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Airbus-Erstflug läutet neue Luftfahrt-Ära ein

Mit einem makellosen Jungfernflug des A380 hat Airbus am Mittwoch eine neue Ära der zivilen Luftfahrt eingeläutet. Die Testmaschine selbst wird nie kommerziell fliegen.   | Stichwort: Airbus

Der erfolgreiche fast vierstündige Testflug gibt dem europäischen Flugzeugbauer Schub im harten Wettkampf mit Boeing auf dem Markt für Maschinen mit 450 bis 950 Sitzen. „Die europäische Luftfahrt kann stolz sein“, sagte Airbus-Chef Noel Forgeard. Der Jungfernflug des größten Passagierflugzeugs aller Zeiten sei ein „kollektiver Erfolg der 50.000 Mitarbeiter.“

Unter dem Beifall tausender Schaulustiger hob der A380 um 10.29 Uhr in Toulouse ab. Auch bei der perfekten Landung um 14.22 Uhr brandete Applaus auf. Bereits seit Tagen hatten viele Zaungäste nahe der Flugwerft übernachtet, um das Ereignis nicht zu verpassen. Zeitweise herrschte Volksfeststimmung. „Die Beschleunigung des Flugzeugs und die Steuerung sind exakt so wie auf dem Simulator“, meldete Testpilot Jacques Rosay. Die Maschine mit knapp 80 Metern Spannweite, die in der Standardversion 555 Passagiere über 15.000 Kilometer befördern soll und in der Charterklasse 853 Plätze bietet, habe ihre Stabilität auch im automatischen Flug behalten.

Airbus will über die nächsten 40 Jahre rund 150 Mrd. Euro mit dem A380 einnehmen. 2006 soll der erste A380 den Liniendienst für Singapore Airlines aufnehmen, der erste Frachter soll 2008 fliegen. Mit Aufträgen für 127 Passagiermaschinen und 27 Frachter liegt Airbus bisher im Plan. Als schwerer Schlag gegen Boeing wird dabei gewertet, dass China Southern den A380 rechtzeitig für die Olympischen Spiele 2008 in China bestellt hat und die US-Frachtflieger UPS und FedEx den A380 zum Rückgrat ihrer Flotte machen wollen.

Der Jungfernflug des A380 erfolgte exakt zum ersten Jahrestag des Programmstarts des 787 „Dreamliner“, mit dem Boeing die Europäer wieder überrunden will. Der US-Konzern setzte den „Nervenkrieg“ mit Airbus am Mittwoch mit der Mitteilung fort, es lägen bereits 217 Bestellungen und Optionen für den 787 vor. Forgeard konterte mit dem Hinweis, der Jungfernflug des A380 habe bewiesen, dass der Super-Airbus drei Dezibel leiser sei als Boeings 747. Außerdem soll der A380 um 17 Prozent niedrigere Betriebskosten haben.

Weil das A380-Testflugzeug keine Innenausstattung hat, war es extra mit Wasser als Ballast auf 421 Tonnen „angespeckt“ worden. Zudem waren 20 Tonnen Rechner an Bord, die ständig über Satellit Mess- und Flugdaten von 6.000 Parametern zur Auswertung an die Bodenstation sendeten. In der Maschine wurden die beiden Testpiloten von vier Flugingenieuren unterstützt. Alle hatten Fallschirme dabei. Aus Sicherheitsgründen wurde das Fahrwerk erst in 3.000 Metern Höhe nach 100 Kilometer Flug eingefahren. Die Piloten prüften zudem die Beschleunigung und das Einfahren der Landeklappen.

Vor der Zulassung durch die Luftfahrtämter will Airbus insgesamt fünf Maschinen in 2.500 Flugstunden testen. Die heute gestartete Maschine bleibt als einzige ihr gesamtes Leben lang für Versuche reserviert. Zum Jahresende wird eine mit Mitarbeitern besetzte A380 auf Flügen rund um den Globus die Strecken- und Flughafentauglichkeit erproben. Schon seit Mai 2004 ist der erste A380 fertig. Die Maschine wird jedoch nie abheben. Bei 47.500 virtuellen Flügen wird das Flugzeug zwei Jahre lang am Boden starken Belastungen ausgesetzt, die einem Einsatz von 25 Jahren entsprechen.

Der A380 ist nicht der erste „revolutionäre Vogel“, der in Toulouse flügge wurde. Vor 50 Jahren – am 27. Mai 1955 – hob hier erstmals die Caravelle ab, mit der Frankreich nach dem Krieg in das zivile Luftfahrtgeschäft zurückkehrte. Auf der Piste, von der der A380 abhob, startete am 2. März 1969 das erste Überschall-Verkehrsflugzeug Concorde zu einem 29-minütigen Testflug. Auch der allererste Airbus, ein A300, setzte am 28. Oktober 1972 in Toulouse zu seinem Erstflug an.

Rund 10,7 Mrd. Euro hat die Entwicklung des Flugzeugs mit zwei Passagierdecks und einem Gepäckdeck bisher gekostet. Ein Drittel wurde von Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien als Kredit vorgeschossen. Die Entscheidung für eine zweite Frachtversion und höhere Lärmschutzanforderungen trieben die Kosten um 1,45 Mrd. nach oben. Je nach Version kostet der A380 nach Liste 263 Mio. bis 286 Mio. Dollar (bis 221 Mio. Euro). Airbus gehört zu 80 Prozent dem europäischen Flugtechnikkonzern EADS, an dem DaimlerChrysler zu gut 30 Prozent beteiligt ist, und zu 20 Prozent BAE Systems.

Der neue Airbus A380 hat auch hunderte Bauteile von zehn österreichischen Unternehmen eingebaut. Heimische Unternehmen kamen etwa bei der Verkleidung der Landeklappenträger zum Einsatz. Zu den beteiligten Austro-Unternehmen gehören FACC-Fischer Advanced Composite Components AG, AMAG Rolling, HTP, TTTech, Böhler Schmiedetechnik, Wild Austria, Isovolta, MCE, Test-Fuchs und Hitzinger.

Stichwort: Airbus

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