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Erneut Wirbel um Dornbirner Schlachthof wegen Tierquälerei

Dornbirn wird Tierschutz-Obmann um Untersuchung vor Ort ersuchen.
Dornbirn wird Tierschutz-Obmann um Untersuchung vor Ort ersuchen.
Dornbirn. Der Dornbirner Schlachthof beschäftigt erneut die Vorarlberger Landespolitik. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft Anzeige wegen Tierquälerei erstattet. Grüne, FPÖ, SPÖ und NEOS forderten daraufhin eine restlose Aufklärung und den Rücktritt des zuständigen Stadtrats, Josef Moosbrugger. Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP) versprach indes Konsequenzen.
Video: VGT ortet Tierquälerei
Reaktionen auf Schlachthof-Video

Laut VGT sollen im Dornbirner Schlachthof, der der Stadt gehört, ungerechtfertigt Elektroschocker und Betäubungszangen gegen Schachtvieh eingesetzt worden sein. Untermauert werden diese Behauptungen mit Videos. Insgesamt seien dem VGT rund 3.000 Stunden Videomaterial aus 20 österreichischen Schlachthöfen zugespielt worden, insgesamt 17 hat der Verein nach deren Sichtung angezeigt. Kritisiert wurde unter anderem die Art und Weise, wie Tiere in manchen Schlachthöfen vor ihrer Tötung betäubt werden, darunter auch Dornbirn.

Bgm. Kaufmann: Missstände werden sofort abgestellt

Die Stadt Dornbirn erklärt in einer schriftlichen Aussendung, sämtliche Abläufe von der Anlieferung über die Betäubung, Schlachtung und Verwertung seien gesetzlich klar geregelt und die Schlachtungen in Dornbirn erfolgten unter Einhaltung dieser Regelungen. Der Tierschutz werden von einem Tierschutzbeauftragten im Schlachthof laufend überwacht, auch seien bei den Schlachtungen Tierärzte vor Ort. Die Szenen in den am Sonntag veröffentlichten Videoaufnahmen zeigten in erster Linie Einzelfälle, zeigt sich die Stadt überzeugt. Man werde ab sofort noch mehr Augenmerk auf einen möglichst tierschonenden Ablauf legen. Auch Bürgermeisterin Andrea Kaufmann zeigt sich betroffen: “Die Videoaufnahmen sind bewegend. Ich habe veranlasst, Tierschutz-Obmann Dr. Pius Fink zur Begutachtung der Schlachtungen in Dornbirn einzuladen. Sollte es Missstände geben, werden diese sofort abgestellt.”

Stadt Dornbirn: Nur ein tatsächlicher Verstoß im Video

Videoaufnahmen von Schlachtungen seien immer sensibel und bewegend, so die Stadt weiter. Das Paradoxon, dass die Menschen Fleisch konsumieren, mit der Tötung der Tiere aber nicht konfrontiert werden wollen, sei allgegenwärtig. Der Schlachthof halte aber alle gesetzlichen Auflagen ein und stünde unter laufender Beobachtung. Zudem werden die Schlachthöfe für das Führen von Zertifikaten und Gütesiegel laufend auditiert. Bei den vorliegenden Videoaufnahmen sei nur in einem Fall (Mutterschweinschlachtung) ein Verstoß gegen die Tierschutzschlacht-Verordnung zu erkennen, in den weiteren Fällen hätten die Mitarbeiter stets richtig reagiert. Das Antreiben mittels Betäubungszange sei verboten und werde sofort abgestellt.

Schwärzler: Noch stärkeres Augenmerk auf Tierschutz

Vorsäumnisse dieser Art dürften nicht akzeptiert werden, sagte der zuständige Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP) auf APA-Anfrage und kündigte eine konsequente Überprüfung der Vorfälle an. Außerdem habe er die Behörde beauftragt, ein Strafverfahren einzuleiten. “Nach diesen Vorfällen kann man nicht zur Tagesordnung übergehen”, stellte Schwärzler fest. Zukünftig werde es wöchentlich eine Kontrolle des Dornbirner Schlachthofes durch den Amtstierarzt geben. Dieser müsse ihm danach jeweils einen Tierschutzkontrollbericht vorlegen. Zudem seien die zwei amtlichen Tierärzte, die bei Schlachtungen anwesend seien, aufgefordert worden, ein noch stärkeres Augenmerk auf den Tierschutz zu legen. Das Schlachtpersonal werde in punkto Tierschutz nachgeschult.

