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„Wir fordern mehr Anerkennung!“

Schwerer Stand für Freeskiing.
Schwerer Stand für Freeskiing. ©W&W
2014 wird Freesking olympisch. Die Vorarlberger Christian Jenny, Daniel Moder und Nicole Scheichl fahren im ÖSV Freeski-Kader – ohne Unterstützung vom Vorarlberger Verband. WANN & WO sprach mit Christian über die Situation.

WANN & WO: Wie ist die momentane Situation für die ÖSV-Freeskier?

Christian Jenny: Die ganze Trainingsstruktur ist noch sehr locker, was unserer Auffassung des Sports aber auch entgegenkommt. Training im Schnee machen wir selbst, wir fahren halt für uns. Im ÖSV trainiert uns Christian Rijavec. Dadurch, dass wir aber aus ganz Österreich kommen, ist die Situation etwas heikel.

WANN & WO: Besteht in Österreich Aufholbedarf in Sachen New School?

Christian Jenny: Ganz klar. Be­­trachtet man die Situation in den USA, sind wir hier zehn Jahre hinten, auch was die Parks und Skigebiete betrifft. Aber auch unsere Nachbarn aus der Schweiz sind uns um Längen voraus. Schon lange bevor feststand, dass Slopestyle und Halfpipe olympisch werden, gab es dort ein Team.

WANN & WO: Wie finanzieren sich deine Weltcup-Teilnahmen?

Christian Jenny: Ich fahre im ÖSV-A-Kader, der einen Großteil der Kosten für die Teilnahme an den europäischen Bewerben deckt. Richtig teuer wird aber die Teilnahme an Bewerben in Übersee, z.B. Copper Mountain. In anderen Bundesländern, z. B. in Tirol, erhalten die Freeskier Unterstützung vom Landesverband und dem jeweiligen Ressort. Bei uns gibt es nicht einmal ein eigenes Referat, obwohl Nicole und ich schon mehrere Male versucht haben, unsere Anliegen an­­zubringen. Es scheint sich aber weder jemand für uns zu interessieren, noch dafür, dass es einen Zuständigen gibt.

WANN & WO: Freeskiing steht für Freiheit. Wie stehst du zur FIS ?

Christian Jenny: Einerseits differenzieren sich noch viele Skifahrer von der FIS, weil sie nichts mit dem Regelwerk anfangen können. Dies passt nicht wirklich mit dem Freeskiing-Freiheits-Gedanken zusammen. Das ist ähnlich wie bei den Freestyle-Snowboardern. Andererseits ist es für den Sport selbst umso wichtiger. Durch mehr Präsenz in den Medien wird Freeskiing auch für die breite Masse interessant.

WANN & WO: Was würdet ihr euch vom Verband wünschen?

Christian Jenny: Anerkennung. Nicole Scheichl hat im letzten Jahr den Gesamt-Europacup gewonnen und wurde, sowohl von der Stadt Hohenems als auch dem Verband geehrt. Wir erhoffen uns einfach Unterstützung. Mit „Going For Gold 2018“ hat der VSV eine Initiative gestartet, um wieder Olympia­­medaillen nach Vorarlberg zu holen. Dass wir gute Chancen haben, schon 2014 in Sotschi zu starten, scheint dem VSV aber entgangen zu sein. Voraussetzung für Olympia ist das Sammeln von vielen Weltcuppunkten, wofür wir aber auch die Unterstützung von Seiten des Vorarlberger Verbandes brauchen.

„Bin nicht der große Gott, der Geld verteilt“

WANN & WO: Ist man von Seiten des VSV bemüht, diese zukunftsträchtige Sportart zu fördern?

Patrick Ortlieb: Wenn eine beträchtliche Anzahl an Talenten da ist, so sind diese in Skiclubs organisiert. Wenn ein Antrag auf die Gründung eines Freestyle-Referates seitens eines Clubs oder Vereins eingeht, wird dies demokratisch bei einer Hauptausschusssitzung zu einer Abstimmung gebracht.

WANN & WO: Kann also ein Freestyle Referat nur auf das Bestreben von Skiclubs hin eingerichtet werden?

