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„Alle stehen hinter uns!“

Die 38 Mitarbeiter des 5 Täler hagebaumarkts in Nüziders haben 134 Urlaubstage sowie eine hohe finanzielle Summe gespendet, damit ihr Arbeitskollege Jürgen (45) nach dem Verlust seines vierjährigen Sohnes Zeit mit seiner Frau und dem noch ungeborenen Sohn Patrick verbringen und den Schicksalsschlag verarbeiten kann.
Die 38 Mitarbeiter des 5 Täler hagebaumarkts in Nüziders haben 134 Urlaubstage sowie eine hohe finanzielle Summe gespendet, damit ihr Arbeitskollege Jürgen (45) nach dem Verlust seines vierjährigen Sohnes Zeit mit seiner Frau und dem noch ungeborenen Sohn Patrick verbringen und den Schicksalsschlag verarbeiten kann. ©W&W
Mehr als Nächstenliebe: 134 Urlaubstage spendeten die Angestellten des 5 Täler hagebaumarkts in Nüziders ihrem Arbeitskollegen Jürgen. Sein kleiner Sohn Nikolai (4) starb an einer seltenen Stoffwechselkrankheit aufgrund eines Gendefekts. W&W hat mit den vom Schicksal getroffenen Eltern aus Thüringen gesprochen, die jeden Tag mit den Tränen und der Trauer kämpfen.

„Unser Sohn Nikolai war immer gesund, bis zum 28. Februar, als er plötzlich einen lebensbedrohlichen epileptischen Anfall erlitt, den die Ärzte kaum stoppen konnten. Sie versetzten ihn in einen künstlichen Tiefschlaf. Trotz des schweren Anfalls kämpfte er sich zurück und wachte ganz langsam auf“, erzählt Mama Karin (37). Die Hoffnung flackerte bei der jungen Familie auf, obwohl man lange Zeit nicht wusste, was die Ursache für Nikolais Krankheit war. Als sich sein Zustand wieder verschlechterte, musste er in eine Kinderklinik nach München verlegt werden. Der berufstätige Papa wollte seinem kranken Kind und seiner Ehefrau in dieser schwierigen Situation beistehen. „Ich hatte oft Angst um meinen Job, aber das was wir durchgemacht haben, kann man nur zu zweit schaffen. Ich bin bei der Arbeit auf Nadeln gesessen, wollte wissen, was mit meinem Sohn los ist und konnte kaum schlafen“, erzählt der 45-Jährige.

Große Unterstützung

Nachdem die Familie sehr offen mit ihrem Schicksal umgegangen ist, wurde auch Jürgens Vorgesetzter Michael Visintainer informiert. Er sah, wie sein Mitarbeiter litt und machte sich Gedanken, wie man ihn unterstützen könnte: „Nachdem die Situation noch eine andere und die Hoffnung da war, wollten wir Jürgen in dieser schweren Zeit unterstützen. Von Mitarbeitern wird viel verlangt, aber wenn sie Hilfe brauchen, sollte man ihnen als Unternehmen auch etwas zurück geben.“ Visintainer recherchierte und entdeckte ein Modell aus Frankreich, bei dem Mitarbeiter ihre Urlaubstage spenden. Das war auch hier eine gute Option. „Ich redete mit meinen hagebaumarkt-Arbeitskollegen und dachte mir, dass ein paar sicher mitmachen. Dass es dann aber alle 38 waren, hat mich schlichtweg überwältigt“, so der stellvertretende Marktleiter.

Dank an alle

Überwältigt waren auch Karin und Jürgen, als sie von der Aktion erfahren haben. „Im ersten Moment war ich nur perplex, ich wusste nicht, was ich sagen oder tun sollte und uns beiden kamen die Tränen. Dieses Gefühl war unbeschreiblich – dass man heutzutage so viel Unterstützung bekommt und die Arbeitskollegen so hinter mir und meiner Familie stehen, ist unglaublich“, berichtet Jürgen immer noch fassungslos. Auch die hochschwangere Karin möchte sich bei allen herzlich bedanken: „Die Anteilnahme, das Mitgefühl und die Unterstützung von allen Seiten war und ist so groß. Man würde nie damit rechnen und man weiß nicht, wie man jemals das alles in irgend­einer Form zurück geben kann. Aber alle stehen hinter uns, die Hilfe ist einfach da. Nicht nur Jürgens Mitarbeiter haben uns geholfen, auch das Val Blu-Team, bei dem ich vor der Karenz gearbeitet habe, hat uns mit einem finanziellen Beitrag unglaublich unterstützt.“ Erst drei Tage vor Nikolais Tod war die Diagnose seines Krankheitsbilds klar. Nach dem wochenlangen Hoffen und Bangen, wussten die besorgten Eltern, dass sie ihren kleinen Schatz nun loslassen mussten. „Wir haben das Glück gehabt, dass wir uns von unserem Sohn verabschieden konnten. Auch wenn er nicht mehr geantwortet hat, zeigte er mit einem Händedruck und Blinzeln seine Emotionen. Aber es gab nichts mehr zu kämpfen, das ‚Monster‘ war stärker: ‚Du darfst gehen, nur diesmal ohne Mami und Papa‘“, erzählt Jürgen mit Tränen in den Augen. Freud und Leid liegen sehr nah beieinander, denn das zweite Kind von Karin und Jürgen kommt dieser Tage zur Welt. „Wir dachten immer, dass wir zu viert wären, aber nun müssen wir damit leben. Unser ungeborene Sohn Patrick wird Nikolai nicht ersetzen, er ist eine individuelle Persönlichkeit und soll die selben Chancen bekommen. Nikolai hat besondere Spuren hinterlassen und wir waren bis zum Schluss an seiner Seite“, so die 37-Jährige. Die große Unterstützung ihrer Mitmenschen werden Karin und Jürgen weiterhin emotional tragen und ihnen die nötige Kraft geben.

„Ich bin stolz auf das große Herz unserer Mitarbeiter“

Michael Visintainer, stellvertretender Baumarktleiter 5 Täler: „Als sich die Situation bei Nikolai, Jürgens Sohn, verschlechtert hat, suchten wir nach einer Lösung, dass er bei ihm und seiner Frau sein kann. Ich fragte unsere Mitarbeiter, ob sie bereit wären, Urlaubstage für Jürgen zu spenden. Von rund zehn bin ich ausgegangen, dann waren aber schlussendlich alle 38 Mitarbeiter mit dabei. So sind 134 Urlaubstage zusammen gekommen. Ich bin stolz auf das große Herz unserer Mitarbeiter und überwältigt von so viel Unterstützung.“

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