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Auf dem Kutschbock durch die Felder

Michelle Zenz (8) aus Lauterach ist Österreichs jüngste Kutschenfahrerin. Zweimal pro Woche trainiert sie mit ihren Freunden im "Gespann- und Fahrverein Montfort" in Rankweil. Video 

Gespannfahren ist das ungewöhnliche Hobby von Michelle Zenz aus Lauterach. Die 8-Jährige trainiert zweimal pro Woche im „Gespann- und Fahrverein Montfort“ in Rankweil.

Was bringt eine Zweitklässlerin dazu, in die Kutsche zu klettern? Und das bei Wettkämfpen sogar in Tracht? „Ich mag Kutschenfahren einfach lieber als reiten“, sagt Michelle. Es sei viel anstrengender auf einem Pferd, als auf einem Kutschbock zu sitzen.

Manuel, 11, ein Freund von ihr, hat sie vor zwei Jahren auf den Geschmack gebracht. „Eines Tages ließ Manuel mich einmal selbst fahren und seitdem finde ich den Sport gut“, erklärt das Mädchen mit dem wippenden Pferdeschwanz.

Jeden Tag heißt es daher für Michelle nach den Hausaufgaben: Ab in den Stall zu den Pferden. Ihre Familie hat fünf davon. Und das sechste ist schon im Bauch von Stute Sina.

Mit ihrem Pony Nora hat Michelle heuer bereits zwei Turniere gewonnen. Österreichweit ist die 8-Jährige die jüngste aktive Gespannfahrerin. Ihre Vereinsfreunde Alexander Bösch, Romina Allgäuer und Manuel Hatzl sind schon ein wenig älter, aber auf dem Kutschbock genauso erfolgreich. Alexander, 13, aus Rankweil wurde 2004 in Frankreich Einzel- und 2006 in Belgien Mannschaftsweltmeister bei Turnieren in seiner Altersklasse. Auch Romina und Manuel konnten schon Weltmeistertitel mit nach Hause bringen. An unzähligen Wochenenden im Jahr reisen die Kinder zu Wettbewerben durch ganz Europa. Sie trainieren schon jetzt für ihr nächstes großes Ziel: Die Jugendkutschen-WM 2008 in Stadl Paura in Oberösterreich.

„Was die Kinder leisten ist enorm“, findet Michelles Vater, Thomas Zenz. Leider fände der Fahrsport in Vorarlberg noch immer viel zu wenig Beachtung. „Bei uns ist es eben nicht wie beim Fußball, wo 5000 Zuschauer kommen. Wir würden uns schon über 500 freuen.“ Ein möglicher Grund: Gespannfahren ist teurer und aufwändiger als die meisten Ballsportarten. „Das Pferd, die Kutsche, der Stall: das kostet natürlich alles Geld“, sagt Nina Zenz, Michelles Mutter. Und trotzdem: Ein Leben ohne den Fahrsport kann sich die 27-jährige Pferdenärrin nicht mehr vorstellen. Wenn ihre Tochter die Zügel in der Hand hält, sitzt sie als Beifahrerin bei jeder Fahrt hinter ihr. Mit rund 15 Stundenkilometern sausen Mutter und Tochter dann über die Felder.

„Mensch und Tier müssen beim Gespannfahren eine Einheit bilden müssen. Sonst funktioniert es nicht.“ Das Schöne am Sport sei der Umgang mit den Tieren und das Erlebnis in der Natur. Durch die Wiesen zu fahren findet Nina, die tagsüber im Büro arbeitet, sehr entspannend. „Und: Es ist ein Hobby für unsere ganze Familie.“

NEUE am Sonntag - Christina Horn
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