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"Am liebsten würde ich noch sieben Tage im Spital bleiben"

Dornbirn - "Tor! Tor!" jubelt Veton (11) und reißt wie ein Profi -Kicker die Hände hoch. Veton ist drauf und dran zu gewinnen. Der 11-Jährige hat mehr Spielroutine als sein Gegner, der 10-jährige Niklas.

Denn der ist erst heute ins Spital gekommen. Veton hingegen ist schon seit drei Tagen im Krankenhaus. „Seither spiele ich Tischfußball.“ Dass ihm eben erst der Blinddarm herausoperiert wurde, scheint für ihn kein Handicap zu sein.

In den ersten zwei Tagen spielte Veton gegen einen Buben, der an der Hand verletzt war. „Der konnte nur mit einer Hand spielen. Trotzdem hat er mich andauernd besiegt“, kann es Veton immer noch nicht fassen. Spricht’s und kassiert ein Gegentor. Auch Niklas ist ein Gegner, der nicht unterschätzt werden darf. Der 10-Jährige scheint wieder voll fit zu sein. Er hatte im Biologie-Unterricht kurz das Bewusstsein verloren und war vom Stuhl gefallen. „Der Lehrer hat erzählt, wie man sich die Hand absägt. Da ist es passiert“, so Niklas zum „Sonntag“. Niklas muss über Nacht zur Beobachtung im Spital bleiben. Bis dahin will er aber noch so viel Spaß wie möglich haben. Und den hat er mit Veton und dem Tischfußball.

Sogar die Ärzte spielen

Der Lichtblick sponserte der Kinderabteilung des Krankenhauses Dornbirn den Tischfußball. Die kleinen Patienten hatten sich diesen seit langem gewünscht, wie Manuela Ortner, die Pflegeleiterin der Kinderstation weiß. Seit Juni steht er nun auf der Station. Der Andrang auf das Spielgerät im Gang ist groß. „Der Tischfußball kommt super an – bei den Patienten, den Eltern und dem Personal. Ja selbst die Ärzte spielen gerne“, so Ortner zum „Sonntag“. Das Schöne sei, dass er die Leute zusammenbringe. „Er fördert die Kommunikation unter den Kindern. Die lernen sich jetzt viel schneller kennen.“ Nachsatz: „Beim Tischfußball wurden schon etliche Freundschaften geschlossen.“

Veton reißt erneut die Hände hoch. Eiskalt abgestaubt! Tor! „Schade, dass ich bald heim muss. Am liebsten wär mir, wenn ich noch sieben Tage im Spital bleiben und Tischfußball spielen könnte“, sagt der „Torjäger“ mit echtem Bedauern in der Stimme.

Sein Gegner aber, der hat genug. Als Niklas seinen Vater kommen sieht, rennt er freudig auf ihn zu und ruft ihm entgegen: „Papa, ich kann nachher den fünften Harry-Potter-Film anschauen.“

Liebesfilme sind ein Renner

Die Kinderabteilung verfügt mittlerweile über eine Sammlung von 150 Videofilmen und 60 DVD’s. Letztere schuf man an, nachdem der Lichtblick das Geld für neun DVD-Video-Kombigeräte – eines für jedes Zimmer – zur Verfügung gestellt hatte. „Wir leben ja jetzt nicht mehr im Video-, sondern im DVD-Zeitalter“, so Ortner. Sie ist dem Lichtblick für die Spende sehr dankbar. Denn ihre kleinen Patienten haben mit den Filmen eine Riesenfreude. Sie bringen Abwechslung in den Spitalsalltag. „Bei den Mädchen sind Zeichentrick- und Liebesfilme der Renner, bei den Buben Kampffilme“, plaudert die Stationsleiterin aus dem Nähkästchen.

Niklas, der mittlerweile in sein Bett gehüpft ist, kann es kaum noch erwarten, bis Ortner den Harry-Potter-Film einlegt. Als die Stationsschwester mit der DVD zur Tür hereinkommt, bricht im Krankenzimmer Jubel aus. Minuten später ist es mucksmäuschenstill. Alle drei Kinder schauen gebannt dem Treiben des Zauberlehrlings zu.

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