27 Jahre Offene Jugendarbeit in Dornbirn

In der OJAD können die Jugendlichen ihre Potenziale entfalten. Laura und Julia (vl) mögen auch die Arbeit im Stall.
In der OJAD können die Jugendlichen ihre Potenziale entfalten. Laura und Julia (vl) mögen auch die Arbeit im Stall. ©Edith Rhomberg
Martin Hagen ließ die OJAD auf ihre Wirkung und das Potential durchleuchten und prüfen.
OJAD Stall
Jugendliche über die OJAD

 

Dornbirn. Viele Jugendliche verstehen die Botschaft des schwedischen Mädchens mit den Zöpfen. Sie tun es ihr gleich und demonstrieren für ihre Zukunft. Es gibt allerdings junge Menschen, die das nicht tun, noch nicht. Bevor sie sich mit Klimazielen und ähnlichem näher befassen, müssen sie erst einmal ihre eigenen Ziele definieren. So wie Julia Schreiber, die, als scheinbar nichts mehr ging, zur Offenen Jugendarbeit Dornbirn kam. Vor dem voll besetzten Sitzungssaal des Dornbirner Rathauses erzählte sie neulich ihre Geschichte. „Ich ging nicht mehr in die Schule und bin nur noch daheim rumgelegen. Man sagte mir, ich müsse was tun, etwas, das mir gut tut. Da habe ich im Internet recherchiert und Arbeitsprojekte gesucht. Bei der OJAD, wo ich mich willkommen fühlte und freundlich aufgenommen wurde, blieb ich hängen“, so die 19–Jährige. Im Jugendzentrum VISMUT und den Werkstätten Job Ahoi hatte sie das Gefühl, so akzeptiert zu werden, wie sie ist. Am Standort Schlachthausstraße half sie in der Bootswerkstatt unter fachlicher Anleitung mit, ein Schiffswrack zu restaurieren und in ein seetüchtiges Juwel zu verwandeln. So, oder so ähnlich kann das auch bei Menschen funktionieren, wenn man daran arbeitet, dachte sich Julia im Herbst letzten Jahres, als es wieder aufwärts ging für sie. „In unserem Stall entdeckte ich meinen guten Draht zu Tieren. Wir füttern sie, geben ihnen Wasser und misten aus. Mit dem Minischweinchen Weni mache ich ein Klicker-Training. Ich bringe ihr Tricks bei, und wenn sie etwas gut macht, wird sie mit einem Leckerli belohnt“. Was Julia dabei am besten gefalle, wollte Simon Burtscher-Mathis, der zuvor das Ergebnis seiner Analyse über die Arbeit der OJAD präsentiert hatte, von ihr wissen. „Das Tier reflektiert viel von dem, was ich preisgebe und diese Beziehungsarbeit ist wichtig für mich“, erklärte sie lächelnd. Mit ihrer persönlichen Geschichte traten auch Julian Gorbach (Job Ahoi), Fabio Egger (3. Lehrjahr) und Amro Alchach (2. Lehrjahr) vor das Publikum und erzählten, wie ihnen die OJAD geholfen hat, ihren Weg zu finden und in der Berufsausbildung selbstsicher Fuß zu fassen.

Die Arbeit der OJAD wird analysiert

Den Namen „ZusammenLeben in Dornbirn“ trägt das Leitbild der fast 50000 Einwohner zählenden Stadt mit ihren Menschen aus über 115 Nationen. Dieses neue Leitbild für ein gutes Zusammenleben in Vielfalt wurde von Simon Burtscher-Mathis erstellt und im Dezember 2017 vorgestellt. Das war der Impuls für Martin Hagen, Geschäftsführer der Offenen Jugendarbeit Dornbirn seit der Gründung vor rund 27 Jahren, die Angebote und Arbeitsprojekte einem Test zu unterziehen. Seinem Auftrag zufolge sollte Simon Burtscher-Mathis untersuchen, inwieweit die OJAD das Leitbild der Stadt Dornbirn abdeckt. Den Fokus in der Wirkungs- und Potentialanalyse richtete der Soziologe auf die Bereiche „Chancengerechtigkeit fördern“ und „Zusammenhalt stärken“.

Das Ergebnis wurde im Beisein von Bürgermeisterin Andrea Kaufmann und mehreren Stadträten, Elisabeth Planinger und Elmar Luger (beide Stadt Dornbirn), Eva Grabherr (okay.zusammen leben), Martin Hagen und seinem Team, dem Vorstand des Vismut mit Obfrau Beate Hartmann, sowie weiteren zahlreichen Besuchern vorgestellt.

„Das Bedürfnis nach Sicherheit und Orientierung, das wir alle haben, stellt uns vor eine große Herausforderung“, betonte Simon Burtscher-Mathis. „Umso mehr, da wir es mit einer Zunahme von Diversität in unserer Gesellschaft zu tun haben.“ Es handle sich dabei nicht nur um eine ethnische und religiöse Vielfalt, sondern vor allem auch um die sozialen Unterschiede in unserer Gesellschaft.

 

Fabio Egger, 3. Lehrjahr Koch-Kellner

„Ich habe die Ojad bei einem Workshop in der Schule kennengelernt. Es gab Probleme mit Mobbing, die ich in der Ojad in den Griff bekommen habe. Ich bin in die Arena gegangen und habe dort Freunde getroffen. Manche mögen die Arena nicht, weil sie ausschaue wie eine Bruchbude (lacht). Meine Berufsausbildung ist super.“

Julian Gorbach, Job-Ahoi

„Ich bin seit Oktober bei der Ojad. Es gab Probleme zu Hause und ich habe keine Lehrstelle gefunden. Im Bifo wurde mir die Ojad empfohlen. Ich arbeite in der Werkstätte und im Stall. Vieles passiert unbewusst und hier kann man darüber reden. Es ist ein Riesenfortschritt für mich, dass ich hier vor so vielen Leuten stehe und erzählen kann.”

 

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