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AKW Paks: Offiziell „schwerer Zwischenfall“

Der Zwischenfall wurde auf Stufe 3 der INES-Skala eingereiht. Bei einer Inspektion war der Zustand der Brennstäbe signifikant schlechter als erwartet.

Der Gas-Austritt im ungarischen AKW Paks ist nun offiziell mit Stufe 3 auf der siebenstufigen internationalen INES-Skala für „nukleare Ereignisse“ kategorisiert worden, berichtete die Agentur NucNet heute, Mittwoch. Demnach handelte es sich bei der Emission von radioaktivem Gas bei Wartungsarbeiten um einen „schweren Zwischenfall“. Die Bedeutung der Angelegenheit war vom AKW zunächst nur mit Stufe 2 („Zwischenfall“) angegeben worden, musste nun aber erhöht werden.

Das radioaktive Gas war in der Nacht auf 11. April bei der Zwischenlagerung von Brennstäben in einem Reinigungsbehälter ausgetreten. „Als Konsequenz der durchgeführten technischen Maßnahmen wurde der Austritt (des Gases, Anm.) unter das erlaubte Limit reduziert“, hieß es knapp in der offiziellen INES-Beschreibung des Zwischenfalls. Was schlüssig bedeutet: Zuvor lag das Emissionsniveau über den Grenzwerten.

Nach Angaben der ungarische Atomaufsichtsbehörde (HAEA) und des Staatlichen Koordinationskomitees wurde am 16. April der Deckel des Reinigungsbehälters geöffnet, um eine Videokamera für eine Inspektion einzubringen. Resultat dieser „Besichtigung“: „Der Zustand der Brennstäbe war signifikant schlechter als erwartet. Die meisten der Brennstäbe (wenn nicht alle) sind deformiert, und die Hüllen sind offen.“

Dennoch wird in dem offiziellen Statement betont: „Es gibt keinen Anstieg von (radioaktiven, Anm.) Emissionen in die Atmosphäre, und ein koordiniertes Programm für umweltrelevante Messungen wurde gestartet. Es gibt keinen messbarer Anstieg der Strahlendosis für die Bevölkerung. Im Moment gibt es keine Notwendigkeit irgendwelcher Gegenmaßnahmen.“

Das Kürzel INES steht für „International Nuclear Event Scale“. Sie umfasst sieben Stufen von Ereignissen, eine achte (Stufe null) wurde für jene Fälle vorgesehen, in denen keinerlei Gefährdung der Sicherheit vorliegt. INES unterscheidet „Zwischenfälle“ (Stufen eins bis drei) und „Unfälle“ (Stufen vier bis sieben). Die Skala wurde von der IAEO gemeinsam mit der OECD erstellt und im April 1990 in Kraft gesetzt.

Stufe 3 bedeutet: „Schwerer Zwischenfall“ – Austritt von Radioaktivität, der über den von den Behörden festgesetzten Grenzen liegt. Außerhalb des Reaktors sind keine Maßnahmen notwendig. Weitere Fehler im Sicherheitssystem könnten zu einem Unfall führen. Beispiele: Vandellos (Spanien) 1989, Sosnowibor/St. Petersburg (Russland) 1992.

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