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Alt-LH Herbert Sausgruber stellt sein neues Buch vor

Dr. Herbert Sausgruber stellt am Freitag sein neues Buch vor.
Dr. Herbert Sausgruber stellt am Freitag sein neues Buch vor. ©VOL.AT/Philipp Steurer
"Verdichtete Erinnerungen - Grundlagen erfolgreicher Gemeinschaften" heißt das neue Buch von Alt-Landeshauptmann Dr. Herbert Sausgruber.

Die Handlungsfähigkeit der EU ist für Vorarlbergs Alt-Landeshauptmann Herbert Sausgruber (ÖVP) entscheidend für unsere Zukunft. "Wenn es uns nicht gelingt, dieses Gefüge endlich handlungsfähig zu machen, sieht unsere Gesamtzukunft blasser aus, als wie wenn man das schaffen sollte", so Sausgruber am Freitag bei der Präsentation seines Buches "Verdichtete Erinnerungen - Grundlagen erfolgreicher Gemeinschaften" in Bregenz.

Video von der Buchvorstellung

Wenn man etwa von einem Bezirkshauptmann Katastrophenmanagement erwarte, müsse man ihm auch Durchgriffsrecht, eine Mannschaft und Geld zur Verfügung stellen, verglich Sausgruber. Ihm das vorzuenthalten, wäre "dümmlich - und das sollte man in den wichtigen Fragen nicht sein". "Der Rückzug ins Nationale ist in Wahrheit eine theatralische Form der Selbstaufgabe und Auslieferung an die Interessen anderer Großer, auf deren Willensbildung man keinerlei Einfluss hat, denen man aber allein in keiner Weise gewachsen ist", hielt er fest.

Augenmaß nicht verlieren

Die Bemühungen auf Bundes- als auch auf Landesebene in der derzeitigen Corona-Krise beurteilte Sausgruber, der sich mit Zwischenrufen stets zurückhält, "relativ positiv", das gelte auch für das Mitmachen der Bevölkerung. Zentral sei es, dass es gelinge, in der Führung klare Vorstellungen zu entwickeln und das Augenmaß bei der Belastung der Bevölkerung nicht zu verlieren sowie Anstrengungen zur Hilfe der besonders Betroffenen zu unternehmen. Dabei dürfe man aber die Unsicherheit nicht verschweigen. Als politisch Führender müsse man häufig Entscheidungen unter Ungewissheit treffen, weil nicht alles überblickbar sei. Es sei leicht, das dann rückblickend "besserwisserisch herunterzumachen". Man müsse aus der Situation das Beste machen. "Ich habe den Eindruck, dass das in Österreich geschieht. Und damit soll man als Bürger auch zufrieden sein", sagte Sausgruber.

Voluminöse Rückblicke von ehemaligen Politikern voller Hintergrundinfos und Abrechnungen mit Freund und Feind sind am Buchmarkt nichts Seltenes, Sausgrubers "Verdichtete Erinnerungen" dürften eine Ausnahme darstellen. Er hat auf nur 76 Seiten "Beobachtungen eines politischen Fußgängers" aus 30 Jahren als Kommunalpolitiker, Landtagsabgeordneter und Landeshauptmann zusammengetragen. Zu finden sind darin etwa Betrachtungen über gute Führung - "Gute Führung ist Dienst und nicht Selbstzweck" -, den Willen zur Zusammenarbeit, Menschenbild, den Zusammenhalt einer Gemeinschaft in Krisen, zur Eigenverantwortung, Subsidiarität sowie zum Umgang mit begründeten, aber nicht leistbaren Wünschen und hohen Erwartungen an die Gemeinschaft.

Übersehen entscheidender Veränderungen

Konkrete Beispiele sind dabei rar - absichtlich, denn "ich wollte nicht, dass man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht". Die schwersten Fehler in der politischen Führung passierten nicht durch falsche Entscheidungen, "sondern durch das Übersehen entscheidender Veränderungen", formulierte er etwa. Über das Regelmäßige, das oft langweilig wirke, und das auffällig Regelwidrige, an das sich sowohl Medien als auch politische Parteien durchaus auch anpassen müssten, übersehe man leicht sich schleichend entwickelnde Dinge. "Führende sollten das wissen", betonte Sausgruber. Auf eigene Versäumnisse wollte er dabei nicht eingehen: "Mir ist vieles passiert." Jeder Fußballer schieße schließlich mal daneben.

Die "größte Überraschung meiner politischen Tätigkeit" sei die Feststellung gewesen, dass Grundverhaltens- und -denkweisen und Entscheidungen in sehr kleinen Gemeinschaften, etwa Vereinen, sehr ähnlich abliefen wie in sehr großen Gemeinschaften, etwa der Bundesrepublik Deutschland. Auch wenn sich Fehler unterschiedlich auswirkten, seien die Abläufe ähnlich, "weil es sich um Menschen handelt". In seiner Laufbahn seien ihm diese Grundhaltungen und Organisationsformen wiederholt untergekommen, die einen hätten sich in der Praxis als erfolgreich in ihrer langfristigen, positiven Wirkung auf die Gemeinschaft gezeigt, andere führten langfristig stets in die Sackgasse.

"Das war mir immer schon ziemlich wurscht"

Erstere "haben es in sich, weil sie Moden oft ziemlich massiv widersprechen. Das war mir aber immer schon ziemlich wurscht, auch schon in meiner aktiven Zeit", erklärte der Alt-Landeshauptmann. Er wolle mit dem Buch keine allgemeingültigen Rezepte vorstellen, vielmehr gehe es darum, einen "Fundus an Denkwerkzeugen für den interessierten Mitbürger" zu bieten, aber auch für Studierende, politisch oder unternehmerisch Führende. Die Breitenwirkung schätzte er als "sehr bescheiden" ein.

Herausgegeben wurde der Band vom Innsbrucker Institut für Föderalismus. Man habe diesen gerne angenommen, "weil er etwas Besonderes ist", so Institutsleiter Peter Bußjäger. Statt eines Enthüllungsbuches habe Sausgruber ein Werk zum wissenschaftlich derzeit gefragten Thema "good governance" geschaffen und zwar aus der Perspektive der kleinen Gemeinschaft, nicht von oben herab. Das Buch, das vor der Corona-Krise entstand und dessen Präsentation im März auf Herbst verschoben worden war, ist online gratis öffentlich zugänglich. Unterstützung leistete am Freitag auch Jürgen Weiss, ehemaliger Präsident des Bundesrats. Das Buch sei nicht vergangenheitsbezogen, sondern ein "Wegweiser". Welches Gewicht ein Land auf Bundesebene habe, hänge nicht nur von seiner Größe ab, sondern "maßgeblich von der fachlichen und politischen Autorität des Landeshauptmannes", stellte er fest.

(VOL.AT)

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