5. – 7. August: "4 Tage noch – wir freuen uns!"

Peter Mayrs letzte Woche ist angebrochen und bist zu seinem Ziel in Rom sind es nur noch wenige Tage. Und je näher er dem Ziel kommt, desto mehr kann er seine Pilgerreise genießen.

05. August 2014                                                 TAG 49

Strecke: Acquapendente – San Lorenzo Nuovo – Bolsena

Streckenlänge: 24,5 Kilometer                        Gehzeit: 5h38min

Aufstieg: 359 m                        Abstieg: 417 m

Auch Lazio ist schön! Wir starteten heute um 05:29 Uhr unseren Weg nach Bolsena. Wir erlebten einen wunderbaren ersten Sonnenaufgang in dieser Region. Der Weg führte uns weg von der Via Cassia, es ging auf einem Schotterweg entlang von Kartoffel- und Maisfeldern. Auch heute sahen wir am frühen Morgen wieder ein paar Wildschweine. Kein Wunder, dass diese Tiere hier eine Spezialität sind. Die Landwirte waren schon fleißig am Arbeiten, die Kartoffelernte war im vollen Gang. Nach gut 2 ½ Stunden Gehzeit erreichten wir den Ort San Lorenzo Nuovo. Wir kehrten in einer kleinen Bar ein, wo wir eine gemütliche Rast machten. Kurz hinter diesem Ort gibt es zwei Wegalternativen. Der eine Weg führt auf der Schnellstraße dahin. Der zweite Weg ist ein bisschen länger, geht aber abseits auf Schotterstraßen in Richtung Bolsena. Wir wählten wieder einmal den längeren Weg. Es ging auf einem Feldweg abwärts in Richtung Lago di Bolsena. Nach ungefähr 15 Gehminuten kamen wir zu einer Weggabelung. Leider war der Weg nicht mehr markiert. Wir wählten den linken Weg, aber kurz darauf war die nächste unmarkierte Weggabelung. Wir berieten uns kurz und beschlossen zurück zu gehen. Es machte keinen Sinn, auf „Gut Glück“ weiter zu gehen. Als wir 5 Minuten bergauf zurückgegangen waren, kam uns ein Pilger entgegen. Er stellte sich als Gigi aus Italien vor. Er fragte uns, warum wir zurück gingen. Ich erklärte ihm die Situation. Er sagte mir, dass es aber hier aber richtig wäre, er habe ein GPS Gerät dabei. Er meinte, wenn wir Lust hätten, können wir ihm nachmarschieren, was wir natürlich gerne taten. So waren wir rasch wieder am richtigen Pfad. Der weitere Weg nach Bolsena war wunderschön. Es ging auf einer Schotterpiste einem Höhenweg entlang. Zu unserer rechten Hand lag der Lago die Bolsena. Dieser See ist vulkanischen Ursprungs. Der Vulkan ist seit 600.000 Jahren aktiv, vor rund 2.100 Jahren brach er das letzte Mal aus. Nach gut 3 Stunden Gehzeit erreichten wir den netten Ort Bolsena. Natürlich merkt man sofort, dass dieser Ort an einem See liegt. Sehr viel Touristen säumten die engen Gassen, fast überall hörte man deutsche Laute. Wir besuchten zuerst die Basilika der Heiligen Christina. Zwei von der Kirche anerkannte Wunder sollen sich hier in Bolsena ereignet haben. Das eine geht auf das Jahr 304 nach Christi zurück, das Wunder der Heiligen Christina. Das zweite Wunder geht auf das Jahr 1263 zurück, das Blutwunder. Bei der heiligen Messe tropfte aus dem Brot Blut. Vier Steine, die vom Blut befleckt wurden, sind hier unterhalb eines Altarbildes aufbewahrt.
Anschließend gingen Antonia und ich in eine Pizzeria. Wir bestellten uns den berühmten Wein dieser Region „EST EST EST“ und Pizza. Heute Nachmittag steht Ausruhen auf dem Programm. Unsere Herberge liegt direkt am See, es sollte uns daher nicht allzu schwer fallen.

amfruehenMorgen
amfruehenMorgen

Am frühen Morgen.

derDomvonAcquapendente
derDomvonAcquapendente

Der Dom von Acquapendente.

dieKartoffelnwerdeneingeholt
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Die Kartoffeln werden eingeholt.

