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24-Jähriger in Anstalt eingewiesen

Feldkirch - Ein 24-jähriger Wiener ist am Freitag vom Landesgericht Feldkirch in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen worden.

Der gebürtige Kroate wurde wegen eines bewaffneten Überfalls auf einen Bregenzer Taxichauffeur im September 2006 wegen schweren Raubes für schuldig befunden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der psychisch schwer kranke Mann überfiel in der Nähe des Klosters Mehrerau einen 25-jährigen Taxilenker und bedrohte diesen mit einem Messer. Dabei erbeutete der aggressive Angreifer 250 Euro. Wenig später wurde der mit zwei Promille alkoholisierte Wiener gefasst. Bei den Einvernahmen stellten sich die gesundheitlichen Probleme des 24-Jährigen schnell heraus.

Ein Aufenthalt in der psychiatrischen Abteilung brachte Klarheit. „Der Mann leidet an paranoider Schizophrenie. Er lebt in einer anderen Wirklichkeit“, führte Gerichtspsychiater Primar Reinhard Haller in seinem Gutachten aus. Bereits die Mutter des Burschen litt an einer schweren psychischen Störung, sein ebenfalls schizophrener Bruder nahm sich auf Befehl von „Stimmen“ das Leben.

Drogen, Alkohol und das Absetzen von Medikamenten bewirkten immer wieder, dass der Mann die Kontrolle über sich verlor. 2005 hatte er in seiner Verwirrtheit bereits eine Bank in Kroatien überfallen und mit einer Bombe gedroht. Schon damals verbrachte er sechs Monate in der Psychiatrie.

Dass der 24-Jährige beim Taxiraub der Täter war, daran gab es keine Zweifel. Mit der Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ist der Mann prinzipiell einverstanden, allerdings bat er um Bedenkzeit. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.


NEUE Bericht: „Ich spürte die Klinge am Hals“

Der Bregenzer Taxifahrer Bahtim Yücel (26) wurde im Herbst brutal überfallen. Heute steht der Täter in Feldkirch vor dem Richter. Das Urteil wird dem Taxler den Schock von damals nicht nehmen können. Den Abend des 16. Septembers 2006 wird Bahtim Yücel wohl nie vergessen. Ein Fahrgast stieg in sein Taxi und ließ sich von ihm zu diversen Diskotheken chauffieren.

Als der Alkoholisierte in Trainingsanzug und Badeschlappen nirgendwo Einlass fand, zückte er plötzlich ein Klappmesser und bedrohte den jungen Taxifahrer. Beide lieferten sich einen minutenlangen Kampf im Auto.

„Ich wollte ihm die Geldtasche geben. Aber der Mann war so in Rage, dass er gar nicht mehr von mir ablieߓ, so Yücel zur NEUE. Der Unbekannte hielt ihm die Klinge damals direkt an den Hals. „Er war über mir und hätte auch bestimmt auf mich eingestochen. Zum Glück konnte ich ihn überwältigen und aus dem Auto bugsieren.“ Der Räuber flüchtete daraufhin mit der Geldtasche. Der Inhalt: 300 Euro. Kurze Zeit später fand die Polizei den Mann in Bregenz und nahm ihn fest.

Das alles liegt bereits ein halbes Jahr zurück. Dennoch hat der Vorfall Bahtim Yücel bis jetzt nicht losgelassen. Heute steht der 24-jährige Täter in Feldkirch vor dem Landesgericht. Vor acht Geschworenen und drei Richtern muss er sich wegen schweren Raubes verantworten. Für seine brutale Attacke drohen ihm fünf bis fünfzehn Jahre Haft.

„Ich will kein Geld von ihm“

Das Urteil ist Yücel nicht wichtig. „Der Rechtsstaat wird schon wissen, wie der Mann bestraft werden soll.“ Rachegefühle hegt der Taxler keine. Auch Schmerzensgeld für seine Verletzungen im Gesicht und am Handgelenk wird er im Gerichtssaal nicht geltend machen. „Den Schock und die psychische Belastung kann mir kein Geld ersetzen.“ Außerdem wird der Täter wohl eh nie zahlen können, glaubt der Bregenzer Türke.

Am 17. September ist Yücel bereits wieder Taxi gefahren. Er hat nicht eine Minute lang überlegt, den Beruf zu wechseln. „So ein Überfall kann einem Arzt oder einer Frau im Supermarkt auch passieren.“ Entschuldigen können hätte sich der Räuber allerdings schon, findet Bahtim. „Leider hat sich bis heute aber niemand mit mir in Kontakt gesetzt.“

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