Patrick Ortlieb: Ich bin kein Alleinherrscher im Skiverband. Im Hauptausschuss sitzen wieder Vertreter von den Bezirken. Wenn der Wunsch da ist, werde ich mich dem nicht verwehren. Die Initiative muss aber von selbst kommen und sich zuerst in einigen Vereinen etablieren. Dazu gehört aber auch Nachwuchsförderung, Trainerausbildung, Lehrwarte, usw. Die Knochenarbeit am Anfang will nie einer machen.

WANN & WO: In dem Fall sehen Sie die Clubs und Vereine in der Pflicht? Sollte nicht auch von Seiten des Verbandes in diese Richtung gearbeitet werden?

Patrick Ortlieb: Wenn Athleten da sind, müssen sie sich in den Vereinen organisieren. Frau Scheichl hat mich kontaktiert und ich habe alles getan, was in meiner Macht liegt – bekam aber kein Feedback.

WANN & WO: Stichwort „Going For Gold 2018“. Nicole Scheichl und Christian Jenny haben gute Chancen auf einen Olympia – startplatz in Sotschi, schon 2014. Gibt es eine Möglichkeit, sie zu fördern?

Patrick Ortlieb: Ich lasse keinem einzelnen Athleten eine Förderung zukommen. Meine Aufgabe im Skiverband ist, Trainings zu organisieren und Rahmenbedingungen zu schaffen. Für das Training ist der Athlet selbst zuständig. Auch kein anderer, kein Alpiner, kein Nordischer bekommt einen Euro in die Hand, bevor dies nicht mit der sportlichen Leitung abgeklärt ist. Ich bin nicht der große Gott, der Geld verteilt.

WANN & WO: Wie beurteilen Sie generell die Aufnahme von Freeskiing bei Olympia?

Patrick Ortlieb: Auf der einen Seite muss man um jede Disziplin, die mit Schnee zu tun hat, froh sein, dass
sie bei Olympia aufgenommen wird. Trotzdem bleibt die Frage, wie sehr es sich hier um eine Randsportart handelt. Es ist löblich, dass es eine Szene gibt, die sich engagiert. Wenn die Rahmenbedingungen gegeben sind, werden wir Freeskiing auch unterstützen.

Statements: “Sehr wohl Sache von Patrick Ortlieb und dem VSV”

Christian Rijavec, ÖSV-Freestyle-Coach, Leiter Freestyle-Ressort Tirol: „Meiner Meinung nach ist es sehr wohl Sache des VSV und von Patrick Ortlieb, ein Ressort einzurichten. Das Argument, dies auf Vereine zu schieben ist absurd. Ich denke eher, dass die Angst mitschwingt, falls die Freeskier mehr Medaillen als die Alpinen machen würden, in eine Argumentationsnot zu geraten. Das erinnert an die bekannte ÖSVIgnoranz- Strategie. Ich denke an die Jahreshauptversammlung, bei der Ortlieb nicht einmal von den Freeski Europacup-Bewerben in Brand Bescheid wusste. Zehn Minuten später ehrte er dann aber Nici Scheichl für ihren Gesamtsieg des Europacups – Realitätsverweigerung.“

Daniel Moder, Freeski-Kader: „Mit Christian stellt Vorarlberg einen der stärksten Freeskier in Österreich. Warum sollte man Athleten, die eine Chance auf Olympia haben, nicht unterstützen? Worauf wartet der Vorarlberger Skiverband?“

Christoph Arndt, Snowboardreferent VSV: „So wie die Snowboarder 1996 im VSV eine Heimat fanden und sich in 14 Jahren unter der Obhut von Rolf Amann zur erfolgreichsten Wintersportart in Vorarlberg entwickeln konnten, genau so sollten die Freeskier auch einen Platz als Olympische Sportart im VSV finden und unterstützt werden. Auf die demokratischen Prozesse im VSV würde ich mich nicht verlassen, sonst geht es den Freeskiern wie den Skicrossern. Deren Existenz wurde im VSV sehr ‚demokratisch‘ bei zur Abstimmung gebracht – der Skicrosskader im VSV war Vergangenheit.
Zum Thema Vereine, Basisarbeit und Engagement des VSV gibt es Sportarten wie z. B. Biathlon, wo es im ganzen Ländle rund fünf Athleten gibt und trotzdem ein Referat gegründet wurde. Ich hoffe auf eine schnelle und unbürokratische Lösung im Sinne der Athleten!”

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