GigibrachteunswiederaufdenrichtigenWeg
GigibrachteunswiederaufdenrichtigenWeg

Gigi brachte uns wieder auf den richtigen Weg.

 

06. August 2014                                                 TAG 50

Strecke: Bolsena – Montefiascone

Streckenlänge: 19 Kilometer                        Gehzeit: 4h57min

Aufstieg: 610 m                        Abstieg: 330 m

Am 50. Pilgertag war auch ich zum ersten Mal leider mit Fußproblemen konfrontiert. Aber von Anfang an. Antonia und ich genossen gestern unsere Luxusherberge am Lago die Bolsena. Es tat gut, am See mal einfach abzuhängen. Trotz dessen ging ich wieder früh schlafen. Auch wenn unsere Etappen jetzt kürzer sind, gehe ich immer noch gerne morgens früh los. Es ist einfach nicht so heiß, und man kann fast jeden Tag die Tiere gut beobachten.
So brachen wir heute bereits um 05:20 auf. Wir hatten auch heute wieder das Glück, dass eine Bar bereits geöffnet hatte. So konnten wir einen guten italienischen Espresso genießen. Danach ging es auf einem wunderschönen Wanderweg aufwärts in Richtung Montefiascone. Wir hatten zumeist einen traumhaften Ausblick auf den Lago di Bolsena. Der Lago die Bolsena ist Europas größter Vulkansee. Nach gut 7 Kilometer führte uns der Weg bergab. Und hier hatte ich auf einmal ein Problem mit dem rechten Bein. Als hätte man einen Lichtschalter angeknipst hatte ich auf einmal einen stechenden Schmerz in meiner rechten Hüfte. Dieser Schmerz strahlte von der Hüfte über den Oberschenkel bis runter in das Knie. Ich blieb stehen, machte ein paar Dehnübungen mit dem rechten Bein. Leider verbesserte sich der Zustand nicht. Nach weiteren fünf Minuten versuchte ich weiter zu gehen. Von Gehen war aber keine Rede, es war ein besseres Humpeln. Irgendwie komisch, tage-, ja, wochenlang bin ich jetzt marschiert, und es war noch nie ein Anzeichen für irgendein Wehwehchen da. Es half nichts, nach 10 Minuten musste ich erneut stehen bleiben. Ich suchte in meinem Rucksack nach einer Schmerztablette, die ich vorsorglich immer dabei habe. Danach schnallte ich mir den Rucksack wieder um, packte meine Teleskopstöcke aus, und humpelte weiter. Nach gut einer Stunde verbesserte sich mein Zustand. Ich weiß nicht, ob es an der Schmerztablette lag, oder es nur eine Kurzattacke war. Ich bin wirklich froh, dass wir heute und morgen jeweils nur eine Kurzetappe haben. Übermorgen haben wir unsere letzte Bergetappe, die sollte ich doch noch einigermaßen überstehen. Der Weg selbst war weiterhin wunderschön. Wir passierten heute insgesamt 3 Stellen, wo sich ein Schild befand, dass es ab hier nur mehr 100 Kilometer bis Rom wären. Alle drei Schilder sind jedoch falsch. Durch die ständigen Routenverschiebungen werden wir in Wirklichkeit erst morgen zu dieser Stelle kommen. Da aber ist kein Schild!
Gegen 11:00 Uhr erreichten wir Montefiascone. Wir besuchten zuerst den Dom, welcher der drittgrößte in Italien ist. Danach besichtigten wir „La Rocca die Papa“, die Burg der Päpste. Die Burg wurde so um das Jahr 1000 erbaut. Hierher flüchteten immer die Päpste, wenn es in Rom gefährlich wurde. Papst Leo X. mochte diesen Ort besonders gerne. Er verbrachte hier immer seine Sommermonate.
Nach diesem Kulturprogramm gingen Antonia und ich essen. Morgen geht es für uns nach Viterbo. Ich hoffe, mein rechter Fuß macht mit!

100kmzumersten
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Eines der 100-Kilometer-Schilder.

