Auf der Suche nach rettenden Engeln

Für Susanne Marosch ist es eine Selbstverständlichkeit, sich für andere einzusetzen. Ziel ihres gemeinnützigen Vereins „Geben für Leben“ ist es, an Leukämie erkrankten Menschen die höchstmögliche Chance auf Überleben zu geben.

Zusammen mit vielen freiwilligen Helfern organisiert sie regelmäßige Typisierungsaktionen in Vorarlberg, um lebensrettende Stammzellenspender zu finden. Ein Interview über großes Engagement, bewegende Schicksale und das, was im Leben wirklich zählt.

Erzählen Sie uns bitte kurz etwas über die Arbeit? Der Verein „Geben für Leben – Leukämiehilfe Österreich“ wurde aus einer persönlichen Betroffenheit heraus gegründet (Anm. d. Red.: Susannes Mutter Herlinde erlebte hautnah, was es bedeutet, an Blutkrebs zu erkranken: Ihre Nichte bekam die Diagnose Leukämie und einzig die Transplantation von gesundem Knochenmark konnte sie retten). Unsere Mitarbeiter:innen haben es sich seit über 20 Jahren zum Ziel gesetzt, Menschen für eine lebensrettende Stammzellspende zu gewinnen, um schwerkranken Menschen eine Chance auf Leben zu schenken. Durch unsere Arbeit konnten bereits über 116.000 Menschen typisiert und 269 lebensrettende Stammzellspender gefunden werden.

Die Chancen, außerhalb der Familie einen passenden Stammzellspender für einen Patienten zu finden, liegen je nach DNA-Typ bei 1:500.000 bis mehrere Millionen. Wir führen daher in regelmäßigen Abständen Typisierungsaktionen durch, um möglichst viele Menschen für die weltweite Spenderdatei zu gewinnen. Dabei werden gleichzeitig Spendengelder gesammelt, um die Laborkosten für die Typisierungen in Höhe von 40 Euro pro Person finanzieren zu können.

Ihr Engagement könnte auch als Suche nach „rettenden Engeln“ bezeichnet werden. Ist es eine der schönsten und traurigsten Aufgaben zugleich? Obwohl uns unsere Arbeit oft mit traurigen Schicksalen konfrontiert, ist sie doch eine der schönsten Aufgaben, die man sich vorstellen kann. Täglich erleben wir große Hilfsbereitschaft und Anteilnahme der Menschen, die uns bei der Suche nach Lebensretter:innen unterstützen oder selbst welche werden. Diese Zusammenarbeit erfüllt uns mit großer Freude und Dankbarkeit. Auch die berührenden Rückmeldungen der vielen betroffenen Familien, denen wir helfen dürfen, sorgen täglich für sehr emotionale Momente.

Warum ist es wichtig, sich typisieren zu lassen? Täglich erkranken allein in Österreich drei Menschen an Leukämie – darunter auch viele Kinder. Gerade erst haben wir vom Fall des vierjährigen Aaron erfahren, der als Hochrisikopatient eine lebensrettende Stammzellspende braucht. Auch die zwei jungen Mütter Lucia und Jana sind dringend auf eine rettende Spende angewiesen. Je mehr Menschen sich typisieren lassen, desto größer ist die Chance, ihren passenden Spender zu finden.

Was treibt Sie im Leben an? Ich hatte im Leben einige Herausforderungen zu meistern. Heute bin ich in der glücklichen Position, dass ich gesund bin und wunderbare Wegbegleiter:innen habe. Heute geht es mir sehr gut. Also möchte ich gerne etwas von diesem Glück an andere weitergeben, denen es nicht so gut geht.

Sie haben viele Menschen, Schicksale begleitet. Hat sich dadurch Ihre Einstellung zum Leben verändert? Ich hatte schon immer eine sehr positive und wertschätzende Einstellung zum Leben. Beim Anblick dieser Schicksale weiß ich jedoch noch mehr zu schätzen, was für wunderbare Geschenke ich vom Leben bekommen habe. Das erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.

Was würden Sie sagen, zählt im Leben wirklich? Liebe, Freundschaft und Gesundheit. Ein herzliches und menschliches Miteinander in allen Bereichen unseres Lebens. Das Verbindende anstatt von Trennendem. Und natürlich gutes Essen.

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