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Ärzte bei Protesten gegen Lukaschenko festgenommen

Die Polizei in Weißrussland (Belarus) hat bei Protesten von Ärzten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko Dutzende Menschen festgenommen. Die Mediziner hatten am Samstag bei einer nicht genehmigten Aktion gegen Lukaschenko demonstriert. Das Menschenrechtszentrum Wesna listete auf seiner Internetseite "spring96.org" 65 Namen von Festgenommenen auf, die meisten von ihnen medizinisches Personal. Bei Protesten von Frauen gegen Lukaschenko gab es ebenfalls mehrere Festnahmen.

Die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja lobte in ihrem Exil in der EU die Aktion der Ärzte als friedlich und mutig. Sie warf den Behörden vor, mit der Festnahme von medizinischem Personal in der Corona-Pandemie die Gesundheit der Menschen zu gefährden. Wegen Streiks und Protesten waren Ärzte auch entlassen worden. Lukaschenko opfere das Leben der Menschen, um sich selbst an der Macht zu halten, sagte Tichanowskaja. An diesem Sonntag werden bei neuen Protesten in Minsk wieder Zehntausende Menschen erwartet.

Einmal mehr warf Tichanowskaja den Behörden auch vor, das wahre Ausmaß der Coronavirus-Krise zu verheimlichen. Offiziell wurden am Samstag 997 Neuinfektionen und 3 Todesfälle gemeldet. Insgesamt sollen seit Beginn der Pandemie 105.283 Menschen infiziert worden sein. Die Zahl der Toten wurde mit 1.004 angegeben.

Der 66-jährige Lukaschenko zeigte sich an dem Feiertag am Samstag in bester Stimmung und eröffnete in Ostrowez das erste Atomkraftwerk (AKW) des Landes, das vom EU-Nachbarn Litauen als Gefahr für die Region kritisiert wird. Tichanowskaja kritisierte, dass Lukaschenko das AKW ohne Zustimmung der Bevölkerung habe bauen lassen. Zudem wurde in Minsk die dritte Metrolinie mit mehreren Stationen in Betrieb genommen.

Lukaschenko versprach den Bürgern eine blühende Zukunft - am 7. November wird in dem Land wie zu Sowjetzeiten der Sieg der Sozialistischen Oktoberrevolution von 1917 gefeiert. Erstmals vermied es Lukaschenko dabei, seinen Landsleuten zur Revolution zu gratulieren - wohl mit Blick auf den Aufstand gegen ihn im eigenen Land, wie das Portal "tut.by" bemerkte.

In Weißrussland kommt es seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 9. August immer wieder zu Protesten gegen Lukaschenko. Er hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen nach 26 Jahren an der Macht erneut zum Sieger erklären lassen. Die Opposition sieht dagegen Tichanowskaja als wahre Gewinnerin an. Der Machtapparat geht immer wieder brutal gegen friedliche Demonstranten vor. Es gab mehrere Tote, Hunderte Verletzte und Tausende Festnahmen.

(APA/dpa)

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