Anklage gegen Arzt: Patienten betrogen

Tochter eines Opfers erstattete Anzeige.
Tochter eines Opfers erstattete Anzeige. ©Symbolbild/Bilderbox
Vorarlberger Allgemeinmediziner soll Kochsalzlösung als angebliches Heilmittel gegen Krebs verkauft haben. Nun hat die Staatsanwaltschaft Feldkirch Anklage erhoben. Dem Allgemeinmediziner wird das Verbrechen des gewerbsmäßig schweren Betrugs zur Last gelegt.
Ländle-Arzt soll gefälschtes Medikament verkauft haben

Die Staatsanwaltschaft Feldkirch hat jetzt am Landesgericht Feldkirch Anklage gegen einen Vorarl­berger Arzt erhoben. Die Strafverfolgungsbehörde legt dem Allgemeinmediziner das Verbrechen des gewerbsmäßig schweren Betrugs zur Last. Das teilte gestern auf Anfrage Gerichtssprecher Norbert Stütler mit. Es gebe noch keinen Verhandlungstermin für den von Richterin Sonja Nachbaur geleiteten Strafprozess, zumal die Anklage nicht rechtskräftig sei, sagte der Mediensprecher.

In der Anklage wird dem Arzt aus dem Bezirk Feldkirch vorgeworfen, er habe Patienten betrogen. Demnach soll er angebliche Heilmittel verkauft haben, die jedoch nur aus Kochsalzlösungen bestanden. Der Arzt bestreitet den Tatvorwurf. Er habe keine Betrugsabsicht gehabt, sagte der Beschuldigte vor der Polizei.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hat der Mediziner zwischen August 2015 und August 2016 insgesamt 39 Patienten um mehr als 60.000 Euro betrogen. Damit hat er aus Sicht der Anklagebehörde das Verbrechen des gewerbsmäßig schweren Betrugs begangen. Dafür sieht das Strafgesetzbuch für den Fall eines Schuldspruchs sechs Monate bis fünf Jahre Gefängnis vor.

Firma gegründet. Der Allgemeinmediziner soll gefälschte Heilmittel über eine eigens dafür in Österreich gegründete Firma vertrieben haben. Das Produkt konnte online bestellt werden. „Powerlight“ hieß das verkaufte Produkt, das laut Anklage als Heilmittel gegen schwere Krankheiten wie Krebs, Hepatitis und Malaria angepriesen wurde.

Der Kaufpreis war von der Schwere der Krankheit abhängig, ergaben Ermittlungen des Bundeskriminalamts. Vier Ampullen hätten im Schnitt 1580 Euro gekostet. Bei den Käufern soll es sich vor allem um Patienten gehandelt haben, denen die Schulmedizin nicht helfen konnte.

Im Mai 2016 hatte die Tochter eines mutmaßlichen Betrugsopfer Strafanzeige wegen Betrugs erstattet. Daraufhin wurden verkaufte Plastikampullen untersucht. Es wurde festgestellt, dass die darin enthaltene Substanz lediglich aus einer Kochsalzlösung bestand.

Kein einzigartiger Fall. Die Verzweiflung schwerkranker Patienten soll von einer anderen Täterschaft auch in Ober­österreich mit dem Verkauf von angeblichen Heilmitteln ausgenutzt worden sein. Im Gegensatz zu Vorarlberg wurden in Ober­österreich sogar Verhaftungen vorgenommen.

In Frankreich und Großbritannien seien inzwischen Hersteller und Verteiler der gefälschten Produkte festgenommen worden, gab das österreichische Bundeskriminalamt bekannt.

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