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23. Philosophicum Lech über Eliten und Demokratie eröffnet

Symposium läuft bis 29. September
Symposium läuft bis 29. September ©VOL.AT/Steurer
Lech - Das Philosophicum Lech ist am Donnerstagabend offiziell in seine 23. Auflage gestartet.
"Tractatus" geht an Lisa Herzog

Das bis Sonntag dauernde Symposium setzt sich in diesem Jahr mit dem Thema "Die Werte der Wenigen. Eliten und Demokratie" auseinander. "Ein Thema, das aktueller und brisanter nicht sein könnte", befand Lechs Bürgermeister Ludwig Muxel angesichts der bevorstehenden Nationalratswahl am Sonntag in seiner Rede.

Bundesregierung nicht vertreten

Üblicherweise wird das Philosophicum Lech vom Kulturminister bzw. der Kulturministerin eröffnet, dieses Mal war aufgrund der innenpolitischen Turbulenzen der vergangenen Monate und des Wahltermins am Sonntag aber alles anders - die Bundesregierung war nicht vertreten. Nicht zuletzt aufgrund der Entwicklungen seit dem Frühjahr sehe er den kommenden Tagen mit großer Spannung entgegen, sagte Muxel. "Ich freue mich auf grundlegende und fundierte Auseinandersetzungen mit den Mechanismen unserer Gesellschaft und Demokratie. Und das fernab der Wahlwerbung, die uns dieser Tage nahezu überschwemmt", so der Bürgermeister.

Eröffnungsrede von Rüdisser

Vorarlbergs Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser (ÖVP) erklärte in seiner Eröffnungsansprache, dass der Begriff Elite polarisiere und auch aktiv zur Stimmungsmache genutzt werde. "Das ist möglich, weil eine negativ konnotierte Wertung mitschwingt, obwohl es bei wertungsfreier Betrachtung auch ein positives Elite-Verständnis gäbe", sagte Rüdisser. Das Thema des Philosophicums eröffne viele interessante und aktuelle Fragen - "auch, weil unsere Demokratien, so wie wir sie kennen, vor dem Hintergrund mancher handelnden Protagonisten zunehmend gefährdet erscheinen", so Rüdisser. Mit dem Philosophicum werde Lech einmal mehr zu einem internationalen Zentrum für philosophische, kultur- und sozialwissenschaftliche Reflexion.

Liessmann zeigt Grenzen auf

In den inhaltlichen Teil des diesjährigen Philosophicums führte Konrad Paul Liessmann als wissenschaftlicher Leiter der Tagung ein. Dabei skizzierte er nicht nur, was eine Elite ausmacht, sondern zeigte auch ihre Grenzen auf. Insbesondere legte er das Paradoxon dar, dass zwar die gesellschaftliche Elite die Idee der Gleichheit propagiere, selbst aber eine politische Sonderrolle einnehmen wolle. Die Frage, ob es eine Elite brauche, könne offen bleiben. "Wir benötigen aber jedenfalls Menschen, die auf dem Feld, auf dem sie tätig sind, gut sind, die ihr Metier beherrschen, sich dafür mit Leidenschaft und Ehrgeiz einsetzen, aber auch zugänglich sind für Kritik und Selbstkritik und die die Welt nicht nur aus dem Blickwinkel ihres Milieus, aus dem Inneren ihrer Blase betrachten", stellte Liessmann fest. Man müsse die Eliten nicht bekämpfen, "aber man sollte sie in die Pflicht nehmen", so der Philosoph.

Die Vortragenden

Vortragende beim Symposium sind heuer am Freitag die Philosophen, Publizisten und Schriftsteller Alexander Grau, Wolfram Eilenberger, Katja Gentinetta sowie Isolde Charim. Am Samstag sprechen die Philosophieprofessoren Lisa Herzog, Jan-Werner Müller und Christian Neuhäuser sowie der Soziologe Michael Hartmann. Den Abschluss am Sonntag (29. September) bilden Vorträge von Wolfgang Müller-Funk, ehemaliger Universitätsprofessor für Kulturwissenschaften, und des Autors Wolfgang Ullrich.

"Tractatus" für Lisa Herzog

Neben den Vorträgen und Diskussionen bildet am Freitagabend die Preisverleihung der mit 25.000 Euro dotierten Essay-Auszeichnung "Tractatus" an die am selben Tag referierende Lisa Herzog einen Höhepunkt der Veranstaltung. Sie erhält den Preis als erste Frau nach zehn männlichen Preisträgern für ihr Werk "Die Rettung der Arbeit. Ein politischer Aufruf".

(APA)

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