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20 Jahre Kosmos Theater in Wien: Jubiläumssaison als "Zumutung"

Veronika Steinböck hat jüngst die Leitung des Kosmos Theaters übernommen
Veronika Steinböck hat jüngst die Leitung des Kosmos Theaters übernommen ©APA/HANS PUNZ
Allen Grund zur Freude haben die Betreiber des Kosmos Theaters in Wien-Neubau. Die erste Saison war künstlerisch wie kaufmännisch erfolgreich - nun plant man bereits die Feierlichkeiten zum 20. Geburtstag.

Veronika Steinböck, die im vergangenen Jahr Barbara Klein, Gründerin und Langzeitleiterin des Wiener Kosmos Theaters, nachgefolgt war, hat die Saison 2019/20, deren Details sie heute vorstellte, unter das Motto "Zumutung" gestellt.

"Das ganze Leben ist eine einzige Zumutung"

Als Zumutung könne man nicht nur die heutige politische Situation verstehen. Das ganze Leben sei eine einzige Zumutung. Aber auch das Kosmos-Team mutet sich einiges zu. So sprengt "Das Werk" von Elfriede Jelinek, die im Jahr 2000 zur Eröffnung des Theaters eine Rede hielt, eigentlich die Dimensionen des kleinen Theaters. Die derzeit gehypte junge Schweizer Regisseurin Claudia Bossard, die im Kosmos Theater "Sprengkörperballade" von Magdalena Schrefel inszenierte und derzeit am Schauspielhaus Graz Dürrenmatts "Die Physiker" probt (Premiere: 18. Oktober), wird das Stück über den Bau des Speicherkraftwerks Kaprun im Jänner herausbringen.

20 Jahre Kosmos Theater: Festwoche zum Jubiläum

"20 Jahre Kosmos - eine Zumutung" ist auch der Titel einer kuratierten Festwoche zum Jubiläum, bei dem unter anderem eine Ausstellung an die Entstehungsgeschichte des erkämpften Projekts sowie die Höhepunkte der vergangenen zwei Dekaden erinnern soll. Weil ausgerechnet am 15. Mai 2020, dem eigentlichen 20. Geburtstag des feministischen Projekts, auch die Wiener Festwochen eröffnen, könne es sein, dass man die eigene Festwoche ein wenig vorverlegen werde, hieß es.

Vor 20 Jahren wurden die adaptierten Räume des ehemaligen "Kosmos-Kino" in Wien-Neubau als "kosmos.frauenraum" eröffnet. Deswegen startet man die Saison von 25. bis 29. September mit einer an Virginia Woolfs berühmtes Buch "Ein Zimmer für sich allein" erinnernden "performativen Besetzung" im Haupthof des Museumsquartiers. Zuvor wird der dafür nach Wien kommende Glaspavillon aber in Chemnitz aufgestellt, denn Steinböck freut sich, dass der auch nach Deutschland gedrungene Ruf des Kosmos Theaters als prononciert feministisches Theaterhaus mit hoch professionellem Anspruch eine Kooperation im Rahmen des Doppelpass-Fonds der Deutschen Kulturstiftung ermöglicht hat. "Das ist besonders wichtig, weil alle Fördergeber immer das Aufstellen von Drittelmitteln urgieren", so Steinböck im Gespräch mit der APA.

Förderungen für das Theater

600.000 Euro hat man in der vergangenen Saison von der Stadt Wien bekommen, 85.000 (und damit aufgrund der verkürzten Saison-Laufzeit weniger als davor) vom Bund. Im Kosmos Theater rechnet man für diese Saison mit mindestens derselben Summe, beklagt aber das bisherige Fehlen einer Förderzusage, was die Planungssicherheit deutlich beeinträchtige. Zudem habe es seit 2013 keine Erhöhung gegeben, was einer Kürzung gleichkäme und die von der Stadt mitgetragene Fair-Pay-Initiativen konterkariere. 7.665 Zuschauerinnen und Zuschauer an 105 Vorstellungstagen bedeuteten an die 80 Prozent Auslastung in der Zeit zwischen Oktober 2018 bis Juni 2019. Heuer will man noch zulegen.

Mit großer Freude registriert man im Theater Kosmos die Verjüngung der Zuschauer und den Erfolg nicht nur von Produktionen wie "She He Me", die in der queeren Community starken Zuspruch erhielt, sondern auch der zahlreichen Vernetzungstreffen mit Initiativen und Aktivisten. Dass es dem einstigen "Theater mit dem Gender" heute nicht mehr nur um Frauen und Männer, sondern um vielfältige gesellschaftliche Anliegen gehe, werde erkannt und geschätzt. Dennoch beweist man Haltung: In der Saison 2019/20 wird der Spielplan ausschließlich von Autorinnen und Regisseurinnen bestritten.

Erste Eigenproduktion der Saison

Ein theatrales Roadmovie ist die erste Eigenproduktion der Saison, "Rule of Thumb (Daumenregeln)" von Iva Brdar, das am 9. Oktober zur Österreichischen Erstaufführung kommt. Die Filmregisseurin Nina Kusturica inszeniert das Stück, in dem zwei junge Frauen aus dem Norden Europas per Autostopp quasi auf der entgegengesetzten Balkanroute Richtung Süden unterwegs sind, als Genremix aus Schauspiel, Video und Sound, für den Rana Farahani aka FAUNA gewonnen wurde. Im Dezember setzt man die für "Muttersprache Mameloschn" in der vergangenen Saison Nestroy-preisgekrönte Zusammenarbeit mit makemake produktionen fort. Sara Ostertag bringt den Roman "Das große Heft" von Agota Kristof auf die Bühne. Statt einer sich drehenden Scheibe, wie Ulrich Rasche in seiner zum Berliner Theatertreffen eingeladenen Dresdner Inszenierung, werde es tonnenweise Erde auf der Bühne geben, macht Steinböck neugierig.

Mit der Stückentwicklung "Sturm und Stress" wird Milena Michalek schließlich im Februar ihre mit der vorjährigen Eröffnungsproduktion "Mütter" begonnene Trilogie zum Thema Pubertät fortsetzen. "Donald Trump erscheint uns in seinem Verhalten ja im Moment wie ein pubertierendes Wesen, während Greta Thunberg wie eine Erwachsene wirkt", skizziert die Theaterleiterin die politische Annäherung an das Thema. Das Theater Kosmos jedenfalls will mit seinen 20 Jahren weiterhin nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Zuschauern ordentlich etwas zumuten.

(apa/red)

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