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Kritik an Aussetzen von AstraZeneca-Impfungen

Britischer Forscher spicht von "Desaster"
Britischer Forscher spicht von "Desaster" ©APA (AFP)
Das Aussetzen von Corona-Impfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneca in weiten Teilen Europas sorgt zunehmend für Kritik. Italiens Arzneimittelaufsicht Aifa stuft das Mittel als sicher ein. Das Verhältnis von Nutzen zu Risiko sei "weitgehend positiv", sagte Aifa-Direktor Nicola Magrini der Zeitung "La Repubblica". Frankreich erwartet, dass die Europäische Arzneimittelbehörde EMA das Vakzin des britisch-schwedischen Konzerns schon am Donnerstag wieder freigeben wird.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sieht die Lösung weiterhin auf "gesamteuropäischer Ebene". Gemäß der Empfehlung des österreichischen Impfgremiums wird AstraZeneca vorerst weiter verwendet bis zur Bewertung durch die EMA. Insgesamt sind bisher EU-weit 6,9 Millionen Menschen mit AstraZeneca geimpft worden, in Österreich waren es 220.000. Diese Zahlen müsse man "in Relation mit den Nebenwirkungen" sehen, betonte Anschober.

Berichte über Blutgerinnsel als mögliche Folge einer Impfung mit dem Präparat hatten eine Diskussion über die Sicherheit entfacht. Die Niederlande, Irland, Dänemark, Norwegen und Island hatten bereits den Einsatz des Corona-Impfstoffs ausgesetzt, bevor Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Slowenien und Zypern am Montag folgten. Schweden, Luxemburg und Lettland schlossen sich am Dienstag an.

Die Prüfung des AstraZeneca-Impfstoffs nehme die EMA nach den Worten ihrer Chefin Emer Cooke "ernst". Experten untersuchten derzeit, ob zwischen der Impfung und aufgetretenen Fällen einer Blutgerinnung ein Zusammenhang bestehe, sagt sie bei einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag. Die Ergebnisse werde die EMA am Donnerstag bekanntgeben. Bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass der Coronavirus-Impfstoff von AstraZeneca eine Blutgerinnung verursacht. Die Zahl der aufgetretenen Fälle sei nicht höher als in der Gesamtbevölkerung, so Cooke. Die Vorteile des Mittels würden die Risiken überwiegen, die Experten gaben sich vom Nutzen des Mittels "zutiefst überzeugt".

Die deutsche Regierung rechtfertigte indes ihre Entscheidung, die Impfungen auf Eis zu legen. Man habe nach der Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) nicht anders handeln können. Offen blieb, ob damit die deutsche Impfstrategie ins Wanken gerät. Der für Mittwochabend geplante Impfgipfel von Bund und Ländern wurde wegen der Entscheidung abgesagt. Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen hatte die deutsche Bundesregierung schon aus juristischen Gründen keine Alternative. Nach der PEI-Entscheidung am Montag hätten ansonsten Körperverletzungs-Klagen gedroht, da es sich um eine staatliche Impfkampagne handle.

Nachdem bereits fünf europäische Länder die Impfungen ausgesetzt hatten, registrierte das PEI am Montag insgesamt sieben Fälle einer speziellen Form von sehr seltenen Hirnvenenthrombosen unter mehr als 1,6 Millionen Impfungen. Der Anteil der Fälle sei höher als in der Allgemeinbevölkerung, "sodass hier nicht auszuschließen ist, dass wirklich die Ursache in der Impfung liegt", sagte PEI-Präsident Klaus Cichutek dem "ZDF heute journal".

Als eine mögliche EMA-Entscheidung wird in deutschen Regierungskreisen eine weitere Nutzung des Impfstoffes mit einer Warnung oder Einschränkung für Thrombose-gefährdete Patienten gesehen. Der Chef der italienischen Arzneimittelaufsicht Magrini sagte, die Entscheidung zur Aussetzung der Impfungen sei politisch motiviert gewesen. Die Aifa werde zwei bis drei Tage benötigen, um alle erforderlichen Daten zu sammeln. Sobald alle Zweifel ausgeräumt seien, "können wir schneller weitermachen als zuvor". Der französische Gesundheitsminister Olivier Veran betonte, das Verhältnis von Nutzen und Risiken bei dem AstraZeneca-Vakzin bleibe positiv. Er erwarte, dass die EMA entscheide, die Impfungen fortzusetzen.

Kritik kam auch von Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery, der den vorläufigen Stopp der Impfungen in Zweifel zog und einen Image-Schaden für das Vakzin befürchtet. "Dass Menschen Thrombosen und Lungenembolien bekommen, muss nicht unbedingt etwas mit der Impfung zu tun haben", sagte Montgomery dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

(APA/Reuters/dpa)

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