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Altkleidersammlung der Caritas: Vorarlberger Kommunen wollen ihren finanziellen Anteil

Die Altkleidersammlung wurde für die Caritas Vorarlberg zum einträglichen Geschäft. Jetzt wollen die Gemeinden ihren Anteil.
Die Altkleidersammlung wurde für die Caritas Vorarlberg zum einträglichen Geschäft. Jetzt wollen die Gemeinden ihren Anteil. ©VOL.AT/Bernd Hofmeister
Schwarzach - Für Caritas Vorarlberg wurde Altkleidersammlung mittlerweile zum guten Geschäft - 2016 blieben 670.000 Euro übrig - jetzt verhandelt der Umweltverband im Auftrag der Bürgermeister die Konditionen neu - bislang gehen Städte und Gemeinden leer aus.

Die seit Jahrzehnten unter der Oberhoheit der Caritas Vorarlberg in Zusammenarbeit mit dem Vorarlberger Umweltverband laufende Altkleidersammlung im Ländle wird in absehbarer Zeit neu verhandelt. Das gilt auf jeden Fall für die Verteilung der mittlerweile recht stattlichen jährlichen Erträge aus diesem Entsorgungsbereich für die Sozialorganisation. Wie die Wirtschaftspresseagentur.com aus verlässlicher Quelle erfahren hat, wollen Vorarlbergs Bürgermeister mit den Verantwortlichen der Caritas Vorarlberg in der ersten Juli-Woche 2017 über diesen und andere Punkte verhandeln.

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Aufgekommen ist das Thema im Rahmen einer Sitzung des Prüfungsausschusses des Umweltverbandes der Vorarlberger Gemeinden am 11. April 2017 in Dornbirn. Nach erfolgter Prüfung diverser Themen haben die teilnehmenden prüfenden Bürgermeister den “Vorstand des Umweltverbandes aufgefordert, mit der Caritas zum Thema Altkleider über Optimierungspotenziale (Sammlung und Vermarktung, Kosten/Erlöse) transparent zu diskutieren”. Das geht aus dem Prüfungsausschuss-Protokoll jener Sitzung hervor, das der Wirtschaftspresseagentur.com vorliegt.

Umweltverband bestätigt bevorstehende Gespräche

Der Umweltverband koordiniert die überörtlichen Umweltaufgaben der 96 Gemeinden in Vorarlberg. Umweltverband-Geschäftsführer Fritz Studer erklärte auf wpa-Anfrage, dass es am 6. Juli 2017 eine Sitzung des Vorstandes des Umweltverbandes geben werde, wozu man die Caritas Vorarlberg eingeladen habe. Es sei korrekt, dass man bei dieser Sitzung über das Thema Altkleidersammlung diskutieren werde. Es sei ebenso richtig, dass es dabei auf Wunsch der Stadt- und Gemeindeoberhäupter auch um eine neue Verteilung der Erlöse gehe. Ähnliche Diskussionen gebe es zwar seit ein paar Jahren, jetzt wolle die Politik aber offenbar tatsächlich eine Änderung auf den Weg bringen. Denn bislang gehen die Vorarlberger Gemeinden hinsichtlich der Erlöse aus der Altkleidersammlung im Gegensatz zu anderen Entsorgungsbereichen leer aus. Die Erlöse gehen zur Gänze an die Caritas Vorarlberg.

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Jährlich eine halbe Million Euro an Erlösen

Diese jährlichen Erlöse aus der Altkleidersammlung (nach Abzug sämtlicher Kosten) haben mittlerweile für die Caritas Vorarlberg ein teils stattliches Niveau erreicht. Ein von der wpa befragter Bürgermeister gab an, dass in Spitzenjahren von Erlösen von bis zu einer Million Euro die Rede sei.

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Claudio Tedeschi, Kommunikationsleiter der Caritas Vorarlberg, erklärte auf Anfrage, dass die Caritas mit der Altkleidersammlung im Vorjahr knapp 670.000 Euro an Erlösen erzielt habe. In den vergangenen zehn Jahren hätten sich die Erlöse auf durchschnittlich rund eine halbe Million Euro pro Jahr belaufen. Auf einzelne Jahre wollte Tedeschi nicht eingehen. Auch nicht auf die Frage, ob das mit dieser kolportierten Million Euro an Erlösen zumindest in einem guten Geschäftsjahr zutreffend sei. Tedeschi verweist darauf, dass die Erlöse aus der Altkleidersammlung ausschließlich für soziale Projekte im In- und Ausland verwendet werden.

