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Auf dem Sprung

Eisbär, Schlange, Elefant – immer wieder lassen exotische Tiere die Schaufenster und Vitrinen mehrerer Nobeljuweliere zu einer Art High-End-Refugium für funkelnde Zoobewohner avancieren. Ein biologischer Mikrokosmos, der aber umso mehr begeistert.
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Während einige Häuser für bestimmte ikonische Tiermotive bekannt sind – etwa die Schlange von Bulgari oder der Cartier-Panther – haben andere Juweliere ihr Spektrum zu einer wahren Menagerie erweitert, von Elefanten über Kraniche bis hin zu Libellen und Schmetterlingen. Chopard beispielsweise ist bekannt für seine komplizierten Designs von Polarbären, Seelöwen, Mäusen, Raupen & Co. – teilweise kriechen sie um die Zifferblätter einiger Uhren oder ranken sich keck um Hals, Handgelenk und Finger. Die Herstellung jedes einzelnen Schmuckstücks erfordert Geduld und Präzision bis ins letzte Detail, um die Edelsteine, Metalle und Farben harmonisch miteinander zu verbinden. Um dieses Ziel zu erreichen, kombinieren die Juweliere mittlerweile traditionelle Techniken wie Lackieren, Perlenweben und Steingravieren mit modernen Verfahren wie 3D-Drucken und Titangießen.

Aber auch Ole Lynggaard ist von seiner legendären Schlange, über den goldigen Elefanten, hin zum in die Lüfte schwingenden Kranich weiter in das tierische Universum vorgedrungen. „Ich habe bestimmt hunderte Skizzen angefertigt, Kraniche aus Wachs geformt und aus Papier geschnitten, Bücher und Dokumentationen studiert. Ich wollte unbedingt die Bewegungen richtig darstellen, die natürliche Eleganz und die Leichtigkeit dieser Vögel“, so Lynggaard über die drei Jahre andauernde, intensive Entwicklungsarbeit zu seiner aktuellen Crane Collection. Um die Bewegung zu veranschaulichen, kombiniert er Weißgold für das Gefieder sowie mit Diamanten besetztes Gelbgold für Schnabel und Beine.

Der Polarbär.

Die Individualität des Trägers ist der Schlüssel, den sich die Schmuck-Designer zunutze machen. Soll heißen: Bereits vor Hunderten von Jahren ist bei den verschiedensten Kulturen der Glaube an die Kräfte tierischer Geister geknüpft. Die verschiedenen Lebewesen der Fauna symbolisieren Macht und Stärke. In fast allen Kulturen ist Tierschmuck seit langem mit Reichtum und Königen verbunden. Es war vielleicht keine Überraschung, als Floyd K. Roland, damals Premierminister der kanadischen Nordwest-Territorien, dem britischen Prinzen William und Catherine, der Herzogin von Cambridge, während ihrer ersten königlichen Tour durch Nordamerika im Jahr 2011 eine von Harry Winston entworfene Eisbärenbrosche sowie Manschettenknöpfe mit Diamanten und in Platin schenkte.

Die Pantherin.

Die beiden sind bei weitem nicht das einzige prominente Beispiel: Vor ein paar Jahren überraschte Kanye West seine Verlobte Kim Kardashian mit Cartier-Panther-Armbändern im Wert von bis zu 65.000 Euro. Der Panther ist quasi ein Vorreiter der schmucken Trendbewegung und das Beispiel für einen Glamour mit anhaltender Anziehungskraft. Er ist eine Ikone, weil ihm Attribute wie Eleganz, aber auch Unabhängigkeit und Wildheit zugeschrieben werden – aber auch legendäre Geschichten: Der Cartier-Panther wird für immer mit der Liebesbeziehung zwischen König Edward VIII. und der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson verbunden sein, für die er 1936 auf den britischen Thron verzichtete, um sie heiraten zu können. Das Panther-Armband, das er ihr gab, wurde 2010 bei einer Auktion für 5,3 Millionen Euro verkauft.

Der Panther ist übrigens weiblich und geht auf die kreative Schaffenskraft von Jeanne Toussaint zurück. 1933 wurde sie zur Chefin der Luxusschmuck-Abteilung und zur Nachfolgerin Louis Cartiers als künstlerische Leiterin ernannt. Kaum eine andere Frau hatte zu ihrer Zeit einen so großen Einfluss auf die Schmuckbranche wie sie. 1948 tauchte Toussaints erster plastisch gearbeiteter Panther auf, ausgestreckt auf einem sehr großen Smaragdcabochon. Auf dieser Brosche, die für die Herzogin von Windsor gefertigt worden war, setzt die gefleckte Raubkatze zu ihrem bis heute andauernden Erfolgssprung an. Ihre grünen Augen funkeln geheimnisvoll und gefährlich.

Der Panther ist eine Ikone, weil ihm Attribute wie Eleganz, aber auch Unabhängigkeit und Wildheit zugeschrieben werden.

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