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Anklage: Pensionist (79)veruntreute 344.000 Euro

Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch
Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch ©VOL.AT
Feldkirch - Noch kein Urteil im Schöffenprozess: Angeklagter soll ohne Zustimmung der Eigentümerin Geld in Finanzgeschäft investiert haben.

Der unbescholtene 79-Jährige hat nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Feldkirch 344.000 Euro veruntreut. Der gestrige Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch wurde vertagt. Nun soll das mutmaßliche Opfer des Vermögensdelikts auf dem Rechtshilfeweg in Indien als Zeugin einvernommen werden.

Der Angeklagte und das mutmaßliche Opfer sind Mitglieder einer sektenähnlichen Glaubensgemeinschaft und leben zusammen in einem Ashram genannten Meditationszentrum im Bezirk Bregenz. Sie wollten mit einem Banklizenz-Finanzgeschäft mit einer Firma in Spanien 500.000 Euro verdienen. Dafür soll der Angeklagte Goldmünzen und Schmuck der vermögenden Frau ohne deren Zustimmung verkauft und daraus den Erlös investiert haben.

Verteidiger Bertram Grass plädiert für einen Freispruch. Denn sein Mandant habe von der Zustimmung der Frau für die Verwertung der ihm anvertrauten Goldmünzen und des Schmuckes ausgehen dürfen. Der Strafrahmen für das angeklagte Verbrechen beträgt ein bis zehn Jahre Gefängnis.

Opfer von Betrügern

Selbst Staatsanwalt Manfred Melchhammer nimmt an, dass der Angeklagte und die Frau Opfer von Betrügern in Spanien geworden sind. 500.000 Euro habe der Ashram zunächst nach Spanien überwiesen, dafür aber nichts zurückerhalten. „Das ist schon der Wahnsinn“, sagte der öffentliche Ankläger. Dann habe der Angeklagte aber trotzdem noch einmal Geld nach Spanien geschickt, eben die angeklagten 344.000 Euro.

Dabei habe es sich um eine vergebliche Rettungsaktion seines verzweifelten Mandanten gehandelt, sagte Verteidiger Grass. Der Angeklagte habe weiterhin mit dem erhofften hohen Gewinn gerechnet. Stattdessen sind auch die 344.000 Euro in Spanien verschwunden.

Der Staatsanwalt stützt seinen Anklagevorwurf auf ein E-Mail des Angeklagten. Darin habe der Angeklagte der Frau mitgeteilt, es werde nach der Investition von 500.000 Euro keine weiteren Geschäfte geben. Der Angeklagte hingegen gibt an, seine Ashram-Freundin habe ihm telefonisch erlaubt, auch die 344.000 Euro zu inves­tieren.

Das mutmaßliche Opfer halte sich derzeit in Indien auf und sei gesundheitlich nicht in der Lage, für eine Zeugenaussage nach Feldkirch zu reisen, sagte Privatbeteiligtenvertreter Stefan Harg. Die Frau könne nicht einmal in die nächste Stadt fahren. Seine Mandantin habe eigentlich geplant gehabt, mit ihrem Vermögen einen Ashram in Indien und eine Schule im Himalaya zu finanzieren.

(NEUE/Seff Dünser)

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