Kleiderspenden Irrtum III.: “Wird nicht nach Afrika verkauft”

50 Prozent der gesammelten Kleider werden am Weltmarkt verkauft

Die Altkleidersammlung läuft in Vorarlberg seit den 1950er-Jahren über die Caritas. Mitte der 1990er-Jahre wurde das Kleidersortierwerk in Hohenems in Betrieb genommen. Seither hat der Vorarlberger Umweltverband die Altkleidersammlung an die Caritas quasi delegiert, arbeitet aber in diesem Bereich eng mit der Sozialorganisation zusammen, etwa bei Ausschreibungen. Deshalb haben die Bürgermeister über den Umweltverband auch Einblick in die Erlöszahlen.

Die für die Sammlung landesweit aufgestellten rund 400 Altkleidercontainer gehören der Caritas. Das Einsammeln der Altkleider und der Transport nach Hohenems werden unter gewerblichen Betrieben ausgeschrieben. Die Caritas macht fast gar keine Transporte selbst. 50 Prozent der in Vorarlberg gesammelten Altkleider – im Vorjahr insgesamt rund 3.300 Tonnen – kommen ins Sortierwerk. Der brauchbare Anteil wird dann im sozialen Textilhandel verkauft. Die anderen 50 Prozent werden mangels Bedarf im Inland als Originalsammelware in Bausch und Bogen über Ausschreibung international verkauft. Hier hänge der Preis pro Tonne von den aktuellen Preisen am Weltmarkt ab, so Tedeschi und Studer. Das sei auch der Grund, weshalb die Erlöse jedes Jahr unterschiedlich seien. Grundsätzlich könne man davon ausgehen, dass rund 50 Prozent der gesammelten Altkleider noch tragbar seien. Knapp ein Drittel werde zur Erzeugung etwa von Dämmstoffen verwendet. 15 Prozent müssen entsorgt werden.

Gemeinden finanziell unter Druck – neue Einnahmequellen gesucht

Dass die Vorarlberger Bürgermeister ausgerechnet jetzt eine Beteiligung an den Erlösen wünschen, dürfte vor allem mit dem finanziellen Druck zusammenhängen, unter dem viele Gemeinden in Österreich und auch in Vorarlberg stehen. Denn die Verschuldung der Kommunen nimmt nicht zuletzt aufgrund vieler nicht direkt beeinflussbarer finanzieller Belastungen zu. Die soziale Verwendung der erlösten Gelder durch die Caritas wird nicht angezweifelt. Allerdings würden auch Gemeinden solche Gelder für soziale und gemeinschaftliche Angelegenheiten verwenden, so ein Bürgermeister. Der große Unterschied: Mit einer Neuregelung der Erlöse könne man als Gemeinde selbst entscheiden, wofür diese Gelder eingesetzt werden.

Kritik: Caritas lässt sich Flüchtlingsbetreuung sowieso voll zahlen

Neben dem finanziellen Druck bringt ein Bürgermeister einer Gemeinde im Rheintal allerdings noch einen weiteren Punkt aufs Tapet. Dabei geht es um die erst in jüngerer Vergangenheit aufgekommenen Kosten für die Flüchtlingsbetreuung. Die Caritas, so die Kritik, lasse sich “ohnehin fast jeden Handgriff bei der Flüchtlingsbetreuung finanziell abgelten” und die Gemeinden müssten dafür anteilsmäßig zahlen. Ihre eigenen Kosten für die Flüchtlingsbetreuung müssten die Gemeinden aus Steuergeldern dann noch zusätzlich tragen. Daher sei es an der Zeit, die Aufteilung der Erlöse aus der Altkleidersammlung neu zu verhandeln, nicht zuletzt auch deshalb, um die Steuerzahler zu schonen.

(WPA)

Video: Caritas-Orange-Day: Kleidung spenden und damit Projekte unterstützen
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