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Angeklagt: Tierarzt als Autoschieber

Feldkirch - 300.000 Euro Schaden richtete eine serbische Autoschieberbande innerhalb eines halben Jahres in Vorarlberg an. Hauptverdächtiger soll ein Tierarzt sein.

Direkt nach dem Diebstahl wurden die zwanzig teuren Wagen aller Marken nach Serbien geschafft und von dort in osteuropäische Länder verschoben. Seit Ende März sitzt ein 31-jähriger serbischer Tierarzt in Feldkirch als Hauptverdächtiger des organisierten Autoschieberrings in Haft, er wurde nach einer Buspanne auf der Autobahn A 1 nahe Melk durch einen Zufall verhaftet – die „VN“ berichteten. „Mein Mandant ist nur ein kleiner Fisch“, betont hingegen Verteidiger Surena Ettefagh die angeblich untergeordnete Rolle des Ganoven.

Neue Karriere begonnen

Der ehemalige Tierarzt geriet seinen Angaben nach durch Schulden auf Abwege. Doch ob Haupttäter oder nicht: Dem 31-jährigen Veterinär ist jedenfalls ein Platz auf der Anklagebank gewiss. Er muss sich demnächst wegen schweren, gewerbsmäßigen Diebstahls vor Gericht verantworten. Nachdem er in seiner Heimat den Militärdienst geleistet hatte, zog der Mann in die Schweiz und heiratete dort, gibt der Beschuldigte an. Sieben Jahre wohnte er in der Schweiz, danach lief seine Aufenthaltsbewilligung ab und er zog wieder zu seinen Eltern nach Serbien. Doch statt Hunde, Meerschweinchen und Co. zu behandeln, wie es der 31-Jährige ursprünglich studiert hatte, begann er lieber eine kriminelle Karriere als Autoschieber. Schulden hätten ihn gezwungen, bei dem groß angelegten Autodiebstahl mitzumachen, so die Erklärung gegenüber seinem Verteidiger.

Pannen bei Taten

In Dornbirn gelang es dem Mann gleich zweimal hintereinander, mit einem gebogenen Draht BMW-Schlüssel aus dem Briefkasten einer Werkstätte zu fischen. Kunden hatten ihn dort eingeworfen, um nicht notwendigerweise ihr Fahrzeug innerhalb der Öffnungszeiten hinbringen zu müssen. Sowohl der silberne BMW 328i als auch der 320er-BMW waren weg. Die Bande stahl, was gerade greifbar war. Opel in Dornbirn, Crysler in Hard, Jaguar in Wolfurt, Nissan in Nüziders. Nicht immer hatten die Ganoven Glück. In Hard beispielsweise stiegen sie zwar unbemerkt über ein Fenster in ein Autohaus ein. Schlüssel fanden sich jedoch nur zu einem Abschleppfahrzeug. In Götzis fuhr man zwar mit dem Renault Clio aus der Autospenglerei ins Freie. Da die Zulassung aber unauffindbar war, ließen die Ganoven auch dieses Fahrzeug „schweren Herzens“ stehen. Einen Verhandlungstermin für den Tierarzt auf Abwegen gibt es noch nicht. Er wartet derzeit in der Justizanstalt Feldkirch auf seinen Prozess. Die Strafdrohung: bis zu zehn Jahre Haft.

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