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Alles ist möglich

Vivian Stauffer, CEO von Hamilton, über den amerikanischen Geist und Schweizer Präzision.

Von Elvis über „Frogman“ bis hin zum „Men in Black“ – Vivian Stauffer über das reiche Erbe einer Uhrenmarke, die in den USA geboren wurde und einige Jahrzehnte später den Weg über den großen Teich in die Schweiz fand. Ein Interview über Pioniere, Blockbuster und Videospiele.

Hamilton wurde 1892 in Lancaster/Pennsylvania gegründet und machte sich zunächst mit ihrer Präzision bei der amerikanischen Eisenbahn einen Namen. Mit dem Beginn der Luftfahrt stellten die Armbanduhren die Pünktlichkeit der US Airmail sicher. Seit dieser Zeit gelten sie als Pioniere der Luftfahrt. Inzwischen ist die Marke in der Schweiz ansässig. Wie würden Sie die DNA beschreiben?
Was Hamilton so besonders macht, ist ihr Erbe: die enge Verbindung zur Eisenbahn und Fliegerei, die Bereitstellung von über einer Million Uhren für die amerikanischen Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs, die erste elektrische Uhr sowie die erste Digitaluhr der Welt – unsere starke Geschichte und tiefen amerikanischen Wurzeln unterscheiden uns von anderen Marken. Dennoch gehören wir seit 1974 zur Swatch Group, damals noch unter dem Namen SSIH, und sind 2003 in die Schweiz umgezogen. Wir haben diese einzigartige Mischung aus amerikanischem Geist und Schweizer Präzision, darauf sind wir sehr stolz.

Sie sind Pilot. Was fasziniert Sie persönlich am Fliegen?
Die Welt der Luftfahrt hat mich schon immer angezogen. Im Alter von 16 Jahren habe ich damit begonnen, zuerst mit Gleitschirmen, dann mit (Segel-)Flugzeugen. Ich liebe das Gefühl von Freiheit, aber auch den technischen Aspekt des Fliegens. Der Himmel ist eine völlig andere Welt, verglichen mit der Welt auf dem Boden. Es ist wirklich eine intellektuelle, emotionale und körperliche Herausforderung.

Betrachtet man die Kollektionen, so lassen sie sich in zwei Gruppen einteilen: Militär und Hollywood. Ist es von Vorteil, dass beide Bereiche eine gemeinsame Geschichte haben, die auch in Zukunft fortgesetzt wird?
Unsere Verbindungen zur Luftfahrtindustrie reichen über hundert Jahre zurück, als wir 1918 Piloten für den ersten Luftpostdienst zwischen Washington D.C. und New York City ausstatteten. Seither sind wir Partner von Rettungsteams wie Air Zermatt und Air-Glaciers, von vielversprechenden Start-ups, die das Fliegen von morgen neu erfinden und von nationalen Kunstflugmeistern. Was das Kino betrifft, so sind Hamilton-Uhren seit 1932 in Filmen wie „Men in Black“, „Pearl Harbor“, „Interstellar“, „Mad Men“, „Tenet“ oder „Nightmare Alley“ zu sehen. Wir sind die Uhrmacher von Hollywood und lieben es, all die Menschen zu unterstützen, die an einem Film arbeiten, damit er zum Leben erweckt wird. Das ist auch der Grund, warum wir die Hamilton Behind the Camera Preisverleihung veranstalten, um diesen talentierten Crews, die hinter den Kulissen hart arbeiten, etwas zurückzugeben. Im Jahr 2021 waren wir der erste Uhrenhersteller, der in ein Videospiel integriert wurde, mit einer Uhr, die der Hauptdarsteller am Handgelenk trägt und die auch im echten Leben erhältlich ist. Die Spieleindustrie wächst mehr denn je, und die Grafik entspricht fast dem, was man auf der großen Leinwand sehen kann, mit einem echten filmischen Touch. Für uns war es logisch, in diesem Bereich aktiv zu werden.

