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AK Vorarlberg untersuchte die "Leistungen" der Kundenkarten

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Feldkirch - Die AK Vorarlberg hat die Leistungen und Bedingungen der Kundenkarten von Vorarlberger Geschäften und einigen nationalen und internationalen Ketten verglichen.

Erste Auffälligkeit: Was da wie dort fast immer fehlt, sind klare Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB). Die zweite: Von Übersichtlichkeit der einzelnen Kundenbindungsprogramme kann selten die Rede sein. So verspricht beispielsweise die “Supercard” eines Schuhgeschäfts bei jedem Einkauf drei Prozent und fünf Prozent ab einem Einkauf von 215 Euro. Das aber nur bei Bar- oder Bankomatzahlung, beim Bezahlen mit Kreditkarte gibt es nur 1,5 bzw. 2,5 Prozent, und für Aktionsware gibt es gar nichts. Die Anrechnung solcher Einkäufe erfolgt außerdem halbjährlich. Wer nachrechnet: Wen eine spätere Preisreduktion von 6 Euro lockt, muss vorher bereits 200 Euro in bar hinterlassen haben.

Immerhin – bei Libro müssen Sie sogar 2500 Euro ausgegeben haben, um eine Rückvergütung von fünf Prozent zu erhalten. Der Warengutschein ist dann gerade einmal fünf Monate lang einlösbar …

Kartenspielchen

Für derartige Minimalangebote kehren immer mehr Konsumenten ihr Innerstes nach außen. Angaben, die man oft nicht einmal den Nachbarn machen würde, werden freizügig an Unbekannte weitergegeben. Auf der einen Seite sammelt sich bei den Händlern, erst recht wenn sie bundesweit vertreten sind, eine Unmenge an Daten an. Nicht nur die Namen, Adressen und Geburtsdaten, sondern vor allem über deren Kaufgewohnheiten. Miteinander verknüpft, lassen sich damit gezielte Marketing- und Werbegeschütze auf die Kunden abfeuern. Auf dass sie wiederkommen und das Kartenspiel in Schwung bleibt. Und es funktioniert: Untersuchungen haben gezeigt, dass seit dem Besitz einer Kundenkarte ein Viertel häufiger beim jeweiligen Unternehmen einkauft als zuvor.

Gläserner Mensch

Unter den von der AK Vorarlberg untersuchten Geschäften gaben alle an, die gesammelten Daten nicht an Dritte weiterzugeben. “Theoretisch wäre das erlaubt”, erklärt Mag. Paul Rusching vom AK-Konsumentenschutz, “durch die Verknüpfung verschiedener Datenquellen lässt sich ein Bild eines Menschen erstellen, das tief in dessen Privatsphäre gehen kann. Was paranoid klingt, ist nicht unrealistisch: Zum einen ist die Datenverarbeitung oft an externe Firmen ausgegliedert, was die Gefahr von Datenmissbrauch erhöht. Zum anderen ist das österreichische Datenschutzgesetz äußerst datenhandelsfreundlich.”

Datenspeicher

Das Unternehmen, das hinter der Karte steht, muss dem Besitzer auf Anfrage bekannt geben, „welche Daten über ihn gespeichert sind“, erklärt Rusching eine weitere Problematik, „aber nicht, wie sie interpretiert werden, also wie der Kunde vom Unternehmen eingestuft wird“. Auch die Chance der personifizierten Werbung zu entgehen, ist eingeschränkt. Mit einer Kundenkarte stimmt man in der Regel zu. Wer das nicht will, bekommt unter Umständen gar keine Kundenkarte ausgehändigt.

Umsonst ist der Tod

Kundenkarten werden meist gratis, aber keinesfalls „umsonst“ ausgegeben. Die Kunden bezahlen die „Rabattaktionen“ über allgemein höhere Preise und durch die Preisgabe ihrer persönlichen Daten. Für die Unternehmen sind personenbezogene Daten eine wertvolle Ressource: Sie ersparen sich kostspielige Marktforschung und verkaufen die freizügig gelieferten Personeninformationen zum Teil um viel Geld weiter.

Seriöse Kundenbindung

• Seriöse Kundenbindungsprogramme kommen mit einem Minimum an persönlichen Angaben aus, etwa Name und Adresse.

• Noch besser ist, wenn überhaupt auf eine Personalisierung verzichtet wird.

• Auch die altbewährten Treuemarken sind eine sichere, empfehlenswerte Alternative.

• Klar festgelegte Rabatte ohne Mindesumsätze und „Mitgliedsgebühr“.

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