Grüne, SPÖ, FPÖ und NEOS fordern restlose Aufklärung

Scharfe Kritik kam in dieser Sache von den Grünen und den Oppositionsparteien. Sowohl die Grünen-Tierschutzsprecherin Nina Tomaselli als auch ihre Kolleginnen von den Freiheitlichen und den NEOS, Nicole Hosp und Martina Pointner, forderten restlose Aufklärung und schärfere Kontrollen. Alle drei zeigten sich schockiert über die Bilder aus Dornbirn. Das Quälen von Tieren habe nichts zu tun mit dem Ziel Tierschutzland Nummer Eins zu werden und gehöre sofort abgestellt, ärgerte sich Tomaselli. SPÖ-Tierschutzsprecherin Gabi Sprickler-Falschlunger bezeichnete die Szenen auf Video als “Armutszeugnis”.

Pointner, Hosp und der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Daniel Zadra, machten für die Vorkommnisse den zuständigen Stadtrat und Landwirtschaftskammerpräsidenten Moosbrugger verantwortlich, der auch als Obmann der Ländle Vermarktungs GmbH Bescheid über die Zustände in der stadteigenen Schlachtung wissen müsse. “Mir kann niemand erzählen, dass Herr Moosbrugger keine Ahnung davon hat, was im Schlachthof Dornbirn passiert”, sagte Pointner und forderte ebenso wie Zadra und die FPÖ-Tierschutzsprecherin dessen Rücktritt.

Moosbrugger über Rücktrittsaufforderungen “verwundert”

Moosbrugger zeigte sich bezüglich der Rücktrittsaufforderungen “verwundert”. Er sei nicht der, der die Schlachtungen vollzieht und umsetzt und müsse sich auf das Personal verlassen können. Konsequenzen würden die Videos aber auf jeden Fall haben, so Moosbrugger. Er sei selbst sehr erschrocken gewesen, sagte er gegenüber der APA. In einer Aussendung der Stadt Dornbirn sagte Moosbrugger: “Der Tierschutz hat im Dornbirner Schlachthof einen hohen Stellenwert. Grundsätzlich müssen wir darauf vertrauen, das die Mitarbeiter die in den Schulungen vermittelten Maßnahmen korrekt anwenden. Wir werden auf jeden Fall umgehend Nachschulungen veranlassen. Verfehlungen beim Tierschutz werden wir nicht akzeptieren. Damit sich die Tierschutzsprecher der Fraktionen im Landtag selbst ein Bild vom Schlachthof machen können, lade ich sie ein, den Betrieb an einem Schlachttag gemeinsam zu besichtigen.”

REWE: Missstände sind klares Fehlverhalten

Klare Worte findet die REWE International AG zu den veröffentlichten Videos: Die gezeigten Missstände seien ein klares Fehlverhalten seitens der Schlachthofmitarbeiter. Das sei vor allem auch ein Versagen der Behörden, ein offenbar vor Ort anwesender Tierarzt habe nicht korrigierend eingegriffen. Derartige Zustände sind laut REWE inakzeptabel, man fordere eine strikte Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben. Bei Verstößen sei der Schlachthof zur Anzeige zu bringen, wie auch vom VGT angekündigt. Die Behörden hätten dem nachzugehen und zu entscheiden, welche Konsequenzen für den Betrieb entstünden. Die REWE überprüfte im vergangenen Jahr als Abnehmer den Dornbirner Schlachthof im Rahmen eines zweitägigen Audits – vor allen hinsichtlich des Tierschutzes.

Erst Anfang Oktober waren der Schlachthof Dornbirn und der Landwirtschaftskammerpräsident mit negativen Schlagzeilen in den Medien präsent. Dabei ging es um einen Viehtransport nach Graz, der in der Art nicht stattfinden hätte dürfen. 21 Rinder wurden über mehrere Stunden lebend zum Schlachten quer durch Österreich gefahren. Moosbrugger hatte damals eingeräumt, dass der Transport kritisch gesehen werden könne und versichert, dass es keine Lebendlieferungen mehr nach Graz geben werde. (APA, Red.)


 

Stadt Dornbirn zu konkreten Vorwürfen im Video

Mutterschwein wird mit Zange getrieben:

Antwort: “Nach der Anlieferung werden die Schweine über einen eigenen Zugang in die “Betäubungsbucht” getrieben, wo sie mit einer Zange betäubt werden, damit die Schlachtung schmerzlos erfolgen kann. Im konkreten Fall hat sich das Schwein in der Bucht umgedreht (dies ist auf dem Video nicht sichtbar). Dieser Fall kommt sehr selten vor. Was hier aufgezeichnet wurde, ist nicht der Standardfall. Es handelt sich um eine Problemsituation. Der Betäuber wollte das Schwein “umdrehen”, damit es mit dem Kopf wieder zu ihm steht, damit er die Betäubungs-Zange korrekt am Kopf ansetzen kann. Normalerweise steht der Betäuber außerhalb der Betäubungsbucht und kann die Betäubungszange problemlos am Kopf ansetzen. Aus Sicherheitsgründen versuchte er das Betreten der Betäubungsbucht zu vermeiden, da es sich hierbei um eine Gefahrensituation handelt. Bei diesen (seltenen) Fällen kommt es zu kritischen Situationen. Das Vorgehen des Mitarbeiters ist aus dem Sicherheits-Aspekt heraus verständlich.

