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„Wenn ich ‚Nein‘ sagte, schlug er zu!“

"Er drohte, mich oder sich selbst umzubringen".
"Er drohte, mich oder sich selbst umzubringen". ©APA (dpa)
Sarah (25) hat am eigenen Leib erfahren müssen, was es bedeutet ein Opfer von Gewalt zu sein. Mit WANN & WO sprach sie über ihre schlimmen Erlebnisse.

WANN & WO: Wann genau hast du zum ersten Mal Gewalt erfahren?

Sarah: Ich bin mit Gewalt aufgewachsen. Damals ging es von meinem Nachbarn aus. Er lockte mich immer wieder in sein Haus, wenn meine Eltern nicht da waren. Seine Erklärung dafür war, dass es normal sei. Als neunjähriges Kind schweigt man. Leider blieb es nicht dabei, dass ich in solch eine Situation geraten bin …

WANN & WO: Was ist dir noch passiert?

Sarah: Als 15-Jährige lernte ich einen deutlich älteren Mann kennen. Ich hatte zu Hause einige Probleme mit meinen Eltern. Er war eine Art Vaterersatz für mich. Zunächst war auch alles noch gut. Er war nett und zuvorkommend. Doch mit der Zeit wollte er immer mehr Dinge, die ich nicht wollte – in sexueller Hinsicht. Wenn ich „Nein“ sagte, schlug er zu.

WANN & WO: Wie und wie lange hast du das ertragen?

Sarah: Meistens geschahen diese Gewaltübergriffe in seinem Drogenrausch. Meine Ausrede war immer: „Er weiß nicht, was er macht.“ In den drei Jahren versuchte ich mich immer wieder umzubringen. Ich war derart am Ende, dass ich es irgendwann doch schaffte, mich zu trennen. Er drohte mir dann aber, mich oder sich selbst umzubringen. Zum Glück ging er dann ins Ausland.

WANN & WO: Bedeutete dies das Ende der Gewaltspirale?

Sarah: Nein! Vor rund zweieinhalb Jahren traf ich ihn zufällig wieder. Er lud mich auf einen Kaffee zu sich ein. Ich nahm das Angebot an. Anschließend kann ich mich an nichts mehr erinnern. Ich vermute, er hat mir etwas in den Kaffee gemixt, das mich für einige Zeit außer Gefecht setzte. Aufgewacht bin ich mit blauen Flecken. Er fand heraus, wo ich wohnte und überraschte mich mit Besuchen. Ich öffnete ihm jedes Mal wieder die Tür, aus Angst und Scham, dass es die Nachbarn mitbekommen könnten. Ein Jahr lang misshandelte und vergewaltigte er mich. Man lässt es einfach über sich ergehen.

WANN & WO: Hat nie jemand etwas davon mitbekommen?

Sarah: Nein, nicht direkt. Ich hatte zu der Zeit einen neuen Freund. Ich brauchte ein Jahr, um Vertrauen zu ihm aufzubauen. Da die weiteren Misshandlungen durch meinen Ex-Freund zu der Zeit stattfanden, als ich schon mit meinem jetzigen Freund zusammen war, wurde es immer schwieriger meine Verletzungen zu verstecken. Er merkte zwar, dass etwas nicht mit mir stimmte und fragte immer wieder nach, doch ich hatte einfach nicht den Mut, mich ihm anzuvertrauen. Ich ging aus Scham und Angst nicht einmal zum Arzt.

WANN & WO: Wann fand das alles ein Ende?

Sarah: Mein Ex-Freund nahm sich das Leben. Aber damit war kein Ende in Sicht. Seine Bekannten geben mir die Schuld an seinem Tod. Sie lauern mir immer noch nachts auf.

WANN & WO: Hast du dir irgendwann Hilfe geholt bzw. Anzeige er­­stattet?

Sarah: Seit der Trennung von meinem gewalttätigen Ex-Freund bin ich in psychologischer Behandlung. Zuerst vertraute ich der Therapeutin nur meine Kindheitserfahrungen an. Nach seinem Tod fand ich den Mut, ihr auch von diesen Erlebnissen zu erzählen. Zudem holte ich mir Hilfe bei der IfS Gewaltschutzstelle und wohnte für einige Zeit in einem Frauenhaus, wobei letzteres leider nichts brachte, da die Gewalt weiterging. Meine Psychotherapeutin und ich erstatteten mehrmals Anzeige. Diese wurden aber aus Mangel an Beweisen fallen gelassen. Das nächste Problem war, dass ich Drohungen bekam, wenn ich eine Aussage machen wollte.

WANN & WO: Wie geht es dir mittlerweile?

Sarah: Ich lebe immer noch in ständigen Angst! Ich bin wieder umgezogen, doch die Bekannten meines Ex-Partners haben auch diese Adresse wieder herausgefunden. Ich traue mich kaum noch aus der Wohnung. Ich schiebe Schränke vor die Türe, damit niemand unbemerkt eindringen kann. Mir fällt es schwer, mich unter Menschen zu mischen, da ich die Nähe zu anderen kaum ertrage.

WANN & WO: Was würdest du anderen Betroffenen raten?

Sarah: Stark zu sein und zu kämpfen! Man sollte sich auf jeden Fall Hilfe holen wie z.B. bei der IfS Gewaltschutzstelle. Viele Frauen haben Angst, dass danach die Gewalt noch schlimmer wird, doch man darf sich nicht unterkriegen lassen. Mir hat vor allem die psychologische Betreuung geholfen. Und man sollte sich keinesfalls einreden, dass man selbst daran Schuld ist, denn das ist man nicht!

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