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200 Anleger geprellt: Vier Jahre Haft

Feldkirch - Ein 50-jähriger Schweizer wurde heute am Landesgericht Feldkirch wegen gewerbsmäßigen schweren Betruges zu vier Jahren Haft verurteilt.
Finanzjongleur vor Gericht

Der Finanzjongleur, der in Götzis ein Büro betrieb, prellte rund 200 Anleger um 1,5 Millionen Euro. Von dem Geld fehlt jede Spur. Viele Devisengeschäfte gingen schief, der Rest des Geldes ging für Reisespesen und aufwendigen Lebensstil drauf. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Vorbericht vom 23. September in den “Vorarlberger Nachrichten”

 Gewerbsmäßigen schweren Betrug nennt es die Staatsanwaltschaft, Devisentrading der 50-jährige, höfliche Mann auf der Anklagebank. Bereits vor sechs Jahren verurteilten ihn die Eidgenossen zu einer bedingten Haftstrafe von 18 Monaten. „Die Vorgangsweise war damals beinahe dieselbe wie im heutigen Fall“, so Staatsanwalt Manfred Melchhammer zu der Causa, die immerhin ein Dutzend Ordner füllt. Allein das eingeholte Buchhaltungsgutachten ist so dick wie ein Telefonbuch. „Ich habe gegen keinerlei Gesetze verstoßen“, zeigt sich der Investitionsberater, der heute als Putzmann sein Geld verdient, uneinsichtig. Punkt für Punkt kämpft sich der vorsitzende Richter Wilfried Marte durch die Akten. Zwei Jahre lang, 2005 und 2006, überzeugte der Beschuldigte an die 200 Investoren, dass sie gut daran täten, ihr Geld bei ihm anzulegen. Hauptsächlich Deutsche, Italiener und Schweizer glaubten, dass sich ihr Vermögen in kurzer Zeit verzehnfachen würde. Vorwiegend Privatleute stellten bereitwillig kleinere und größere Beträge zur Verfügung. Sie alle werden ihr Geld höchstwahrscheinlich nie wieder sehen. In Götzis unterhielt der Finanzberater eine Firma mit vier Vermittlern. Sie waren dafür zuständig, Kundengelder zu akquirieren. Von dort aus wanderte das Kapital auf die Konten des Beschuldigten. Er deckte damit Verwaltungs- und Lebenshaltungskosten ab. Anschaulich rechnet der Staatsanwalt vor, wie bei einer Investitionssumme von 10.000 Euro nach Abzug von Provisionen, Gebühren, Mietkosten und Verwaltungsaufwand ein Rest von 1000 Euro übrig bleiben. „Aus diesen 1000 Euro hätten in einem Jahr 100.000 werden sollen“, so Melchhammer schmunzelnd. Den Richter erinnert das Ganze an Pyramiden­spiele. Als seriöses Devisentrading und Warentermingeschäfte bezeichnet es der Finanzjong­leur. Beigebracht hat er sich seine Kenntnisse übrigens selbst. „Mir war immer wichtig, dass Kunden ihr investiertes Geld zurückbekommen, wenn sie das wünschen“, versichert der 50-Jährige.

Geld weg

Gekommen sind lediglich zwei Investoren. Der Rest scheint sich damit abgefunden zu haben, dass hier nichts zu holen ist. Der eine Mann kam extra aus Italien, der andere aus Deutschland. 5000 und 10.000 Euro haben sie verloren. Wohin die 1,5 Millionen Euro verschwunden sind, ist fraglich. Ein geringer Teil wurde zurückbezahlt, große Teile gingen für Ver­waltungskosten und Mieten auf den Virgin Islands, in Panama und Hongkong drauf. Reisen, Lebenshaltungs­kosten, Provisionen und schlechte Geschäfte fraßen beinahe das gesamte Geld auf. Wegen eines weiteren Zeugen musste der Prozess vertagt werden.

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