Warum sind Hamilton-Uhren auf der Kinoleinwand so beliebt?
Wir haben schon seit Langem eine enge Verbindung zur Filmindustrie. In den Anfängen wurden Hamilton-Uhren vor allem aus Gründen der historischen Authentizität verwendet. Im Laufe der Jahre bauten wir enge Beziehungen auf und halfen Requisiteuren und Kostümbildnern, die richtigen Stücke für ihre Figuren zu finden. Das führte dazu, dass Hamilton bis heute in mehr als 500 Filmen zu sehen ist. Darüber hinaus sind wir auch sehr stolz darauf, der Uhrmacher der Filmemacher zu sein, wenn es um einzigartige Requisiten geht. Zuerst in Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ (1968) und in jüngerer Zeit für Christopher Nolans „Interstellar“ (2014) und „Tenet“ (2020) wurden wir von berühmten Regisseuren kontaktiert, um eine maßgeschneiderte, individuelle Uhr zu kreieren, die im Mittelpunkt der Handlung steht. Wir lieben diese Art von kreativer Herausforderung und die Zusammenarbeit mit den Studios, um die beste Lösung für ihre Vision zu finden.

Elvis trug die Ventura in dem Film „Blue Hawaii“ von 1961. Wäre er im Jahr 2023 der perfekte Markenbotschafter?
Die Hamilton Ventura ist eine echte Ikone. Die erste elektrische Uhr der Welt, die noch vor der Quarztechnologie erfunden wurde, hatte ein revolutionäres Design, das vom Industrie-Designer Richard Arbib erfunden wurde. Auch Elvis war durch seine Musik revolutionär. Eine Verbindung zweier Ikonen, die bis heute anhält, denn wir sind Partner der Elvis Foundation.

Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen?
Hamilton-Uhren sind sehr beliebt und wir haben manchmal Probleme, alle eingehenden Bestellungen zu erfüllen. Die neue Khaki Navy Frogman etwa, die in diesem Sommer auf den Markt kam, erfreute sich weltweit so großer Beliebtheit, dass wir Probleme hatten, die Nachfrage zu befriedigen, da die Produktionszeit verlängert wurde.

In welche Richtung entwickelt sich Ihrer Meinung nach die Uhrenindustrie?
Ich kann zwar nicht für die gesamte Branche sprechen, aber Hamilton wächst eindeutig. Unser Preissegment ist hart und einige Konkurrenten leiden oder haben den Markt verlassen, was uns erlaubt, Marktanteile zu gewinnen. Wir stellen fest, dass eine Nachfrage nach Uhren mit einer wahren Geschichte besteht, und das passt perfekt zu uns und unserem authentischen Erbe.

Wie schätzen Sie das Entwicklungspotenzial von Hamilton ein, insbesondere auf dem österreichischen Markt?
Wir haben einen qualitativen Vertrieb in Österreich und planen, diesen auszubauen, um unsere Sichtbarkeit auf dem Markt zu erhöhen. Der Markt wächst und die Zahlen sind sehr positiv. Wir haben erst diesen Sommer unsere E-Commerce-Plattform eröffnet und werden an den Möglichkeiten des Online-Shoppings arbeiten.

2022 war zweifelsohne ein großes Jahr für Hamilton: 130-jähriges Jubiläum und 90 Jahre seit der Erstaufführung im Kino. Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten Jahre gesetzt?
In der Uhrenindustrie sind 130 Jahre noch jung, dementsprechend haben wir noch viel vor. Wir haben ikonische Uhren in unseren Kollektionen und in der Vergangenheit. Eines unserer Ziele ist, mit charakterstarken Uhren die Ikonen für die nächsten 130 Jahre zu kreieren. Wir haben auch wichtige Ziele in Bezug auf den Vertrieb, sei es online oder im Geschäft. Daher werden wir in den kommenden Jahren mit spannenden Neuigkeiten über unsere wichtigsten Säulen Luftfahrt, Kino und Videospiel kommunizieren. Getreu unserem amerikanischen Geist: Alles ist möglich!

Vielen Dank für das Interview!

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