Auf Österreichs Straßen gibt es alle sieben Minuten einen Wildunfall

249 Personen haben sich im Jahr 2020 auf Österreichs Straßen im Zuge eines Wildunfalls verletzt, eine Person verunglückte tödlich.

Das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und der österreichische Versicherungsverband VVO rufen zu Achtsamkeit und Anpassung der Geschwindigkeit in Wildwechselzonen auf. Fahrerassistenzsysteme können hier zur Unfallreduktion beitragen. Im Laufe der Saison 2019/2020 kamen österreichweit insgesamt 80.668 Wildtiere infolge einer Kollision mit einem Fahrzeug zu Schaden, darunter auch 11.879 Rehkitze. Das bedeutet, dass sich auf Österreichs Straßen alle sieben Minuten ein Wildunfall ereignet. „Erfreulich ist, dass im Jahr 2020 mit 224 Wildunfällen mit 250 Verunglückten die Zahl der österreichischen Wildunfälle mit Personenschaden um 24 Prozent niedriger war als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Insgesamt ist die Zahl der Wildunfälle in Österreich jedoch zuletzt deutlich angestiegen“, so der österreichische Versicherungsverband VVO. „Aus diesem Grund appellieren wir an Fahrzeuglenker eindringlich, in Wildwechsel­zonen besonders wachsam zu fahren. Denn: Trifft man mit einer Geschwindigkeit von 60 km/h auf einen Rehbock, so wirkt ein Aufprallgewicht von beinahe einer Tonne auf Fahrzeug und Insassen ein.“ Mit Abstand am meisten Wildunfälle ereignen sich in Niederösterreich: 42 Prozent aller Wildunfälle in Österreich entfallen auf Niederöster­reich. Etwas über 19 Prozent entfallen auf Oberösterreich und 18 Prozent auf die Steiermark. Die Bezirke mit dem meisten Fallwild sind Mistelbach, Neusiedl am See, Amstetten, die Südoststeiermark und Gänserndorf. Besonders häufig sind Kollisionen mit Rehwild (52 Prozent aller Wildunfälle), aber auch Wildunfälle mit Hasen (28 Prozent) sind keine Seltenheit.

Gefährliche Dunkelheit

Die häufigsten Unfallursachen für Wildunfälle sind Unachtsamkeit und Ablenkung, gefolgt von nichtangepasster Geschwindigkeit. Jeder zweite Wildunfall ereignet sich bei Dunkelheit. „Gerade in der Dunkelheit sind Wildtiere nur schwer rechtzeitig zu erkennen. Eine vielversprechende Abhilfe können hier digitale Lösungen wie Nachtsichtgeräte in Fahrzeugen und die ereignisgesteuerten Wildwarnanlagen darstellen. Eine Warnung des Verkehrs erfolgt bei Letzterem nur dann, wenn Wildtiere sich tatsächlich in Straßennähe befinden. Erste Simulatorstudien weisen auf positive Ergebnisse für die Verkehrssicherheit hin“, erläutert Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV.

Fahrerassistenzsysteme 

Schon im Sommer 2020 hat das KFV Testfahrten und Befragungen zu sogenannten Nachtsichtassistenzsystemen durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass derlei Assistenzsysteme grundsätzlich großes Potenzial zur Reduktion von Wildunfällen mit sich bringen. Bis die entsprechenden Assistenzsysteme vollständig ausgereift und breit verfügbar sind, ist die Anpassung der Fahrgeschwindigkeit in Wildwechselzonen allerdings weiterhin die effektivste Unfallpräventionsmaßnahme. Im Ernstfall: Stark bremsen und Lenkrad gut festhalten. Auch wenn man instinktiv oft lieber ausweichen würde: Ein Ausweichmanöver ist bei einem Wildunfall nicht zu empfehlen, denn ein solches ist deutlich riskanter als ein Zusammenstoß. Stattdessen sollte im Ernstfall stark gebremst und das Lenkrad gut festgehalten werden. Wenn der Fahrer richtig reagiert, ist die Verletzungsgefahr für die Autoinsassen geringer. Sollte es dennoch zu einem Wildunfall kommen, muss die Gefahrenstelle unverzüglich abgesichert und die Exekutive verständigt werden. Wichtig ist, dass die Nichtmeldung eines Sachschadens strafbar ist, denn bei einem Wildschaden besteht nach §4 Abs. 5 der Straßenverkehrsordnung eine unverzügliche Verständigungspflicht. Getötetes Wild darf niemals mitgenommen werden – auch nicht zu einem  Tierarzt. Vielmehr ist eine rasche und korrekte Meldung des Unfalls hilfreich, da so der jeweils zuständige Jagdaufseher hinzugezogen werden kann.

Weitere Informationen zu Möglichkeiten und Funktion von Fahrerassistenzsystemen finden sich auf der Informationsplattform www.smartrider.at.

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