AA

UNO-Menschenrechtskommissar sieht "bedenkliche" Lage im Iran

Protestwelle begann im September
Protestwelle begann im September ©APA/AFP
Der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, hat die Lage im Iran angesichts wachsender Gewalt als kritisch bezeichnet. In den vergangenen zwei Monaten seien bei den regierungskritischen Demonstrationen über 300 Menschen ums Leben gekommen, teilte das Büro Türks am Dienstag in Genf mit. "Die ansteigende Zahl der Toten im Iran, darunter am Wochenende auch Kinder, sowie die härtere Gangart der Sicherheitskräfte unterstreichen, dass die Lage im Land bedenklich ist."

Unter den 300 Toten sind dem Büro des Hochkommissars zufolge mehr als 40 Kinder. Aus 25 der 31 iranischen Provinzen sei über Tote berichtet worden. "Wir rufen die Behörden auf, auf die Forderungen der Menschen nach Gleichberechtigung, Würde und Rechten einzugehen, anstatt die Proteste mit unnötiger oder unverhältnismäßiger Gewalt zu unterdrücken", forderte der Hochkommissar.

Am Donnerstag findet zur Lage im Iran auf Antrag von Deutschland und Island eine Sondersitzung des UNO-Menschenrechtsrats in Genf statt. Die Länder haben eine Resolution eingereicht, in der die Einrichtung einer Kommission zur näheren Untersuchung der Lage gefordert wird. Darüber sollen die 47 Mitgliedsländer des Rates abstimmen.

Nach Informationen des UNO-Menschenrechtsbüros ist die Präsenz der Sicherheitskräfte in kurdischen Städten in den vergangenen Tagen deutlich erhöht worden. In der vergangenen Woche seien in kurdischen Städten mehr als 40 Menschen umgekommen, hieß es. Das Büro prangert auch an, dass die Behörden offenbar die Freigabe von Leichen von Getöteten an Bedingungen knüpfen. Familien werden nach diesen Angaben aufgefordert, nicht mit Pressevertretern zu sprechen oder die Todesgründe zu verschleiern. "Wir erinnern die iranischen Behörden daran, dass sie nach den internationalem Menschenrechten verpflichtet sind, das Recht auf friedliche Versammlung und das Recht auf freie Meinungsäußerung zu achten und zu gewährleisten", teilte das Büro mit.

Unter den Festgenommenen der Proteste sind nach Angaben der iranischen Justiz auch 40 Ausländer. Das berichtete das staatliche Fernsehen am Dienstag unter Berufung auf den Sprecher des Justizwesens der Islamischen Republik, Massoud Setayeshi. Mit dieser Mitteilung soll offenbar die Darstellung des Regimes gestützt werden, wonach die Proteste vom Ausland gesteuert sind.

Die Proteste wurden vom Tod der 22-jährigen Mahsa Amini Mitte September in Polizeigewahrsam ausgelöst. Die Kurdin war von der sogenannten Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie unangemessen gekleidet gewesen sein soll. Inzwischen haben sich die Proteste zur größten Herausforderungen für die Führung des Landes seit 1979 ausgewachsen. Damals wurde im Zuge der Islamischen Revolution der Schah gestürzt, und die Islamischen Republik wurde ausgerufen.

Die Protestwelle erreichte auch die Fußball-WM in Katar, wo die iranische Nationalmannschaft am Montag ihr erstes Gruppenspiel gegen England absolvierte. Während iranische Fans ihre Solidarität mit den Protesten ausdrückten, taten dies die Nationalspieler, indem sie beim Abspielen der iranischen Hymne still blieben. Der iranische Staatssender unterbrach deswegen die Live-Übertragung bei der Hymne.

(APA/Reuters/dpa)

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Politik
  • UNO-Menschenrechtskommissar sieht "bedenkliche" Lage im Iran
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen