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Ankerplätze für Krisenkids

Feldkirch - Pflegekinderdienst sucht Gastfamilien für schwierige Kinder von sechs bis zwölf Jahren. Ende 2007 waren in Vorarlberg 544 Minderjährige fremd untergebracht. 23 fanden nur mehr in Süddeutschland Platz.

Das soll sich nun ändern. Silvia Zabernigg sucht „Ankerfamilien“ als Alternative. In der Vermittlung hat sie zwar Erfahrung. Derzeit leben 235 Kinder in 175 Vorarlberger Pflegefamilien. Die Jugendwohlfahrt stellt die Weichen. Gefunden hat die Plätze der Pflegekinderdienst des Vorarlberger Kinderdorfes. Aber diese Kinder waren zum Zeitpunkt des Familienwechsels klein. Babys zumeist, höchstens im Kindergarten- oder hie und da mal im Vorschulalter. Jetzt erweitert sich das Spektrum. Weil a la longue keine Vorarlberger Problemkinder mehr in Deutschland betreut werden sollen.

Anleihe in Ravensburg

„Neu ist das nicht. Wir kennen die Situation seit Jahren.“ Auch sind die deutschen Plätze fachlich nicht schlecht. Beileibe nicht. Immerhin nimmt die Idee der Ankerfamilien in Ravensburg Anleihen. Dort hat Barbara Roth vor zehn Jahren ein Jugendhilfe-Projekt begründet. „Jumega“ steht für „Junge Menschen in Gastfamilien“. So was Ähnliches schwebt Silvia Zabernigg vor. Die Landesregierung gab ihr den Auftrag. Denn die Vorarlberger Institutionen können nicht mehr. Allesamt. Wo man hinschaut – Jagdberg, Jupident, Sozialpädagogische Erziehungsstellen – alle führen sie Wartelisten. Nicht erst, seit Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch die Fremdunterbringung im Ausland beklagte, „merken alle Institutionen, dass es ganz eng wird“. Warum sich das ausgerechnet heuer verschärft, kann Zabernigg nicht sagen. Weil das Vorarlberger Kinderdorf aus pädagogischen Gründen die Familien ein wenig verkleinert hat? Weil der wirtschaftliche Würgegriff sozial schwache Familien zu erdrosseln droht? Jedenfalls hagelt es im Moment Anfragen. So viele Kinder gehörten eigentlich raus aus ihren angestammten Familien! „Kinder, die überall anecken. Kinder, die eine Gruppe nicht aushalten.“ Entwicklungsverzögerte oder grenzenlose Kinder. Für sie sucht Silvia Zabernigg nun „Ankerfamilien“. Der Name ist Programm. Es wäre ihr letzter Halt. Der Pflegekinderdienst böte den Familien alle Unterstützung: Kurse, Hausbesuche, Rufbereitschaft rund um die Uhr. Die Familien ihrerseits müssten „einen langen Atem“ mitbringen, selber Kinder erzogen haben oder „jedenfalls erfahren im Umgang mit Kindern“ sein. Denn ein Spaziergang wird das nicht.

Gastrolle proben

Was den „schwierigen Kindern“ fehlt, ist Halt. Jemand, der an sie glaubt. Der ihnen Grenzen setzt und dafür verlässlich bleibt. Für Eltern, die das versuchen wollen, möchte Zabernigg die Möglichkeit „zu hospitieren“ bieten. „Wir suchen immer wieder für Krisenaufnahmen zeitlich begrenzte Pflegeplätze.“ Dann lebte das Kind nur drei Monate in der Gastfamilie. Natürlich geschähe das alles nicht unbezahlt. Für ein sechsjähriges Kind in der Krisenfamilie bezahlt der Staat 849 Euro im Monat, die Ankerfamilien erhalten 1100 Euro plus einen Beitrag für die Versorgung des Kindes. Aber dass das Geld nicht der Anreiz sein darf, will Silvia Zabernigg gar nicht erst betonen. Solche Kinder aufzunehmen ist ein Knochenjob. Andererseits könnten so trotz Armut, Verwahrlosung und Gewalt auch aus diesen Kindern lebenstüchtige, zufriedene Menschen heranwachsen. „Und es kann doch nicht sein, dass wir ausgerechnet in Vorarlberg keine solchen Familien finden, oder?“

Mehr Informationen beim Pflegekinderdienst des Vorarlberger Kinderdorfes unter Tel. 0650/ 8 22 53 DW 19 oder E-Mail s.zabernigg@voki.at.

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