Aids: Neuinfektionen im Steigen

Aids in Österreich: Die Zahl der Neuerkrankungen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken, ebenso die der Todesfälle. Der Frauenanteil in Voralrberg ist sehr hoch.

Doch auf der anderen Seite ist in jüngster Vergangenheit die Rate der Neuinfektionen mit HIV wieder in die Höhe geschnellt.

Insgesamt sind bis zum Stichtag 5. Juli in Österreich 2.484 Personen an Aids erkrankt. Davon sind bisher 1.427 gestorben. 1993 wurde mit 236 Neuerkrankungen und 175 Todesfällen durch Aids offenbar der Zenit überschritten. Die durch die Kombination verschiedener Aids-Medikamente – vor allem von HIV-Polymerase- und HIV-Protease-Hemmstoffen – erzielte positive Entwicklung lässt sich einfach aus den Daten des Jahres 2005 ablesen: Vergangenes Jahr wurde 53 Mal die Erstdiagnose Aids gestellt (2004: 67), es gab 14 Opfer (2004: acht). Bei den wenigen Todesfällen sind oberflächlich betrachtet größere Schwankungen immer wahrscheinlich.

Insgesamt konnte in Österreich die Todesrate von Aids-Patienten in den vergangenen Jahren um 80 bis 90 Prozent reduziert werden. 1995 lag sie bei 50 Fällen pro 100 Patientenjahren, im Jahr 2003 bei fünf pro 100 Patientenjahren. Mit einer wenig erfreulichen Nachricht trat Ende November vergangenen Jahres die Österreichische Aids-Gesellschaft an die Öffentlichkeit: Die Zahl der Neuinfektionen steigt nämlich nicht nur in den Problemregionen Afrika und Osteuropa, sondern auch in Österreich. Auffallend dabei ist, dass in mehr als 40 Prozent der Fälle heterosexuelle Kontakte die Ursache für eine Infektion mit dem HI-Virus sind.

Rund 6.000 Menschen leben derzeit in Österreich mit dem Virus. Neuinfektionen betreffen aber längst nicht mehr die „klassischen“ Risikogruppen (Drogenabhängige, Homosexuelle). „Vor allem das Risiko, sich bei heterosexuellen Kontakten zu infizieren, hat deutlich zugenommen“, berichtete Brigitte Schmied, Präsidentin der Österreichischen Aids-Gesellschaft.

Laut einem präsentierten Bericht haben sich 41,9 Prozent über heterosexuelle Kontakte infiziert (1998 waren es 27 Prozent), 28,6 Prozent über homosexuelle Kontakte und 20,5 Prozent über intravenösen Drogenkonsum. Weltweit sind bereits 90 Prozent aller Neuinfektionen auf heterosexuelles Risikoverhalten zurückzuführen. Davon besonders betroffen sind Frauen – auch in Österreich.

Vor der Gefahr einer zu späten Diagnose warnte in jüngster Vergangenheit Armin Rieger, Leiter der HIV-Ambulanz im AKH Wien. 50 Prozent der der Ansteckungen mit dem Virus finden bereits in der Frühphase der Infektion statt. Dennoch werden Erstsymptome (grippale Infekte, geschwollene Lymphknoten, offene Stellen im Mund) oft übersehen oder nicht ernst genommen.

Die Fakten dazu: 30 Prozent der HIV-Infizierten erfahren in Österreich von ihrer Infektion erst sehr spät. Rund 15 Prozent haben bei der Diagnose bereits Aids. 30 bis 50 Prozent der infizierten Frauen erfahren davon erst bei der Schwangerschaft. Dabei ist Österreich mit 86 HIV-Tests pro 1.000 Einwohner und Jahr zumindest „Europameister“, was die Untersuchungen angeht.

Das durchschnittliche Alter der Betroffenen liegt in Österreich bei 41,77 Jahren. Sechs Prozent der HIV-Positiven sind bereits älter als 60. Der Anteil der Frauen beträgt 30,7 Prozent. Am höchsten ist er in Oberösterreich (39,7 Prozent), gefolgt von Vorarlberg (37,1 Prozent) und Tirol (35,4 Prozent). 41 Prozent haben die HIV-Infektion über heterosexuellen und 29,4 Prozent über homosexuellen Geschlechtsverkehr sowie 20,2 Prozent über die Injektion von Drogen bekommen.

Der Erfolg der modernen Kombinationstherapien ist aber ebenso evident. Aids-Spezialist Rieger: „Zwei Drittel aller Patienten sind in Österreich in Behandlung. Bei 85 Prozent gelingt es, die Zahl der Viren unter die Nachweisgrenze zu drücken.“ Das ist die beste Voraussetzung für eine Lebenserwartung wie bei einem HIV-Negativen. Allerdings ist dazu ist eine 95-prozentige Adhärenz zu der verschriebenen Therapie notwendig. Andernfalls entstehen Resistenzen – die Infektion wird schlechter behandelbar, das weitere Übertragungsrisiko steigt.

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