Das Antreiben mittels Betäubungszange ist verboten. Dieses Vorgehen wird sofort abgestellt. Die Mitarbeiter werden vor der nächsten Schlachtung nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen. An diesem Tag wurden drei Mutterschweine geschlachtet. Offensichtlich gab es bei den beiden anderen Tieren kein Problem. Pro Jahr werden ca. 150 Mutterschweine geschlachtet.”

Schwein zappelt und fällt auf den Boden, Ausbluten am Bode:

Antwort: Der Betäubungsvorgang läuft korrekt und gut ab. Das Tier kippt auf den Entblute-Tisch und wird sofort gestochen. Nach der Betäubung sind die Tiere “starr”. Diese „”Starre” löst sich und die Tiere beginnen zu zappeln, Es ist daher ganz normal, dass die Tiere nach dem Stechen “zappeln”. In diesem konkreten Fall ist das Tier mit den Hinterläufen an die Falle gestoßen und hat sich durch die starken Ruderbewegungen “nach vor gearbeitet”. In der Folge ist es auf den Boden gestürzt.

Auch hier handelt es sich nicht um einen Standardfall. Die Mitarbeiter haben jedoch korrekt gehandelt. Zuerst wollten die Mitarbeiter das Tier noch auf dem Tisch halten. Als sich abzeichnete, dass dies nicht gelingen wird, sind sie  aus Sicherheitsgründen zur Seite getreten. Weiters war es in Ordnung, dass sie das Tier am Boden ausbluten ließen, weil weitere Bearbeitungsschritte erst erlaubt sind, wenn das Tier vollständig entblutet ist (drei Minuten).

Hier liegt daher kein Verstoß gegen die Tierschutzschlacht-Verordnung vor. Das Tier war ordentlich betäubt. An diesem Tag (Montag, 29. Juni 2015) wurden 253 Schweine geschlachtet. Pro Jahr werden ca. 10.000 Schweine geschlachtet.”

Ausblutende Schweine müssen nachbetäubt werden:

Antwort: “Bei der Elektrobetäubung kommt es vor, dass die Tiere nach der Betäubung Anzeichen zeigen, dass sie nicht wahrnehmungslos sind (Atmung, gerichtete Augenbewegungen). Daher war in diesem Fall eine Nachbetäubung erforderlich. Wie auf dem Video zu sehen ist, stellt der Schlachthof eine eigene Person ab, die für die Betäubungskontrolle und Nachbetäubung zuständig ist. Auch hier liegt daher kein Verstoß gegen die Tierschutzschlacht-Verordnung vor. Die Betäubungskontrolle mit Nachbetäubung ist eine wichtige Maßnahme – insbesondere im Sinne des Tierschutzes.”

Rind mit Treibstock getrieben:

Antwort:  “Auf dem Video ist der Wartebereich vor der Rinder-Betäubungsfalle zu sehen. Der Betäuber will das nächste Rind in die Betäubungsfalle eintreiben und verwendet dazu den elektrischen Treibstock. Die Verwendung des elektrischen Treibers ist zum Eintrieb in die Betäubungsfalle erlaubt. Wie ersichtlich ist, weicht das Tier mehrmals zurück. Ein solches Zurückweichen kommt vor, ist aber nicht der Regelfall. Der Mitarbeiter verwendet den Treiber mehrmals, jedoch nur kurz.

Auch hier liegt kein Verstoß gegen die Tierschutzschlacht-Verordnung vor. Da das Tier nervös war, brauchte der Betäuber mehrere Anläufe, bis das Tier in der Betäubungsfalle war. Hierbei war sein Vorgehen angemessen. Der Einsatz des elektrischen Treibstockes erfolgte nur kurz und sachgemäß.”

An den beiden Tagen, in denen die Schlachtung mit versteckter Kamera beobchtet wurde (29. und 30. Juni 2015) wurden laut Aussendung der Stadt 253 Schweine, drei Mutterschweine, 28 Lämmer, 41 Kälber und 56 Rinder geschlachtet.

Die Videos würden nicht den gesamten Schlachttag zeigen, sondern Einzelfälle aufnehmen, in welchen der Schlachtvorgang nicht reibungslos funktioniert hatte. In den anderen Fällen sei die Schlachtung ordnungsgemäß abgelaufen. Abgesehen von Fall “Mutterschweinschlachtung” würden sich aus den Videos keine Verstöße gegen die Tierschutzschlacht-Verordnung ergeben, die Mitarbeiter hätten stets richtig reagiert. Das Personal am Schlachthof sei hinsichtlich des Tierschutzes geschult, weiters erfolgen regelmäßige Betäubungskontrollen, so die Stadt Dornbirn abschließend.

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