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Ankara lässt "Todes-Klinik" schließen

Dila Kurt war jung und hatte eine vielversprechende Zukunft vor sich: Die 19-Jährige kam aus begütertem Haus und studierte Architektur an der angesehenen MimarSinan Universität in Istanbul.

Doch Dila hatte ein Problem: Sie litt unter ihrer Leibesfülle. Fast 100 Kilogramm brachte sie auf die Waage, als sie sich Ende Juli in einer teuren Diät-Klinik am Stadtrand von Istanbul meldete. Nach sechs Wochen hatte Dila 15 Kilogramm abgenommen – dann brach sie zusammen und starb.

Nach dem Tod des Mädchens stellte sich heraus, dass die Klinik keine Genehmigung als medizinische Einrichtung hatte, sondern als Hotel angemeldet war. Nach Presseberichten gab es in der Anlage, deren Patienten umgerechnet 1.000 Euro pro Woche hinblätterten, keinen einzigen ausgebildeten Diät-Experten. Nun hat das Gesundheitsministerium in Ankara die Schließung der Klinik angeordnet. Die “Todes-Klinik” wird das Haus inzwischen in der Presse genannt.

Der Tod von Dila Kurt hat in der Türkei eine neue Debatte über die mangelnde staatliche Aufsicht über Einrichtungen wie jene, in der die 19-Jährige sich behandeln ließ, und über den um sich greifenden Schlankheitswahn ausgelöst. Nur in der Türkei sei es möglich, dass Unternehmer ohne jede Vorbildung eine Diät-Klinik eröffneten, schimpfte der Berufsverband der türkischen Diät-Experten. Der Betreiber verband eine strenge Kalorien-Kontrolle – angeblich 1.500 Kalorien pro Tag und Patient – mit einem anstrengenden Fitness-Programm. Gesund sei das nicht, sagen Fachleute. Doch die Klinik konnte sich trotzdem nicht über mangelnden Zulauf beklagen.

Denn die Türken orientieren sich immer mehr an den Schönheitsidealen des Westens – und das bedeutet: Kilos müssen runter, koste es, was es wolle. Der Druck komme von Musikvideos, vom Internet und vom Fernsehen, wo die großen Stars alle superschlank seien, sagt der Ernährungswissenschafter Murat Bas von der Baskent-Universität in Ankara. Auch in Familien und im Freundeskreis gelte inzwischen: “Die Grundlage der Schönheit ist das Schlanksein.”

Das heißt nicht, dass Experten wie Bas Fettleibigkeit loben wollen. Nach jüngsten Untersuchungen ist mehr als jeder zweite Türke übergewichtig. Wie in westeuropäischen Ländern zählen fehlende körperliche Bewegung und falsche Ernährung zu den Hauptursachen. Doch das Abnehmen wird immer häufiger als Beitrag zur Schönheit verstanden, nicht als Beitrag zur Gesundheit. Deshalb legen viele Türken großen Wert auf schnelles Abnehmen – gesundheitliche Risiken werden vernachlässigt.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich besonders das Schönheitsideal für Frauen in der Türkei grundlegend verändert, sagt Professor Bas: Früher seien bekannte Sängerinnen und andere Prominente mit Vorbildcharakter deutlich rundlicher gewesen als das heute der Fall sei.

Das Auf und Ab des Körpergewichts von Superstars beschäftigt in der Türkei immer wieder die Presse. Als die von Millionen verehrte Sängerin Sibel Can vor einigen Jahren plötzlich wesentlich schlanker wirkte als vorher, meldeten die Zeitungen: “Sie nahm in nur fünf Monaten neun Kilo ab.” Can ließ sogar ihre Diät veröffentlichen, die vor allem aus viel Wasser, Gemüse, Obst und Fitnessübungen bestand. Allerdings ließ sich die Sängerin von einem professionellen Diätexperten betreuen. Was bei Dila Kurt in der Klinik offensichtlich nicht der Fall war.

Zumindest hat der tragische Tod der jungen Frau die Türken aber auf die Gefahren des radikalen Abnehmens aufmerksam gemacht. Noch bevor der Gesundheitsminister die Klinik schließen ließ, verließen die Patienten die Anlage in Scharen.

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