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Alkoholismus: „Gerade jungen Mädchen fällt es oft nicht auf“

In der Frauengruppe der Suchtfachstelle Caritas können sich Betroffene austauschen.
In der Frauengruppe der Suchtfachstelle Caritas können sich Betroffene austauschen. ©MiK
Im Rahmen des Weltfrauentages besuchte WANN & WO die einzige Frauengruppe der Suchtfachstelle Caritas Vorarlbergs.

Die Suchtthematik beschäftigt die Gesellschaft und ist in dieser auch tief verankert. Alkohol gilt als die Volksdroge Nummer eins. Aus diesem Grund verfolgen das Land und verschiedene Institutionen diverse Maßnahmen, um der Alkoholsucht entgegenzuwirken. Zu einer dieser Maßnahmen gehört unter anderem auch die (einzige) Frauengruppe, in welcher ehemalige Alkoholiker­innen unter professioneller Anleitung von Bettina Stefanelli-Dittinger nachbetreut werden.

Einfacher Zugang

„Die Frauengruppe findet alle zwei Wochen statt. Um an ihr teilzunehmen, benötigt es keiner bestimmten Formalitäten. Ein Anruf genügt oder man schaut einfach vorbei. Die Frauengruppe dient als Motivationseinheit mit einer klaren Abstinenzorientierung“, so Stefanelli-Dittinger. „Es gibt einen großen Unterschied zu den Männern, denn unter Frauen werden Probleme anders und auch offener angesprochen. Dabei handelt es sich oft um Beziehungen, Missbrauch, Familiäres oder traumatische Erfahrungen. Ein großes Thema ist und bleibt die Abgrenzung zu Alkohol und das Nein sagen“, so die Gruppenleiterin.

Geschützter Raum

Tanja*, 53, war stark alkoholabhängig, bis sie sich zur Therapie auf der Maria Ebene entschied. Mittlerweile nimmt sie seit fünf Jahren das Angebot der Caritas in Anspruch. „Ich war schwere Alkoholikerin. Irgendwann ging es dann nicht mehr und ich entschied mich für die Therapie. Die Frauengruppe schätze ich sehr, da man hier einfach sein darf, wie man ist. Man profitiert von den Erfahrungen der anderen und kann sich gegenseitig unterstützen. Man stärkt sich und gibt sich Kraft“, erzählt Tanja. „Meine Familie war für mich besonders wichtig, denn wir haben immer offen über mein Problem gesprochen – mit meinem Mann und meinen Kindern“, fügt die 53-Jährige hinzu.

Wann ist man abhängig?

Tanja meint, dass viele Frauen heimlich trinken. Die Erfahrung von Stefanelli-Dittinger ist etwas differenzierter: „Das erste Indiz für eine Sucht ist, wenn man die Menge nicht mehr kontrollieren kann und man sehr häufig trinkt. Es macht zudem einen Unterschied ob man eine Problem- oder Gesellschaftstrinkerin ist.“

Probleme auch bei Mädchen

Abschließend mahnt die Expertin, lädt aber auch ein: „Gerade jungen Mädchen fällt es oft nicht auf, wenn sie sich bereits in dieser Spirale befinden. Unsere Frauengruppe ist für alle offen und bietet jeder Frau Hilfe und Unterstützung. Wir schätzen jede neue Klientin, die sich ihrer Sucht stellt und an der Frauengruppe teilnimmt.“

* Name und Alter von der Redaktion geändert

Infos

Projektorientierte Suchtarbeit und Beratung der Caritas

Kontakt:
Bettina Stefanelli-Dittinger
Kolumbanstraße 9
6900 Bregenz

Telefon: 0676 884 20 3015
E-Mail: bettina.stefanelli@caritas.at

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