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Ali Babacan als Außenminister

Der kometenhafte Aufstieg des türkischen Politikers Ali Babacan geht weiter. Mit seinen 40 Jahren gilt Babacan als Favorit für die Nachfolge von Außenminister Abdullah Gül.

Babacan hat bisher schon zwei der wichtigsten politischen Ämter in der Türkei inne: Er ist Wirtschaftsminister und Verhandlungsführer seines Landes bei den EU-Beitrittsgesprächen. Mit einem neuerlichen Karrieresprung würde er seinen Ruf als Shooting Star der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan untermauern.

Der aus der türkischen Hauptstadt stammende und in den USA ausgebildete Babacan gehörte 2001 zu den Gründungsmitgliedern von Erdogans Regierungspartei AKP. Nach dem Wahlsieg der AKP vor knapp viereinhalb Jahren wurde der 1967 geborene Betriebswirt auf Anhieb Wirtschaftsminister. Seine Ernennung war damals ein wichtiges Signal an Anleger und Märkte: Babacan war das moderne Gesicht einer Partei, die bei vielen Beobachtern in der Türkei und im Ausland wegen ihrer Wurzeln im politischen Islam misstrauisch beobachtet wurde.

Babacans perfektes Englisch – bei Spitzenpolitikern in Ankara längst nicht die Regel – trug zu seinem Image als moderner Macher bei. Seine Frau Zeynep trägt zwar das islamische Kopftuch, gehört aber zu jener Riege der AKP-Politikergattinnen, die darauf achten, islamische Bekleidungsvorschriften mit modischem Schick zu verbinden. Das Bekenntnis zum Kopftuch verbindet sie mit der Frau des bisherigen Amtsinhabers, Hayrünissa Gül.

Als Wirtschaftsminister ließ Babacan das vom Internationalen Währungsfonds nach der Wirtschaftskrise von 2001 durchgesetzte Reformprogramm unangetastet. Die Früchte waren ein starkes Wirtschaftswachstum, sinkende Inflation und Staatsverschuldung und eine spürbare Zunahme ausländischer Direktinvestitionen in der Türkei.

Während es in der Wirtschaftspolitik zwischenzeitlich wie von selbst lief, galt Babacan durch das Amt des EU-Verhandlungsführers lange Zeit als überfordert. Der Jungstar hatte offensichtlich Mühe, sich auf dem Feld der Europapolitik gegen die AKP-Granden Erdogan und Gül zu behaupten. Zwischenzeitlich war von Babacan europapolitisch so wenig zu sehen, dass er zum ersten Mal in seiner Karriere mit negativen Schlagzeilen über sich selbst konfrontiert wurde.

Dann avancierte er Mitte vergangenen Jahres aber zu einem eifrigen Verkäufer der Marke Türkei in Europa. Fast unablässig reiste Babacan durch die EU-Staaten, um die Positionen der Türkei zu erläutern. Auf den Bildschirmen in der Türkei ist Babacan seither präsenter als je zuvor. Nachdem die EU die Türkei-Verhandlungen wegen der Zypern-Politik Ankaras im Dezember teilweise auf Eis gelegt hatte, konnte Babacan Ende März mit der Eröffnung des zweiten von insgesamt 35 Verhandlungskapiteln auftrumpfen. Die türkischen Zeitungen gehen davon aus, dass er das Amt als Chef-Unterhändler bei den EU-Beitrittsfragen auch künftig behalten wird.

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