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Aufgewachsen in Vorarlberg: Studie über Integration von Migranten

"Integration der 2. Generation von Zuwanderern"
"Integration der 2. Generation von Zuwanderern" ©AP
Bregenz – Europaweit wird die Geschichte von Migrations- und damit verbundenen gesellschaftlichen Integrationsprozessen im Rahmen der TIES-Studie aufgearbeitet. Erste Ergebnisse aus Vorarlberg liegen vor und zeigen wie gut Migranten der zweiten Generation integriert sind.

Die Studie gibt einen Überblick zu Bildung, Bildungshintergrund und Herkunft der Eltern, Identität, Sprache, Religion und Religiosität der zweiten Generation ex-jugoslawischer und türkischer Herkunft sowie einer Vergleichsgruppe ohne Migrationshintergrund.

Bildung der ersten Generation als Ausgangssituation

Dass die Bildung der Eltern ein entscheidendes Kapital für den Bildungsverlauf ihrer Kinder darstellt, ist hinlänglich bekannt und anerkannt. Während fast 80 Prozent der türkischen Eltern maximal eine Pflichtschule besucht haben, ist dieser Anteil bei den jugoslawischen Eltern mit gut 40 Prozent und rund 20 Prozent bei den Eltern ohne Migrationshintergrund deutlich geringer. Sowohl bei der Gruppe ohne Migrationshintergrund als auch bei der zweiten Generation ex-jugoslawischer Herkunft finden sich hingegen deutlich höhere Anteile von Eltern mit einer Form von Berufsausbildung als höchstem besuchten Schulniveau, während diese Ausbildungsmöglichkeiten in dieser Form in der Türkei nicht vorhanden waren.

“Diese deutlich unterschiedlichen Bildungshintergründe aufgrund der unterschiedlichen Sozialisationsbedingungen der Eltern müssen beim Vergleich der Bildungsabschlüsse der zweiten Generation und der gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund berücksichtigt werden”, sagen Eva Grabher und Simon Burtscher-Mathis von der Projektstelle “okay.zusammen leben”.

Bildungsabschlüsse der zweiten Generation

Da im österreichischen Halbtagsschulsystem ein beträchtlicher Teil des Lernpensums außerhalb der Schule zu Hause erledigt wird und dabei die Unterstützung durch die Eltern wichtig ist, sind diese im Gruppenvergleich deutlich höheren Anteile an Müttern und Vätern der zweiten Generation türkischer Herkunft, die maximal eine Pflichtschule besucht haben, für das Verständnis der Bildungslaufbahnen der zweiten Generation von entscheidender Bedeutung. 13 Prozent der Gruppe ohne Migrationshintergrund erreicht höchstens einen Pflichtschulabschluss, bei der zweiten Generation ex-jugoslawischer Herkunft sind dies 28 Prozent und bei der zweiten Generation türkischer Herkunft 47 Prozent.

Höchster Bildungsabschluss

Über eine berufsbildende Schule bzw. Lehre als höchsten Bildungsabschluss verfügen 56 Prozent ohne Migrationshintergrund, 62 Prozent der zweiten Generation ex-jugoslawischer Herkunft und 44 Prozent der zweiten Generation türkischer Herkunft. Im Vergleich ist die Gruppe ohne Migrationshintergrund im oberen (Matura und Matura+), die Gruppe mit Migrationshintergrund im unteren Bildungssegment (Pflichtschule, Berufsausbildung) stärker vertreten. Während die Gruppe der zweiten Generation türkischer Herkunft im Pflichtschulbereich stark überrepräsentiert und in allen anderen Bereichen unterrepräsentiert ist, erreicht die zweite Generation ex-jugoslawischer Herkunft am häufigsten von allen drei Gruppen einen Abschluss im Bereich berufsbildende Schulen, Lehre und auch etwas häufiger eine Matura als die zweiten Generation türkischer Herkunft.

Türkische Generation entwickelt sich langsamer

Der Vergleich der Bildungsabschlüsse zeigt insgesamt, dass zwar alle drei Gruppen im Vergleich zu ihren Eltern Bildungsaufstiege vollziehen, diese aber im internationalen Vergleich für die zweiten Generation türkischer Herkunft in Vorarlberg geringer ausfallen und sich entsprechend langsamer vollziehen als in Ländern wie Frankreich und Schweden, in denen diese familär und sozial bedingten Unterschiede innerhalb des Bildungssystems besser ausgeglichen werden. Grabher: “Die Wechselwirkung zwischen den individuellen und institutionellen Einflussfaktoren auf den Bildungserfolg sind in Österreich besonders stark und wirken sich speziell bei der 2. Generation türkischer Herkunft negativ verstärkend aus.”

Chancen am Arbeitsmarkt

Waren früher in der Vorarlberger Industrie noch relativ viele ungelernte Arbeitskräfte im Niedriglohnbereich gesucht, benötigt der Wirtschaftsstandort Vorarlberg heute zunehmend qualifizierte Facharbeiter. Niedrige Bildungsabschlüsse sind deshalb gleichbedeutend mit schlechteren Chancen am Arbeitsmarkt. Im Vergleich der drei Gruppen ist die zweiten Generation türkischer Herkunft am stärksten davon betroffen. Die stärkere Förderung von Chancengerechtigkeit im Bildungssystem, insbesondere von sozial schwächeren, bildungsfernen Gruppen unabhängig von ihrer familiären Herkunft, müsse deshalb ein zentrales gesellschafts- und wirtschaftspolitisches Ziel der nächsten Jahre sein, fasst Eva Grabher zusammen.

Wissen in die Regionen tragen

TIES steht für “The Integration oft the European Second-Generation” und ist ein internationales Forschungsprojekt zur Integration der Zweiten Generation von Zuwanderern, an dem die Länder Belgien, Deutschland, Frankreich, Niederlande, Österreich, Spanien, Schweiz und Schweden teilnehmen. Untersucht werden die Integrationsprozesse der 2. Generation mit Eltern aus der Türkei, den Ländern des ehemaligen Jugoslawien und Marokko.

Im Herbst 2012 und Frühjahr 2013 werden die ersten Ergebnisse von TIES-Vorarlberg in drei öffentlichen Veranstaltungen dem interessierten Publikum vorgestellt. Darüber hinaus werden die Forschungsergebnisse an verschiedene Gruppen von Akteurinnen und Akteuren im Land vermittelt. Informationen zum Forschungsprojekt: www.tiesproject.eu und www.okay-line.at.

(VOL.AT, VLK)

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