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8000 Kinder erleiden daheim massiv Gewalt

Bregenz - Vorarlberger Kinderdorf: Jeder zehnte Vorarlberger Minderjährige wird zuhause geprügelt.

Das Vorarlberger Kinderdorf fordert neue und vor allem früher ansetzende Hilfen für Kinder und Jugendliche. Denn von den rund 82.000 Minderjährigen im Land leben derzeit 25.000 in „belasteten Familien“. Geschäftsführer Christoph Hackspiel zählt Faktoren wie Armut, Migration und Scheidung auf. „Diese Familien sind mit der Bewältigung ihres Alltags zunehmend überfordert.“ Das Wohl der Kinder sei latent in Gefahr. Bei jenen 8000 Kindern und Jugendlichen, die in Vorarlberger Familien massiver Gewalt ausgesetzt sind, wäre ein Eingreifen dringend nötig. Das Kinderdorf setzt künftig auf möglichst frühe Hilfestellungen. 70 werdende Eltern und Familien mit kleinen Kindern werden im Augenblick von aks und Kinderdorf begleitet. LR Greti Schmid unterstützt die Forderung nach Ausbau der frühen Hilfen, die vor allem unkompliziert erfolgen.

Kindeswohl viel früher schützen

Institutionen wie das Vorarlberger Kinderdorf sind ein Gradmesser für die Brüchigkeit der Gesellschaft. Der jüngste Befund bestätigt seit Jahrzehnten fortschreitende Erosionen.

Beängstigende Entwicklung

„Vor 30 Jahren haben 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 50 Kinder betreut.“ Heute haben 200 Fachkräfte alle Hände voll zu tun, um 2000 Kinder und deren Familien im Lot zu halten. Und Geschäftsführer Christoph Hackspiel beziffert das Potenzial krisengefährdeter Verhältnisse beängstigend hoch: „30 Prozent der Kinder in Vorarlberg leben in belasteten Familien.“ Weil sie arm sind, vernachlässigt, ihre Eltern getrennt leben oder krank sind, weil Freundschaftsnetze fehlen und die Wohnsituation jeder Beschreibung spottet. Dass Familien zunehmend überfordert sind und das Wohl ihrer Kinder gefährdet ist, beweise die wachsende Zahl an Meldungen bei der Jugendwohlfahrt. Nach dem tragischen Fall des kleinen Cain, der zu Tode misshandelt wurde, sind die Meldungen explodiert. „Freilich“, gibt Hackspiel zu bedenken, „ist da manchmal auch Denunziantentum dabei.“ Wenn etwa der Lärm spielender Kinder angezeigt wird, schiene es geratener, den Beschwerdeführer zu betreuen.

Gewalt an 8000 Kindern

Das Kinderdorf registrierte zuletzt eine 20-prozentige Steigerung der Anfragen und geht aufgrund von Befragungen davon aus, dass geschätzte 8000 Kinder und Jugendliche zu Hause massive Formen von Gewalt erleben. 8000 Kinder und Jugendliche, das entspricht der gesamten Wohnbevölkerung von Wolfurt. 2010 zählte Vorarlberg laut Statistik Austria 82.463 Minderjährige. Jeder zehnte wird demnach massiv misshandelt. Ein kleines Indiz für die wachsenden Probleme liefert die Auffanggruppe des Kinderdorfes. „Sie wurde für bis zu sieben Kinder konzipiert, im vergangenen Jahre haben wir 20 Kinder aufgenommen“, so Hackspiel.

Wirtschaftlicher Schaden

Die Experten versuchen, so früh wie möglich anzusetzen, auch weil der gesellschaftliche Schaden bei jedem Menschen, der ausbildungslos auf Sozialhilfe angewiesen ein Leben lang weder Steuern noch Versicherunsgbeiträge leistet, vom Rechnungshof auf zwei Millionen Euro taxiert wird. So betreuen der Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin aks und das Vorarlberger Kinderdorf seit 1. Jänner landesweit 70 werdende Eltern und Familien mit Kleinkindern. Ärzte und Hebammen stellten den Kontakt zwischen den belasteten Familien und dem Netzwerk Familie her. „Diese Familien wünschen sich fast zu 100 Prozent Unterstützung“, betont Hackspiel. Der Kinderschutz-Beauftragten Annelie Kremmel-Bohle zufolge werden die Familien „ein bis zwei Jahre lang begleitet“. Das Vorarlberger Kinderdorf selber eröffnet im Herbst eine neue Kinderwohngruppe. Auch das Präventionsprogramm des Familienempowerment wird ausgebaut. Im Internat Jagdberg und seinen Exposituren mühen sich derzeit 50 Kinder darum, den Pflichtschulabschluss nachzuholen. Auch hier steigen die Anfragen stetig an. „Dass ein Viertel der Kinder hierzulande nicht sinnerfassend lesen kann“, ist in den Augen von Anneli Kremmel-Bohle „schlichtweg eine Katastrophe“. Aber auch wenn die personelle Ausstattung der Jugendwohlfahrt noch heuer entscheidend erweitert werden sollte, bleibt es ein Trugschluss, dass eine Behörde all diese Probleme in den Griff bekommen könnte. „Wir stehen“, sagt Hackspiel, „auch vor der Schwierigkeit, dass die Lösung von Problemen zunehmend delegiert wird. Dabei geht das Kindeswohl alle an.“ 

AUFFANGGRUPPE

Krisenstation des Vorarlberger Kinderdorfes, Zahl der zugewiesenen Kinder nach Bezirken:
Jugendwohlfahrt Dornbirn       28
Jugendwohlfahrt Bregenz        26
Jugendwohlfahrt Feldkirch         6
Jugendwohlfahrt Bludenz           3

FAMILIENDIENST

Die Nachfrage beim ambulanten Familiendienst steigt stetig an. Betreute Familien: 2008 341 2009 353 2010 375

(VN)

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