u.a. Sauerstoffmangel, Infektionskrankheiten, Stoffwechselstörungen usw. sein. Ein eindeutig auslösender Faktor ist im Nachhinein meist nicht feststellbar. Eindeutig erwiesen ist aber, dass „Erziehungsfehler“ keine autistische Störung auslösen können.

Kontakt

aks Kinderdienste
Rheinstr. 61
6900 Bregenz
T 055 74 / 202 – 0
www.aks.or.at

Rheinstr. 61, 6900 Bregenz, Austria

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