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20 Jahre Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte

Dornbirn – Seit 1991 finden Langzeitarbeitslose und davon bedrohte Menschen bei den Kaplan Bonetti Arbeitsprojekten in Dornbirn eine vorübergehende Beschäftigung. Rechtzeitig zum 20-Jahr-Jubiläum erhalten die Arbeitsprojekte nun ein neues Werkstatt- und Bürogebäude.
20 Jahre Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte

In den drei Werkstätten in der Lustenauer Straße, der Mähdlegasse und an der Furt arbeiteten im Jahr 2010 kurz- und langfristig rund 170 Männer und Frauen.

Die Raumsituation in den vor 20 Jahren gegründeten Kaplan Bonetti Arbeitsprojekten ist seit einigen Jahren prekär: „Platz fehlt an allen Ecken und Enden, der bauliche Zustand und Standard ist äußerst schlecht und die räumliche Verteilung auf drei Standorte behindert betriebliche Abläufe”, betonte der Geschäftsführer der Kaplan Bonetti Sozialwerke Peter Mayerhofer anlässlich des Spatenstiches für das neue Gebäude in der Dornbirner Schlachthausgasse.

An einem Neubau für die Arbeitsprojekte führte deshalb kein Weg vorbei, so Mayerhofer. Als Generalunternehmer für den Bau des Werkstatt- und Bürogebäudes fungiert die Bietergemeinschaft G2, zu der sich die beiden Vorarlberger Bauunternehmen Tomaselli-Gabriel und Oberhauser-Schedler zusammengeschlossen haben. Sie gingen nach der Ausschreibung im Sommer als Bestbieter hervor. Die Bauzeit wird voraussichtlich 12 bis 14 Monate betragen.

Ausreichend Platz für Werkstätten und Lager

Das dreigeschossige Gebäude sieht ca. 1.900 m² für die Büros und Werkstätten der Arbeitsprojekte vor, davon 500 m² als Lagerräume. Ausreichend Platz für alle drei Werkstätten und Tischlereien. „Außerdem werden wir größere Lagerflächen zur Verfügung haben”, berichtet Helmut Johler, seit zehn Jahren Leiter der Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte. „Damit können wir nun endlich auch Aufträge annehmen, die größere Lagerkapazitäten voraussetzen.”

Zu den Hauptauftraggebern der Arbeitsprojekte gehören die Vorarlberger Firmen Grass GmbH, Kaufmann Werkzeugbau, Zumtobel Lighting, Meusburger Werkzeugbau, Hirschmann Automotive und Mohrenbräu. Darüber hinaus haben die Werkstätten zahlreiche kleinere Kunden, wie zum Beispiel die Tischlerei Feldkircher aus Schwarzach. „Die Aufträge sind in den vergangenen Jahren deutlich anspruchsvoller geworden”, erzählt der Leiter der Arbeitsprojekte. „Das bedeutet natürlich, dass unsere Auftraggeber uns mehr zutrauen. Gleichzeitig erfordert das aber auch Fingerspitzengefühl von Seiten unserer Anleiter. Denn sie müssen die richtigen Personen für jeden Auftrag einteilen”, ergänzt Johler.

Büroräume werden an die „aqua mühle frastanz” vermietet

Weitere 650 m² Bürofläche im Obergeschoss des Neubaus werden die Kaplan Bonetti Sozialwerke an den gemeinnützigen Sozial-Dienstleister „aqua mühle frastanz” vermieten, der die Räumlichkeiten für Schulungszwecke nützen will. „Daraus werden sich Synergieeffekte ergeben”, ist Helmut Johler überzeugt. „Zum einen können Klienten der aquamühle bei uns Praktika absolvieren, zum anderen können wir von ihnen stundenweise Schulungsräume mieten und müssen sie nicht permanent erhalten.”

Sobald das neue Gebäude in der Schlachthausstraße fertiggestellt ist, wird die Tischlerei der Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte in der Mähdlegasse für Wohnzwecke adaptiert. Dort soll dann zunächst ein Teil der Bewohner des Kaplan Bonetti-Hauses während des dortigen Umbaus eine vorübergehende Bleibe finden. Danach wird das Gebäude zum Wohnhaus für Frauen.

