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Aquarellmaler-Familie Alt: Albertina zeigt "Drei-Gänge-Menü"

Jakob Alts Guckkastenblatt der Blauen Grotte in Capri
Jakob Alts Guckkastenblatt der Blauen Grotte in Capri ©APA/Albertina
Ein "Drei-Gänge-Menü", wobei jeder Gang aus einem Part der Aquarellmaler-Familie Alt besteht, tischt die Wiener Albertina ab heute auf. 90 detailreiche Ansichten Wiens, Dalmatiens oder den schönsten Plätzen Italiens zeigen den künstlerischen Werdegang Rudolf von Alts sowie das Schaffen seines Vaters Jakob und erstmals seines Bruders Franz Alt. Mit der Ausstellung wolle man auch älteren Besuchern etwas bieten, so Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder.

Denn die noch bis Jänner laufende Basquiat-Retrospektive habe vor allem jüngeres Publikum angezogen, erklärte er bei einer Presseführung. Auch die ältere Generation solle jetzt wieder das sehen, was sie von der Albertina erwarten dürfe. Bis zum 29. Jänner 2023 sind das die Arbeiten dreier Männer mit einer laut Kurator Christof Metzger "unglaublichen" Beobachtungsgabe und Meisterschaft der Aquarelltechnik, deren Werke aufgrund ihres langen Lebens (Rudolf von Alt etwa lebte von 1812 bis 1905) auch die gesellschaftlichen und architektonischen Entwicklungen eines Jahrhunderts dokumentieren.

Gleich beim Eingang zur Ausstellung wartet die Albertina mit einem nicht auf den ersten Blick erkennbaren Gebäude auf: Jakob Alt malte im beginnenden 19. Jahrhundert das Palais Herzog Alberts auf der Augustinerbastei, das sich seither stark verändert hat und heute die Albertina beherbergt. Der erste Raum der Ausstellung stellt den ältesten der drei Alts in den Mittelpunkt und zeigt, wie seine Sujets zwischen romantisiertem Blick ins Donautal und wirklichkeitsgetreuer Ansicht auf Wien von der Steinsäule "Spinnerin am Kreuz" an der Triester Straße schwankten. Wo man heute gerne im Stau steht, war schon damals ein "Hauptverkehrsweg", scherzte Metzger über die von Jakob Alt dargestellten Pferdewägen.

Pittoresk geht es in den nächsten Räumen zu, bildeten Jakob Alt und Rudolf von Alt doch mehr als fünfzehn Jahre lang im Auftrag des Kaisers die schönsten Plätze der österreichischen Monarchie und der angrenzenden Länder für eine Guckkastenserie ab und gelangten dabei bis zur Blauen Grotte Capris und zum römischen Pantheon. Später wandte sich Rudolf von Alt, das bekannteste Mitglied der Familie, von lichtdurchfluteten Landschaften ab und dunkleren Farben sowie wolkenverhangenen Himmeln zu. Braun und grau dominieren etwa das Abbild der Eisengießerei Kitschelt in der Skodagasse in Wien. Das rauchverhangene Industriegebäude, das von Alt 1903 zwei Jahre vor seinem Tod malte, steht in starkem Kontrast zu den früheren, ruhigen Landschaftsbildern.

Im letzten Raum widmet man sich schließlich Franz Alt, der heute als von seinem Bruder übertroffen gilt, früher aber der Erfolgreichere von beiden war. Für die Wiener Weltausstellung im Jahr 1873 malte er - weniger atmosphärisch als Rudolf von Alt - Veduten. Er stellte etwa das alte Kärntnertortheater der neuen Hofoper gegenüber und fing so die Entwicklung der Stadt Wiens hin zu ihrem heutigen Erscheinungsbild, aber auch nicht verwirklichte Zukunftsvisionen ein.

(S E R V I C E - "Jakob, Franz und Rudolf von Alt" von 9. November 2022 bis 29. Jänner 2023 in den Tietze Galleries der Albertina, geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr, Dienstag und Freitag 10 bis 21 Uhr, )

(APA)

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