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Anschober legt sich bei Schulschließungen nicht fest

Gesundheitsminister Anschober will Evaluierung abwarten
Gesundheitsminister Anschober will Evaluierung abwarten ©APA
Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) will sich nicht festgelegen, ob die Regierung weitere Schulschließungen verfügen könnte. "Ich habe immer gesagt, wir werden nach zehn Tagen beginnen zu evaluieren. Wir haben heute Tag zehn", so Anschober. Berücksichtigt werde nicht nur das Infektionsgeschehen an den Schulen, sondern auch welche Auswirkungen weitere Maßnahmen auf das "Gesamtsystem" hätten. Die Opposition sprach sich einmal mehr klar gegen Schulschließungen aus.

Der "große Erfolg im Frühling mit dem damaligen Lockdown" ist aus Sicht des Gesundheitsministers nämlich deshalb gelungen, weil damit ein "drastisches Verringern der Kontakte und Begegnungssituationen" erreicht worden sei. Damals sei eine Verringerung der "Bewegungsintensität" auf die Hälfte bis ein Viertel erreicht worden, sagte Anschober. Nun werde man sich quer durch alle Bereiche ansehen, wie viele Infektionsfälle in einem bestimmten Bereich auftreten und wie diese Bereiche auf die Bewegungsintensität wirken - von der Gastronomie, über den Handel bis zur Schule, schilderte Anschober die Beurteilungskriterien für weitere Maßnahmen.

Wann über weitere Verschärfungen der Maßnahmen entschieden werden könnte, ließ Anschober offen. In die Entscheidung einbezogen werden sollen jedenfalls auch die Prognoserechnungen für die Krankenhauskapazitäten. Hier geht es vor allem um die Frage der verfügbaren Intensivbetten. Diese Zahlen werden jeden Morgen gemeldet, wobei nicht nur die Zahl der verfügbaren Betten bewertet wird (bzw. die Frage, wie viele Betten für Corona-Patienten umgeschichtet werden können), sondern auch wie viele Erkrankungen es unter dem medizinischen Personal gibt.

Die SPÖ bekräftigte unterdessen erneut ihre Ablehnung von möglichen Schulschließungen. Das wäre "eine Maßnahme von geringem Nutzen und großem Schaden", sagte SPÖ-Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner. Schulschließungen wären das Gegenteil von Treffsicherheit und Wirksamkeit, weil dafür jegliche Datengrundlage fehle. Sowohl die AGES als auch internationale Studien und Erfahrungen würden zeigen, dass Schulkinder bis 14 Jahren keine wichtige Rolle in der Verbreitung des Virus spielen.

Die Kinderinfektionsrate sei sogar gesunken, betonte Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid. Sie forderte stattdessen umfangreiche Schutzmaßnahmen für ein Offenhalten der Schulen. Dazu zählen regelmäßig Tests und Screenings der Lehrer sowie für eine Maskenpflicht für die Pädagogen. Weiters sollten die Gurgeltests ausgeweitet werden, zusätzliche Räume angemietet und die Räume alle 20 Minuten kurz gelüftet werden.

Schulschließungen würden auch gesundheitliche, psychologische und pädagogische Schäden bei den Kindern verursachen, so Rendi-Wagner. Die SPÖ-Vorsitzende verwies auch darauf, dass zusätzlich zu den Oberstufen-Schülern rund 700.000 Kinder und deren Eltern mit der Betreuung betroffen wären. Rendi-Wagner forderte daher die Bundesregierung auf, dem Virus durch wirksame Maßnahmen die Tür zu versperren, den Kindern aber die Tür zu den Schulen offen zu halten.

Einem kompletten Lockdown inklusive Schulschließungen würde Rendi-Wagner nur dann zustimmen, wenn die von ihr geforderte Expertengruppe, die die Maßnahmen bewerten und evaluieren soll, einen solchen vorschlagen würde. Dass die Regierung jetzt schon von Verschärfungen spreche, obwohl die Inkubationszeit zehn bis 14 Tage betrage und die derzeitigen Maßnahmen erst seit 2. November gelten, hält sie für "unseriös". "Fassungslos" zeigte sich Hammerschmid über die Aussage von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP), wonach Schulschließungen nicht seine alleinige Entscheidung wären.

NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger forderte bei einer Pressekonferenz, eine Entscheidung über Verschärfungen der Coronamaßnahmen und mögliche weitere Schulschließungen erst nach dem Wochenende zu treffen. Der Peak der Infektionen aus der Zeit vor dem Lockdown sei erst dieser Tage zu erwarten und es gebe ausgerechnet jetzt ein "Zahlenchaos" bei den Daten der Neuinfektionen. Damit fehle die Grundlage für eine evidenzbasierte Entscheidung.

Eine Schließung der Schulen müsse "der aller-, allerletzte Weg" sein, wenn das Gesundheitssystem wegen der Zahl der Coronainfektionen zu kippen drohe. "Das Ende des Unterrichts in der Schule für Pflichtschulkinder ist nicht der Beginn des Unterrichts zu Hause, es ist das Ende des Unterrichts und das Ende von Bildung und sozialen Kontakten, die so wichtig sind", so Meinl-Reisinger, die auch auf die negativen Auswirkungen der Schulschließungen auf Schüler aus sozial benachteiligten Familien, auf die Psyche der Kinder, auf Arbeitnehmer und Arbeitsplätze verwies. "Homeschooling und Homeoffice zusammen geht sich einfach nicht aus. Punkt."

Dabei drohe das Ausbrennen der Eltern, vor allem der Mütter, und die noch geöffneten Betriebe könnten durch die Betreuungspflichten der Mitarbeiter in Bedrängnis kommen. Eltern müssten außerdem für die Betreuung möglicherweise auf Großeltern zurückzugreifen und könnten damit potenziell deren Gesundheit gefährden.

Als gelindere Mittel anstelle von Schulschließungen schlagen die NEOS u.a. zur Abwendung weiterer Schulschließung eine Ausweitung der Maskenpflicht für Schüler vor. Außerdem soll für den Unterricht auf andere Räumlichkeiten, etwa ungenutzte Festsäle, ausgewichen werden und durch unterschiedliche Beginnzeiten Anhäufungen von Schülern auch am Schulweg vermieden werden, so Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre.

Auch die FPÖ sieht in möglichen Schulschließungen kein Mittel zur Bekämpfung der Coronapandemie. "Für uns ist das keine Option, die Schulen müssen offenbleiben", betonte Bildungssprecher Hermann Brückl. Auch die Oberstufen, deren Unterricht seit knapp zwei Wochen auf Distance Learning umgestellt ist, müssten wieder in die Klassenzimmer zurückgeholt werden.

Schulschließungen seien eine große Belastung für die Familien und würden für die Schüler soziale Isolation, den Verlust von Motivation und Tagesstruktur bedeuten, schon jetzt würden immer mehr Schüler unter Beschwerden wie Schlaflosigkeit und Zukunftsängsten leiden. Noch dazu seien die Schulen keine Treiber der Pandemie. "Wir sind dabei, eine Lost Generation zu schaffen", warnte er. Und: "Die Eltern haben mittlerweile mehr Angst vor Homeschooling als vor Corona."

(APA)

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