Gegründet von Kaplan Emil Bonetti

Gegründet hat die Arbeitsprojekte im Herbst 1991 Kaplan Emil Bonetti, zunächst als Verein „Arbeitsprojekt Haus der jungen Arbeiter”. Mit diesem Verein wollte der engagierte Geistliche den neuen Beschäftigungsangeboten im damaligen „Haus der jungen Arbeiter” eine eigene Rechtsstruktur geben. Nachdem anfangs vor allem Heimarbeiten für befreundete Industrieunternehmen abgewickelt worden waren, konnte ergänzend dazu schon bald eine eigene Tischlerei in der Mähdlegasse eröffnet werden. 1997 kaufte man zusätzlich eine Werkstätte in der Lustenauerstraße. Darin werden bis heute vor allem verschiedenste Lohnarbeiten für heimische Auftraggeber, zum Beispiel Montagearbeiten für Elektronik-, Metall- und Holzbauunternehmen, Sortier- und Verpackungsarbeiten abgewickelt.

Seit der Gründung der Arbeitsprojekte fanden in den drei Werkstätten der Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte über 1.700 Frauen und Männer eine kurz- oder langfristige Beschäftigung. Waren es zu Beginn 60 Langzeitarbeitslose oder davon bedrohte Menschen pro Jahr, stieg die Zahl schon bald auf über 100. Heute arbeiten im Durchschnitt rund 170 Transitarbeitskräfte pro Jahr in der Tischlerei oder einer der Werkstätten. Zugewiesen werden die Frauen und Männer von den Kaplan Bonetti Wohnprojekten, der Kaplan Bonetti Beratungsstelle, dem AMS Vorarlberg, dem Bundessozialamt und der Organisation „Neustart”.

„Für unsere Klienten verändert die Arbeit bei uns sehr viel”, erzählt Helmut Johler. „Nach langer Zeit haben sie wieder eine Tagesstruktur, soziale Kontakte außerhalb der Familie und Erfolgserlebnisse.” In der Arbeit angeleitet werden sie von zehn fix angestellten Schlüsselkräften, die auch die Einteilung der Arbeiter zu den einzelnen Projekten vornehmen. Davon unterstützen zwei Sozialarbeiter die Arbeitskräfte bei physischen oder psychischen Problemen. Zusätzlich bieten die Arbeitsprojekte ihren Klienten in Zusammenarbeit mit der Caritas Weiterbildungskurse an. Dazu gehören etwa Deutsch- und Staplerkurse, Kurse zu Gesundheit und Ernährung, Bewerbungstrainings oder interne Qualifizierungsmaßnahmen am Arbeitsplatz.

Neu ab Herbst: Dienstleistungen für Gemeinden, Firmen und Private

Für diesen Herbst ist der Aufbau eines neuen Dienstleistungszweiges der Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte geplant. Angeboten werden Gartenarbeiten, Reinigungsdienste sowie Haus- und Kellerräumungen für Gemeinden, Unternehmen und Privatpersonen. Erste Aufträge haben Mitarbeiter der Arbeitsprojekte bereits erfolgreich absolviert.

Außerdem werden die Arbeitsprojekte in ihrem neuen Gebäude auch die Wäscherei für die Kaplan Bonetti Wohnprojekte und die Beratungsstelle übernehmen.

Die Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte finanzieren sich durch Eigenerlöse aus den Aufträgen, durch Förderungen des AMS, des Landes Vorarlberg und des Europäischen Sozialfonds.

Fact Box:
Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte

Schlachthausstraße, Dornbirn
Auftraggeber: Verein der Freunde Kaplan Bonetti
Zeitplan: Baubeginn2011, FertigstellungAnfang 2013
Planer: Architekt Gottfried Partl, Thüringen
Generalunternehmer: „G2″ – Tomaselli-Gabriel/Oberhauser-Schedler
Umfang: drei Geschosse: 1.900 m² Werkstattflächen (inkl. 500 m² Lager und Tiefgarage), 650 m² Bürofläche zur Vermietung
Investitionsvolumen: 4 Millionen Euro, 2 Millionen Euro aus Rücklagen des Vereins und aus Spenden.

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