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"Die Tiertransporte sind eine enorme Qual für die Kälber"

Wie der VgT berichtet, könnte es grobe Gesetzesverstöße beim Transport von Kälbern ins Ausland geben.
Wie der VgT berichtet, könnte es grobe Gesetzesverstöße beim Transport von Kälbern ins Ausland geben. ©VgT
W&W und VgT wurde Material zugespielt, das grobe Gesetzesverstöße bei Kälbertransporten von Vorarlberg ins Ausland belegen könnte.
Bilder der Kälbertransporte

Dem Verein gegen Tierfabriken liegt brisantes Foto- und Video-Material im Zusammenhang mit Tiertransporten aus Vorarlberg vor. Insgesamt haben die Tierschützer daher vorläufig elf Anzeigen wegen des Verdachts auf Übertretung von Tierschutzverordnungen der EU eingebracht. Die Anzeigen betreffen sieben Personen, darunter auch Züchter, Händler und Transporteure aus Vorarlberg.

„Erschreckende Szenen“

Beim Sichten der zugespielten Materialien boten sich den Tierschützern teilweise besorgniserregende Bilder. Tobias Giesinger vom VgT erklärt: „Speziell die Videos und Bilder aus einer Sammelstelle in Schwarzach zeigen erschreckende Szenen. Bei der Verladung werden die verängstigten Tiere an den empfindlichen Schwänzen und Ohren gezerrt und hochgehoben. Sie werden von Anhängern gestoßen und getreten. Dies sind keine Einzelfälle, sondern sie stellen die gängige Praxis dar – insgesamt 148 Anzeigepunkte gegen den Sammelstellenbetreiber, Tiertransportfahrer und Viehhändler wurden vom VgT an die Behörden übergeben. Auch die Verwendung von nicht-rutschfesten Rampen, auf denen die Tiere stürzen, oder der  Transport von Kälbern in einem VW-Bus  wurde zur Anzeige gebracht“, führt er aus.

„Komplett wertlos“

Die Gründe für die Transporte von jungen Milchkühen ins Ausland sind rasch erklärt: „Da die männlichen Kälber für die Milchwirtschaft nutzlos sind, werden sie verkauft. Ihr Marktwert liegt jedoch nur bei 50 bis 80 Euro. Wiegt ein Kalb weniger als 60 Kilogramm ist es komplett wertlos und wird, wenn noch Platz auf dem Transporter ist, gratis mitgenommen.“

Lukratives Geschäft

„Ziele dieser Transporte sind Länder wie Italien, Spanien und Polen die sich auf die Mast dieser Kälber spezialisiert haben“, erklärt Giesinger weiter. „Alleine Italien importiert jährlich etwa 1,5 Millionen Jungbullen aus der ganzen EU. Der Umstand, dass die Haltung in diesen Ländern weniger strengen Auflagen unterliegt macht das Geschäft noch lukrativer.“

„Von Muttermilch abhängig“

Der Verein gegen Tierfabriken prangert jedoch nicht nur den Umgang beim Verladen der Tiere an: „Selbst wenn die Transportfahrzeuge den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen würden und die Behandlung der Tiere in den Sammelstellen korrekt wäre, sind Langstrecken-Transporte von nicht entwöhnten Kälbern nicht tiergerecht durchführbar“, ist Tobias Giesinger überzeugt. „Da die Kälber oft nur wenige Wochen alt und noch von der Muttermilch abhängig sind, können sie während der Transportzeit nicht ausreichend versorgt werden. Das ist nicht nur eine enorme Qual für die Tiere, sondern verstößt auch gegen die geltende EU-Tiertransportverordnung.“ Die brisanten Foto- und Video-Unterlagen wurden vor wenigen Tagen an die Bezirkshauptmannschaften in Bregenz und Dornbirn sowie zuständige Behörden in anderen Bundesländern übergeben.

 

3 Fragen an Landesveterinär Dr. Norbert Greber:

  1. Wie lauten die Gesetze bei Tiertransporten?„Wichtig ist, dass im Umgang mit den Tieren beim Be- und Entladen auch die Vorschriften des Tierschutzgesetzes zu beachten sind. Demzufolge darf also auch im Zusammenhang mit Tiertransporten niemand einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“
  2. Wie und von wem wird das kontrolliert?„Auf der Straße ausschließlich durch die Polizei, allenfalls unter Beiziehung eines Amtstierarztes. Beim Abgang eines Transportes ins Ausland ist ein Amtstierarzt vor Ort, womit die Kontrolle gewährleistet ist. Das darf auch im Vorhinein passieren, aber allgemein terminisiert man sein Erscheinen auf den Beginn des Transportes, damit man sich auch ein Bild vom Transportfahrzeug (gereinigt und desinfiziert, frisch eingestreut) und von der Verladepraxis machen kann.“
  3. Was können Sie zum aktuellen Fall sagen?„Das ist aus Gründen der Amtsverschwiegenheit leider nicht möglich. Zu einem laufenden Verfahren kann und darf es keine Aussagen von Bediensteten der Behörden geben, da sonst der Vorwurf einer Einflussnahme oder von Voreingenommenheit entstehen könnte.“

Update:
Der Schwarzacher Landwirt und Unternehmer Bernd Bechter verwehrt sich gegen den Eindruck, dass sein Betrieb mit den Vorwürfen in Verbindung steht. Er führe einen ausgezeichneten Vorzeigebetrieb und habe mit den kritisierten Praktiken nichts zu tun. Bei den gezeigten Aufnahmen der an seinen Hof direkt angrenzenden Sammelstelle war sein Betrieb zu sehen. Dabei konnte der Eindruck entstehen, dass es sich bei seinem Betrieb um die Sammelstelle selbst handelt.  

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