6,18 Prozent für NEOS in Scheffknecht in Lustenau

Strolz: "Schaut gut aus".
Strolz: "Schaut gut aus". ©VOL.AT/Steurer
13,1 und 14,9 Prozent haben die NEOS bei der Nationalratswahl im Vorjahr und bei der EU-Wahl heuer in Vorarlberg geschafft. Auch die Umfragen für die Vorarlberg-Wahl verhießen teils noch zweistellige Ergebnisse. Davon blieben sie mit 6,86 Prozent bei der heutigen Landtagswahl (vorl. Endergebnis) aber weit entfernt.
Nur 12,6% in Strolz-Gemeinde

Offensichtlich ist es für neue Parteien nicht leicht, sich in den Landtagen zu etablieren – wie man vor 20 Jahren schon beim LIF sah. Dabei hatten die NEOS in Vorarlberg gute Voraussetzungen, ist es doch das Heimatland ihres populären Bundeschefs Matthias Strolz. Und die Vorarlberger wollten der ÖVP keine absolute Macht mehr geben.

Davon profitierten aber nicht nur die NEOS, die es auf immerhin fast sieben Prozent schafften, sondern auch die Grünen, die um fast so viel (6,50 Prozentpunkte auf 17,08 Prozent) zulegen konnten.

Und so ziehen die NEOS – die eigentlich als Anwärter für bessere Ränge galten – als fünftstärkste Partei hinter ÖVP, FPÖ, Grünen und SPÖ in ihren ersten Landtag ein, mit nur zwei und damit zu wenig Mandataren für die Klubstärke. Aber doch “sehr zufrieden”, weil mit ihnen erstmals seit 30 Jahren eine neue Kraft in den Landtag kommt und die ÖVP-Absolute gefallen ist.

Schwach in Lustenau

In Lustenau, der Heimatgemeinde von NEOS-Spitzenkandidatin Sabine Scheffknecht, erzielten die Pinken bei der Vorarlberger Landtagswahl 2014 nur 6,18 Prozent der abgegebenen Stimmen. Gegenüber der Nationalratswahl vergangenen Herbst (13,59 Prozent) und der EU-Wahl im Frühjahr (14,65 Prozent) ist das ein Rückschritt um mehr als die Hälfte.

Bereits in der Heimatgemeinde von Bundespartei-Chef Matthias Strolz in Dalaas blieben die NEOS weit hinter den Ergebnissen der beiden letzten Bundeswahlen. Sie erreichten in der Klostertaler Gemeinde einen Stimmenanteil von 12,6 Prozent (zum Vergleich: Nationalratswahl 39,9 Prozent, EU-Wahl 24,6 Prozent). Nach Auszählung von 59 der 96 Gemeinden erreichten die NEOS 6,28 Prozent der Stimmen.

NEOS zeigen sich zufrieden

Bei den NEOS hat man sich am Sonntag angesichts erster Trends bei der Vorarlberg-Wahl zufrieden gezeigt. Ohne NEOS wäre die ÖVP-Absolute im Landtag nicht gefallen, sagte der Vorarlberger NEOS-Nationalratsabgeordnete Gerald Loacker zur APA. “Schaut gut aus”, twitterte auch Parteichef Matthias Strolz.

Loacker und auch Bundesgeschäftsführer Feri Thierry betonten, dass mit den NEOS erstmals seit den Grünen vor 30 Jahren wieder eine neue Kraft in den Landtag einziehe. Dass man gegenüber der Nationalrats- und der EU-Wahl vermutlich schlechter abschneide “entspricht unseren Erwartungen”, so Loacker.

NEOS-Chef Matthias Strolz zeigte sich schon vor der ersten Hochrechnung positiv gestimmt. “Schaut gut aus: Wahlziel Absolute brechen erreicht. Einzug fix. Rest in Auszählung. Zufrieden”, twitterte er.

Trotz des verpassten Klubstatus sind die NEOS mit ihrem ersten Abschneiden bei einer Landtagswahl “sehr zufrieden”, wie Spitzenkandidatin Sabine Scheffknecht bei ihrem Eintreffen im Landhaus kundtat. Bundesparteichef Matthias Strolz hält es für “eigentlich epochal”, dass erstmals seit 30 Jahren eine neue Kraft in den Landtag einzieht.

