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Vom Spätstarter zum Weltmeister

©WAKO Austria
Der Harder Kickboxer Fabian Verschnig hat es geschafft: Zwei Jahre nach seinem internationalen Durchbruch holt der 28-Jährige im ADNEC Center von Abu Dhabi WM-Gold im Pointfighting +94 kg. Ein Triumph, der nicht nur sportlich, sondern auch emotional alles überstrahlt.

Vor zwei Jahren war er der Jäger, jetzt ist er der Gejagte und der Beste der Welt. Fabian Verschnig hat sich bei der Kickbox-Weltmeisterschaft im ADNEC Center von Abu Dhabi den Titel im Pointfighting +94 kg gesichert. Der Harder, der als amtierender Europameister und Weltranglistenerster ins Turnier gestartet war, lieferte sich im Finale ein hochklassiges Duell mit dem Italiener Gabriele Olivia, eine Neuauflage des EM-Endkampfs aus dem Vorjahr.

Der Harder (Mitte) setzte sich in einem engen Finalkampf mit 8:6 gegen den Italiener Gabriele Olivia durch. ©WAKO Austria

"Ich habe nie aufgegeben"

Nach einem intensiven Schlagabtausch setzte sich Verschnig knapp, aber verdient mit 8:6 durch. Schon beim Warm-up habe er gespürt, dass "heute alles passen könnte", erzählt der 28-Jährige. Trotzdem blieb sein Team die ganze Woche über bewusst fokussiert: "Wir sind von Kampf zu Kampf gegangen, weil sonst zu viel schiefgehen kann. Aber im Finale war das Gefühl einfach da."

Als der letzte Punkt fiel, war der Jubel groß, doch der volle Umfang seines Triumphs werde erst später zu ihm durchdringen. "Da war sofort der Gedanke an den 13-jährigen Jungen, der spät mit dem Kickboxen begonnen hat und anfangs nur verloren hat. Der sich aber nie aufgegeben und weitergemacht hat. Dass ich es jetzt geschafft habe, macht mich stolz."

Nachdem der Titel feststand, ließ Verschnig seinen Emotionen freien Lauf. ©WAKO Austria

Die gesamte WM-Woche beschreibt Verschnig als "intensiv, fordernd und energiegeladen". Abu Dhabi präsentierte eine Veranstaltung der Superlative: Liveübertragungen im nationalen TV, Kameras an jeder Ecke, eine spektakuläre Eröffnungsfeier samt Kampfjets. "Es wurde wirklich an nichts gespart. Genauso eine Aufmerksamkeit sollte unser Sport immer bekommen."

Sportliche Krönung

Der Weltmeistertitel bedeute für ihn nicht nur die Fortsetzung seines erfolgreichen Weges, sondern stelle sportlich alles Bisherige in den Schatten. "Ich war vor dem Finale richtig nervös. Wenn du als Europameister so etwas spürst, weißt du, wie groß dieser Moment ist."

Emotional sei der EM-Titel im Vorjahr vielleicht noch einen Tick stärker gewesen, weil es der erste große Triumph war. "Sportlich aber steht der WM-Sieg klar darüber. Das ist die absolute Krönung und zeigt, dass sich die harte Arbeit ausgezahlt hat."

Die Ziele gehen nicht aus

Einen entscheidenden Anteil an seinem Erfolg schreibt Verschnig seinem Umfeld zu. An erster Stelle steht sein Vater: "Er war bei meinem allerersten Turnier dabei und ist heute noch oft mit auf der World Tour. Er ist meine mentale Stütze, sieht immer das Positive. Bei mir passiert viel im Kopf, da braucht es jemanden, der einen erdet." Und obwohl Verschnig nun EM-Gold und WM-Gold 2025 in seiner Vita stehen hat, gehen ihm die Ziele nicht aus: "Nein, sicher nicht. Ich will im kommenden Jahr beide Titel verteidigen. Und vielleicht starte ich irgendwann in einer neuen Gewichtsklasse."

Bevor es aber wieder intensiv wird, steht etwas ganz anderes am Programm: eine Pause. "Zwei Wochen ohne Matte, länger halte ich eh nicht aus", lacht der frischgebackene Weltmeister.

(VOL.AT)

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