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100 Jahre selbstständiges Land

Am 3. November 2018 erlangte Vorarlberg seine vollständige Selbstständigkeit.
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Am 3. November 1918 beendete der in der Villa Giusti bei Padua geschlossene Waffenstillstand für Österreich- Ungarn den Ersten Weltkrieg. Mit dem militärischen Zusammenbruch nach 52 Monaten Krieg ging der Untergang der Habsburgermonarchie Hand in Hand. Bereits am 21. Oktober 1918 waren die deutschsprachigen Reichsratsabgeordneten im niederösterreichischen Landhaus zusammengetreten und hatten sich zur konstituierenden Nationalversammlung Deutschösterreichs erklärt. Wenige Tage später gaben sie dem neuen Staat, von dem noch nicht einmal sein genauer Umfang bekannt war, eine provisorische Verfassung.

Grundstein für moderne Demokratie

Auch in Vorarlberg bot sich nun die Chance für einen grundlegenden Neubeginn. Ebenfalls am 3. November bildeten Vertreter der Christlichsozialen, der Deutsch-Freisinnigen und der Sozialdemokraten eine provisorische Landesversammlung in Bregenz. Als Erstes begründeten sie – durchaus kühn – ein selbstständiges Land Vorarlberg, erklärten sodann aber dessen Beitritt zu Deutschösterreich und bestellten schließlich einen „Landesrat“, dem auch die bisher staatliche Verwaltung im Land – und zwar die gesamte Zivil- und Militärgewalt – unterstehen sollte. Damit wurde nicht nur die ungeliebte Verwaltungseinheit mit Tirol aufgelöst, sondern auch der Grundstein für eine moderne Demokratie gelegt. An die Spitze des Landesrates wurde als sogenannter „Landespräsident“ (später Landeshauptmann) Otto Ender von den Christlichsozialen gewählt. Zuvorderst aber galt es, der Auflösung jeglicher Ordnung entgegenzuwirken und die ärgste Not zu lindern, denn die Wirtschaft lag am Boden, ein großer Teil der Bevölkerung hungerte und fror. Allein in Dornbirn musste eine sogenannte „Volksküche“ (oder auch „Kriegsküche“) täglich über 2500 Portionen Suppe ausgeben, um gerade Kinder und Jugendliche mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen. Die Schwierigkeiten bei der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln barg auch ein hohes Gefahrenpotenzial in sich. Gerüchte um Revolution und Umsturz machten die Runde. Abschreckende Beispiele einer ausgerufenen Räterepublik gab es in unmittelbarer Nachbarschaft wie in Lindau oder München.

Verbleib bei Österreich

Die Zukunft des neuen österreichischen Staates indes war ungewiss. Während man jenseits des Arlbergs einem Anschluss an Deutschland zuneigte und in Wien die Koalitionsregierung aus Sozialdemokraten und Christlichsozialen die politischen Weichen dafür stellten, sprachen sich in Vorarlberg im Mai 1919 bei einer Volksbefragung rund 80 Prozent für die Aufnahme entsprechender Verhandlungen mit der Schweiz aus. Die Entscheidung, was aus Österreich werden und wie es aussehen sollte, behielten sich allerdings die Siegermächte vor. Der Staatsvertrag von Saint-Germain-en-Laye verbot letztendlich alle Anschluss- oder Separationsbestrebungen. Vorarlberg verblieb als Bundesland bei Österreich. Seit der Selbstständigkeitserklärung Vorarlbergs sind nun 100 Jahre vergangen. Dieses Jubiläum lädt ein, den Blick der historischen Forschung wiederum auf die Ereignisse von 1918/19 zu lenken, den Weg, der zu ihnen führte, zu skizzieren und der interessierten Öffentlichkeit einen aktuellen Forschungsstand in Buchform an die Hand zu geben. Weiter beauftragte der Vorarlberger Landtag das Vorarlberger Landesarchiv mit der Konzeption einer Ausstellung. Die Ausstellung ist vom 3. November bis 22. Dezember 2018 im Foyer des Vorarlberger Landtags im Landhaus in Bregenz zu sehen. Führungen werden immer mittwochs ab 17 Uhr oder nach Vereinbarung angeboten. Der Eintritt ist frei.

EIN GASTBEITRAG VON MARKUS SCHMIDGALL
Vorarlberger Landesarchiv

Weitere Informationen:
Vorarlberger Landesarchiv
Kirchstraße 28, 6900 Bregenz
www.vorarlberg.at/landesarchiv

Buchtipp: Alois Niederstätter (Hg.), Epochengrenze 1918? Beiträge zum Jubiläum „100 Jahre selbstständiges Land Vorarlberg“, Innsbruck 2018, 224 S. ISBN 978-3- 7030-0989-1. 29,90 EUR

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