Scheffknecht verwies darauf, dass zwei der drei Ziele der NEOS erreicht worden seien. Der Einzug sei geschafft und die “Absolute” der ÖVP dahin. Die acht Prozent, mit denen der Klubstatus verbunden gewesen wäre, seien eben “sehr hoch” gesteckt gewesen.

Keine Verwunderung

Dass man an die Ergebnisse zuletzt bei der EU-Wahl und der Nationalratswahl nicht herangekommen ist, finden die NEOS-Spitzen nicht verwunderlich. Landeshauptmann Markus Wallner sei eben ein anderer Gegner als es das Duo Werner Faymann (SPÖ) und Michael Spindelegger (ÖVP) im Bund gewesen sei, meinte Strolz, der auch auf die dichte Organisationsstruktur der ÖVP bis in die kleinsten Gemeinden verwies.

Immerhin sei es gelungen, gleich beim ersten Antreten bei einer Landtagswahl den Einzug ins Landesparlament zu schaffen, argumentierte der NEOS-Chef: “Wir kommen Schritt für Schritt.” So werde man auch im kommenden Jahr bei allen Landtagswahlen kandidieren.

Scheffknecht kommt mit pinkem Auge davon

Sabine Scheffknecht ist gerade noch einmal davongekommen. Zwar liegt das Ergebnis der NEOS beim Erstantritt in ihrem Kern-Bundesland Vorarlberg unter den eigenen Erwartungen. Aber immerhin kann sich die insgesamt sehr unsichere Spitzenkandidatin damit trösten, erstmals seit Jahrzehnten wieder eine neue Liste in den Landtag geführt zu haben.

Ihr erster Wahlkampf verlief für Quereinsteigerin Scheffknecht zäh. Die NEOS verspürten Gegenwind vor allem seitens der ÖVP, die von den Erfolgen der Pinken bei Nationalrats- und EU-Wahl vorgewarnt war. Das Image der Wasser- und Illwerke-Privatisierer ließ sich den ganzen Wahlkampf nicht abschütteln.

Spitzenkandidatin wirkte überfordert

Dazu kam, dass die unerfahrene Scheffknecht in den diversen Elefanten-Runden vier Spitzenkandidaten gegenübersaß, die das politische Geschäft schon seit vielen Jahren betreiben und verstehen. Teils wirkte die Mutter von zwei Kleinkindern, die unter anderem als Event-Managerin und Controllerin beruflich tätig war, in den Konfrontationen schlicht überfordert.

Die NEOS versuchten das Beste daraus zu machen und positionierten ihre Frontfrau in der Schlussphase des Wahlkampfs als Frau aus der Mitte der Gesellschaft, die beim traditionellen Schlechtmachen zwischen den Parteien nicht mitmachen wolle und könne – was auch deutlich besser zu ihrem Charakter passte als eine besonders angriffige Positionierung.

Als Person ist Scheffknecht durchaus als bürgerlich zu bezeichnen, nicht zufällig kam sie zum Wahllokal mit Familie direkt vom Kirchgang. Dass sie bei den NEOS anheuerte anstatt sich bei der Volkspartei zu engagieren, begründete die studierte Betriebswirtin vor allem mit der Familienpolitik, wo der Wunsch nach Wahlfreiheit ihr Credo der vergangenen Monate war.

Politisch unbeschrieben

Auf der politischen Bühne ist die Tochter eines Bodenseefischers mit Wohnsitz Lustenau bis vergangenen Herbst ein ziemlich unbeschriebenes Blatt gewesen. Erst im November 2013 stieg sie bei den Vorarlberger NEOS ein, wurde hinter Chris Alge rasch zur stv. Landessprecherin und im März schließlich zur Parteichefin gewählt. Von da zur Spitzenkandidatin war es nicht weit, die in sie gesetzten Hoffnungen konnte die von ihrem Vorgänger auch noch medial gequälte Scheffknecht dann aber nicht erfüllen. Das Erreichen des Wahlziels von drei Mandaten bzw. Klubstärke erwies sich als unmöglich, wohl nicht zuletzt angesichts eines eher mäßigen Debüt-Wahlkampfs der Listenersten.

Zur Person:

Sabine Scheffknecht, Jahrgang 1978, geboren in Bregenz, aufgewachsen in Höchst, wohnhaft in Lustenau. Verheiratet und Mutter von zwei Kindern, studierte Betriebswirtin. Beruflich unter anderem als Eventmanagerin und Controllerin tätig. Seit 2013 für die NEOS tätig. Seit März 2014 Landessprecherin.

(APA)

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