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185 Gewaltopfer meldeten sich

Die meisten Vorarlberger Opfer waren im alten Jagdberg interniert.
Die meisten Vorarlberger Opfer waren im alten Jagdberg interniert. ©VOL.AT/Hofmeister
Land beschließt am 22. Juni nächste Zahlungen – bislang 1.022.000 Euro überwiesen.

185 Frauen und Männer aus Vorarlberg haben sich bis heute bei Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch gemeldet, um Gewalt und Missbrauch zu beklagen. Sie alle sind nach eigenen Worten in Erziehungseinrichtungen des Landes in vergangenen Jahrzehnten geschlagen und gedemütigt, manche auch sexuell missbraucht worden.

Eine unpassende Vokabel bleibt dieser „Missbrauch“, ganz so, als hätte es zu irgendeiner Zeit einen korrekten sexuellen „Gebrauch“ von Schutzbefohlenen gegeben. Aber so wenig die Worte den Tatbestand fassen können, so sprachlos steht Vorarlberg heute vor den Ereignissen von damals.

Kommission empfiehlt weiter

Die Opferschutzkommission des Landes, die nach anfänglichen Vorbehalten im Herbst 2010 eingerichtet worden ist, tagt das nächste Mal am 22. Juni 2012. Sie wird dem Land empfehlen, gut ein Dutzend Betroffene finanziell zu entschädigen. Bis heute hat die Landesregierung über eine Million Euro an Entschädigungszahlungen geleistet, überschlägt Landesrätin Greti Schmid.

14 dieser insgesamt 185 Betroffenen nahmen mit Michael Rauch Kontakt auf, nachdem der Fall Nowak-Vogl in den Medien breit behandelt worden war. Sie alle waren als Kinder oder Jugendliche Patienten in der Innsbrucker „Kinderbeobachtungsstation“ gewesen. So nannte die schon zu Lebzeiten umstrittene Psychiaterin Maria Nowak-Vogl ihre Abteilung, die sie 1954 in Innsbruck gründete und bis 1987 leitete.

Spät entlarvt

Dass sie dort u. a. Mädchen mit dem Tiermedikament Epiphysan behandelt hat, um jegliche sexuelle Erregung zu unterdrücken, wurde durch die Fernsehsendung „Teleobjektiv“ im September 1980 bekannt. Vom Journalisten überlistet, erzählte sie bereitwillig auch von anderen „Methoden“ wie Klingelmatratzen für Bettnässer und ihre harte Hausordnung, die 300 Punkte umfasste. Die totale Überwachung mit Videokameras, das Mithören, was Kinder, auch nachts, von sich gaben, rechtfertigte Nowak-Vogl als „medizinisch notwendig“. Selbst der Gang zur Toilette wurde bis ins letzte Detail geregelt.

Ein Auszug lässt Nowak-Vogls Regiment erahnen: „Am Abend müssen die Unterhosen unbedingt kontrolliert werden, mit den Augen oder mit der Nase. (. . .) Man duscht Bettnässer und Einkoter kühl, aber nicht eiskalt. Es wird dringend gebeten, die Essenszeiten so kurz wie möglich zu gestalten und nicht aus Trägheit mit den Kindern sitzen zu bleiben. Es werden nur die Sessel und Tische ruiniert. (. . .) Bei der Suppe herrscht absolutes Stillschweigen. (. . .) Die Teller sind ganz auszuessen.“

Die ehemaligen Vorarlberger Patienten, die sich bei der Hotline der Innsbrucker Medizin-Uni gemeldet hatten, kehrten inzwischen zum Teil enttäuscht wieder zu Vorarlbergs Jugendanwalt zurück. Zwar habe man in Innsbruck ihre Personalien erbeten. Aber ihre Krankenakten einsehen durften sie nicht. Die seien nicht greifbar, wurde ihnen scheinbar beschieden. Das stimmt nur bedingt.

Bis vor einem Jahr lagen die Patientenakten aus Nowak-Vogls „Kinderbeobachtungsstation“ noch in der Klinik. Dann wurde der vollständige Bestand ins Tiroler Landesarchiv übermittelt, bestätigt dessen stellvertretender Leiter Christoph Haidacher: „Wenn jemand nun seinen Akt einsehen will, muss die Klinik die Erlaubnis geben.“ Zuständig ist dafür Claudia Bortoloddi, Tel. 0512/ 504-23650. Haidacher: „Sie holt sich dann den betreffenden Akt und gewährt in der Klinik Einsicht.“ Wird das Land Tirol Nowak-Vogls Opfer entschädigen? Da ihre Station zeitweilig auch dem Bund unterstand, klären Innsbruck und Wien erst die Verantwortlichkeiten, heißt es im Büro von Sozial-Landesrat Gerhard Reheis.

Vorarlberg hat bis gestern laut Landesrätin Schmid an 99 Personen 1.022.000 Euro ausbezahlt, 18 Betroffenen hat das Land Therapiekosten im Ausmaß von insgesamt 23.096 Euro ersetzt. Die erste Tranche an historischer Aufarbeitung des düsteren Erziehungskapitels in Tirol und Vorarlberg wird um den 22. Juni veröffentlicht werden. Fast 100 Seiten wird das Dokument umfassen, das die Innsbrucker Erziehungswissenschaftlerin Michaela Ralser mit ihrem Team erstellt hat. So viel lässt sich heute schon sagen: Die Datenlage ist ausgezeichnet. Die Zöglingsakten vom Jagdberg etwa und von der Fügener Bubenburg sind vollständig erhalten. Daneben geben vormundschaftliche Gerichtsakten, Personallisten und Krankenakten Auskunft.

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