Aufgeben hat keinen Platz in seinen Genen

Vielmehr lautet die Botschaft von Altach-Kapitän Philipp Netzer: „Wer kämpft, wird auch belohnt.“

Der 10. August 2019 hat sich bei Philipp Netzer fest eingeprägt. An jenem Morgen vor dem Auswärtsspiel bei Rapid verspürte er im Hotel „aus dem Nichts“ einen Stich im Adduktorenbereich. Sofort wurde beim Kapitän des Cashpoint SCR Altach die medizinische Versorgung eingeleitet. Mit Verdacht auf eine Muskelverletzung versuchte die Physioabteilung, den damals 33-Jährigen für das Spiel fit zu bekommen. Und wirklich: Kurz nach 16 Uhr ging es für Netzer im Stadion raus auf den Platz zum Aufwärmen. Mehr passierte nicht, denn die Schmerzen waren plötzlich so stark, dass an einen Einsatz nicht zu denken war. Was der Lochauer aber nicht wusste? Es sollte eine mehr als 300 Tage dauernde Leidenszeit folgen.

Abnützung der Hüfte

Eineinhalb Monate habe er danach alles versucht, alles gemacht, doch eine Besserung habe sich nicht eingestellt. „Unser Teamarzt Dieter Moosmann hat mir dann geraten, mich an einen Hüftspezialisten zu wenden und er hat mich an den Hüftexperten Dr. Markus Reichkendler in Kufstein verwiesen.“ Im Tirol wurde bei Netzer ein Hüftimpingement festgestellt. Und schnell war klar, dass das Problem zwischen Hüftpfanne und Schenkelhals, ausgelöst auch durch Arthrose, operativ gelöst werden muss. „Ich bin dann im Oktober, zwei Tage nach meinem 34. Geburtstag, operiert worden“, erinnert sich Netzer. Alles passierte in der Hoffnung, schon bald wieder auf dem Platz stehen zu können. Immerhin waren zuvor schon Rapid-Spieler Mario Sonnleitner und Philipp Schobesberger erfolgreich operiert worden. Doch beim Vorarlberger sollte es nicht glatt laufen. Drei Monate quälte er sich mit Aufbautraining, ohne dass sich eine Besserung einstellen sollte. „Am Morgen habe ich mich seitlich aus dem Bett gerollt, weil die Schmerzen so stark waren. Es hat meist 20 Minuten gedauert, bis ich wieder normal laufen konnte.“ In dieser Zeit dachte der Altacher Abwehrchef auch erstmals an ein Karriereende. „Es war eine schwierige Phase“, sagt er heute rückblickend, „denn ich wollte nie wegen einer Verletzung aufhören. Ich wollte Leistung bringen, doch mein Körper sagte erstmals nein. Ich bin in der Früh mit Schmerzen aufgestanden und abends ins Bett gegangen.“

Am Ende waren es Ex-Trainer Alex Pastoor und Ex-Sportchef Christian Möckel, die Netzer wieder Mut machten. „Sie gaben mir im Gespräch das Vertrauen und vor allem auch die Zeit, um wieder gesund zu werden. Irgendwie löste sich danach eine Blockade in meinem Körper und es ging was vorwärts. Ich habe dann noch im letzten Spiel der Saison mein Comeback feiern dürfen.“ Selbst eine folgende Muskelverletzung mochte den Routinier nicht mehr aus dem Gleichgewicht bringen. „Ich habe im Gespräch die Wertigkeit gespürt und mir war klar, dass nicht eine Verletzung meinen Abgang von der Fußballbühne bestimmen sollte. Meine Eltern und mein Opa sollen dabei sein, wenn ich mein letztes Spiel bestreite. Und so wie es derzeit aussieht, war es die richtige Entscheidung.“

Noch ist Netzer also mit Leib und Seele Spieler und verschwendet keine Gedanken an die Zeit danach. Auch wenn diesbezüglich mit dem Klub schon Gespräche laufen und er sich sicher ist, dass er in einer anderen Form weiter für den SCR Altach tätig sein wird. In einer Rolle, mit der er sich identifizieren kann. Wie zuvor in den zwölf Jahren als Spieler. In all den Jahren war er zwar nie der Fanliebling, aber Netzer ist sich treu geblieben. Darauf darf er stolz sein, denn in die Klubgeschichte wird er als vereinstreuer Fußballer, dessen Umgang mit den Mitspielern und Funktionären auf Korrektheit basierte, eingehen. Als einer, der in seine Position hineingewachsen ist, der weiß, dass es sich lohnt zu kämpfen. „Weil man dafür immer belohnt wird, in welcher Form auch immer. Ich will mir nie den Vorwurf machen, nicht alles dafür gegeben zu haben.“

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