AntoniaamBeerenpflücken
AntoniaamBeerenpflücken

Antonia beim Beerenpflücken.

derLagodiBolsenaamfruehengestrigenAbend
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Der Lago di Bolsena am frühen Abend.

dieBurgderpäpste
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Die Burg der Päpste.

esistnichtmehrweit
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Es ist nicht mehr weit.

wunderschoenerAusblickaufdenLagodiBolsena
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Wunderschöner Ausblick auf den Lago di Bolsena.

 

07. August 2014 TAG 51

Strecke: Montefiascone – Viterbo

Streckenlänge: 19,3 Kilometer                        Gehzeit: 4h29min

Aufstieg: 145 m                        Abstieg: 410 m

Leider hatte heute am frühen Morgen keine Bar geöffnet. So mussten wir ohne Kaffee unsere Etappe nach Viterbo antreten. Da es heute zumeist bergab ging, rechnete ich mit einer Gehzeit von rund 4 ½ Stunden. Da muss auch ohne Kaffee gehen. Es ging zuerst mal wieder hoch zur Burg der Päpste. Wir hatten auch heute Morgen eine traumhafte Aussicht. Das Wetter ist momentan einfach traumhaft, der Himmel war wolkenlos am Morgen. Der Weg ging danach steil bergab in Richtung Viterbo. Wir konnten schon von unserem Startpunkt unseren Zielort sehen. Das Gute heute war, dass ich die Schmerzen in meinem rechten Fuß kaum spürte. Schon am späteren Abend war mehr oder weniger alles in Ordnung gewesen. Nur die Achillessehne spürte ich leicht. Heute beim Gehen war auch da noch ein leichtes Ziehen spürbar, das aber nicht der Rede wert war. So konnte auch ich den Weg genießen, der landschaftlich wirklich wunderschön war. Ich hatte zuvor ein paar Bücher über die Via Francigena gelesen. Überall hieß es wie oft man auf der Straße und gerade in Lazio gehen muss. Aber das stimmt absolut nicht. Wenn man gerne den ursprünglichen Weg geht, der zwar ein paar Mehrkilometer bedeutet, ist man zumeist weg von den Fernstraßen. Auch hier in Lazio! Ich denke, gerade beim Pilgern geht es ja nicht um die kürzeste Strecke von A nach B, sondern um sich die Zeit zu geben von A nach B. Jedenfalls genossen Antonia und ich diese Etappe in vollen Zügen. Es gab dennoch einen kleinen Wehrmutstropfen. Wir kamen kurz vor Viterbo zu den Thermalbecken der Bacucco Quelle. Das Thermalwasser sprudelt hier mit einer Temperatur von gut 60° C an die Oberfläche. Das Wasser soll sehr gut gegen Knochenschmerzen sein. Laut Pilgerführer sollten diese Becken frei zugänglich sein. Leider ist das heutzutage nicht mehr möglich, oder zumindest nicht für Touristen. Ich hatte das Gefühl, dass man von uns nur Eintritt kassieren wollte. Da für uns der „Badespaß“ nicht im Vordergrund stand gingen wir weiter. So erreichten wir nach knapp 4 Stunden den Ortsbeginn von Viterbo. In der ersten Bar machten wir eine Pause. Danach zogen wir weiter in Richtung Altstadt. Wir besichtigten die Sehenswürdigkeiten von Viterbo, darunter natürlich auch die Kathedrale Di Lorenzo. Der Dom von Viterbo wurde auf der Ruine eines römischen Herkulestempels erbaut. Eindrucksvoll war auch der Papstpalast. Hier residierten insgesamt 8 Päpste. Das längste Konklave der Geschichte fand hier statt, es dauerte insgesamt fast 3 Jahre. Danach fanden Antonia und ich ein nettes Restaurant. Nachdem wir feine italienischer Pasta gespeist hatten bezogen wir unsere Herberge. Für heute Nachmittag steht wieder Ruhen im Vordergrund. Morgen haben wir unsere letzte größere Bergetappe vor uns. 4 Tage noch – wir freuen uns!

amPapstpalast
amPapstpalast

Beim Papstpalast.

deralteBaum
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Der alte Baum.

diePortaFiorentinainViterbo
diePortaFiorentinainViterbo

Die Porta Fiorentina in Viterbo.

hiermussmaneinfachPastaessen
hiermussmaneinfachPastaessen

Hier muss man einfach Pasta essen :-)

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